© Jimmy Syahirsyah / WWF Indonesien
© Jimmy Syahirsyah / WWF Indonesien

Politische Maßnahmen: REDD

Industrieländer finanzieren Stopp der tropischen Entwaldung, um Emissionen zu verringern

Die Zerstörung von Wäldern ist mit einem Anteil von rund 20 Prozent an den jährlichen globalen Treibhausgasemissionen einer der Hauptverursacher des anthropogenen Klimawandels. Der Schutz vor allem tropischer Wälder ist daher eine der wichtigen Herausforderungen im Kampf gegen den Klimawandel. Ziel ist es, den globalen Temperaturanstieg weit unter zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten zu halten.

Die jährliche Entwaldung wird von der Welternährungsorganisation FAO auf 13 Millionen Hektar pro Jahr geschätzt. Dabei gelangen ungefähr sechs Gigatonnen CO2 in die Erdatmosphäre. Mit ihren Emissionen aus Entwaldung haben Brasilien und Indonesien die dritthöchsten beziehungsweise vierthöchsten Kohlendioxid-Emissionen weltweit (nach den USA und China).

Wenn wir demnach die Erderwärmung unter der kritischen Schwelle von zwei Grad Celsius halten und zugleich die biologische Vielfalt schützen sowie die Lebensgrundlagen von rund 1,6 Milliarden (FAO 2007) Menschen bewahren wollen, die auf Wälder angewiesen sind, ist es von zentraler Bedeutung, die Waldvernichtung zu stoppen.

Neben ihrer Funktion als Kohlenstoffspeicher und Katalysator zur Minderung des Klimawandels haben intakte Wälder eine stärkere Widerstandsfähigkeit als andere Ökosysteme. Dadurch sind sie – neben weiteren Ökosystem-Leistungen, die sie erbringen – auch ein wichtiger Regulator zur Anpassung von Mensch und Biosphäre an die unausweichlichen Folgen des Klimawandels.

UN-Beschluss von 2007

Auf der UN-Klimakonferenz Ende 2007 in Bali wurde beschlossen, die Einführung eines Mechanismus zur Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern (REDD – Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation) in den Nachfolgevertrag des Kyoto-Protokolls aufzunehmen.

Es soll ein völkerrechtlicher Rahmen geschaffen werden, an dem sich möglichst viele Länder beteiligen und in dem vor allem die tropischen Länder beim Schutz ihrer Wälder unterstützt werden. Der Grundgedanke: Wenn Entwicklungsländer ihren Wald erhalten, entgehen ihnen möglicherweise Entwicklungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel durch den Ausbau von Agrarflächen und Transportwegen oder die Förderung von Erdöl. Außerdem benötigen sie Geld für die Einrichtung und langfristige Verwaltung von Schutzgebieten sowie die Entwicklung in Richtung einer CO2-bewussten Wirtschaftweise. Da der tropische Regenwald für das Weltklima so wichtig ist, muss dessen Schutz auch zum Beispiel für uns in Europa von großem Interesse sein.

Was tut der WWF?

© Daniel Goliasch / WWF
© Daniel Goliasch / WWF
  • führt Maßnahmen zum Stopp der Entwaldung und Zerstörung von Torfmoorwäldern sowie zur Schaffung neuer Schutzgebiete durch;
  • sorgt für die Erhaltung und Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Wälder, um ihre Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel zu erhöhen – zum Beispiel durch die Vermeidung weiterer Fragmentierung von Waldflächen, Brandbekämpfung, Vermeidung zu intensiver Waldbewirtschaftung sowie Verhinderung der Umwandlung von Naturwäldern in Plantagen;
  • engagiert sich bei den Klimaschutzverhandlungen für die Entwicklung eines soliden und fairen REDD-Mechanismus, der sowohl echte Emissionsreduktionen bringt als auch den Schutz der Biodiversität und die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen ausreichend berücksichtigt;
  • unterstützt auf verschiedenen Ebenen tropische Entwaldungsländer beim Aufbau der Rahmenbedingungen für ein zukünftiges REDD-System. Hierzu gehören die Klärung von Landrechten, der Aufbau von Satellitensystemen zur Messung von Entwaldungsraten, der Aufbau von administrativen Kapazitäten, die Einbeziehung indigener Bevölkerungsgruppen und vieles mehr;
  • führt konkrete Wald und Klima-Pilotprojekte durch, die das Verständnis weltweit für waldbezogene Klimaschutzmaßnahmen erhöhen sollen. Solchen Projekten muss nicht nur eine solide Berechnungsgrundlage für die Kohlenstoffeinsparungen zu Grunde liegen, sie müssen auch einen Gewinn für die Artenvielfalt und die ansässige waldabhängige Bevölkerung nachweisen können. Um diese Qualität zu gewährleisten, prüft der WWF vorhandene Zertifizierungsstandards für waldbezogene Klimaschutzprojekte – auf dem Papier und in der praktischen Anwendung. Dazu hat der WWF ein Gremium aus WWF- und externen Experten ins Leben gerufen – das Forest Carbon Standards Advisory Committee – das Standardsysteme für waldbezogene Klimaschutzprojekte auf dem freiwilligen Markt bewertet