
- © Markus Radday / WWF
Wiedervernässung von Torfmoorwäldern
In den 1990er Jahren wurden in der indonesischen Provinz Zentral-Kalimantan auf Borneo über eine Millionen Hektar Torfmoorwälder trockengelegt, um den großflächigen Anbau von Reis zu ermöglichen. Jetztwill der WWF die Wälder wieder unter Wasser setzen, um die Freisetzung großer Mengen von Treibhausgasen zu bremsen.
Ein mehr als 4.000 Kilometer langes Netz von Drainagekanälen entwässerte das Gebiet großräumig und erhöhte dadurch die Anfälligkeit der Torfmoorwälder für Feuer. Dieses Großprojekt gilt mittlerweile als Umweltkatastrophe ersten Ranges, denn weite Teile der entwässerten Flächen wurden neben der kontrollierten Rodung durch regelmäßige Brände entwaldet und sind zu kargen Ödflächen degradiert.
Verstärkt durch das Wetterphänomen El Nino brannten in der großen Feuersbrunst von 1997 insgesamt 6,8 Millionen Hektar Torfböden in Zentral-Kalimantan. Deren Rauchschwaden waren bis ins über 2.000 Kilometer entfernte Singapur zu spüren.
Das „Central Kalimantan Peatland Project“

- © Tira Maya Maisesa / WWF Indonesien
In einem Konsortium aus verschiedenen Nichtregierungsorganisationen betreut der WWF seit 2006 zusammen mit nationalen Körperschaften (Distrikte, Provinz) das „Central Kalimantan Peatland Project“ (
www.ckpp.org). Schwerpunkt der WWF-Arbeit ist der Sebangau-Nationalpark, der als Wald am Westrand des ehemaligen Mega-Reisprojektgebietes noch erhalten geblieben ist. Ziel des WWF-Projektes in Sebangau ist es vor allem, die Freisetzung von Treibhausgasen aus den degradierten Torfregenwäldern zu verhindern.
Hauptproblem bei der Erhaltung des Sebangau-Nationalparks und seiner umliegenden Pufferzone ist das Austrocknen des Torfbodens, der durch zahlreiche, ehemals von Holzfirmen künstlich angelegte Kanäle entwässert wird. In dem ausgetrocknenden Torf flammen immer wieder Brände auf, die nicht nur den Wald zerstören und Emissionen freisetzen, sondern bis in die Dörfer und Vororte der angrenzenden Distrikthauptstadt Palangka Raya rund zehn Kilometer entfernt ziehen. Die von den Bränden verursachte Rauchentwicklung hat bereits zu massiver Luftverschlechterung und gesundheitlichen Schäden bei der Bevölkerung geführt.
Nach grundlegenden Maßnahmen wie langjähriger Arbeit mit der Bevölkerung der umliegenden Dörfer bekämpft der WWF seit 2006 das Übel verstärkt an der Wurzel, indem er die Entwässerungskanäle durch den Bau zahlreicher Dämme von der Randzone bis tief in den Wald hinein verschließt. Der Dammbau erfolgt mit Hilfe der umliegenden Dorfgemeinschaften. Mit ihnen werden die Bauten auch genau abgestimmt.
Weil Dorfbewohner die Kanäle gern als Transportwege für ihre Kanus nutzen, werden einige Dämme mit einer Öffnung gebaut, durch die Kanus hindurch gezogen werden können. So werden die ausfließenden Wassermassen stark reduziert und der Kanal bleibt trotzdem nutzbar. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Dämme auch akzeptiert werden.
Die Dämme halten das Wasser im Torf und tragen langfristig dazu bei, dass der Grundwasserspiegel im Torfdom wieder sein natürliches Maß erreichen wird. Dadurch wird der Torfzerfall gestoppt und damit auch die weitere Emission von Kohlenstoff und dessen Oxidation zum Treibhausgas CO2. Der noch bestehende Wald erholt sich wieder und auf den vom Feuer verwüsteten Flächen dazwischen kann wiederaufgeforstet werden.
Der WWF hat insgesamt bereits 105 Dämme in Sebangau gebaut. Doch mehrere Hundert weitere werden noch nötig sein, um wieder einen natürlich funktionierenden Wasserhaushalt herzustellen.
Aufgeforstet werden diese Waldlücken vor allem mit lokalen, feuerresistenten Baumarten, Futterpflanzen für Orang-Utans sowie standorttypischen, kommerziell nutzbaren Baumarten wie Naturkautschuk. Auch diese Aufforstungen tragen dazu bei, dass die Torfmoorgebiete wieder zu natürlichen Kohlenstoffspeichern werden. Außerdem mindern die Nutzpflanzen den Raubbau in den verbliebenen Urwäldern. Des Weiteren wird durch das Anheben des Grundwasserspiegels im Torfdom die Waldbrandgefahr deutlich verringert.
Nutzen für die Bevölkerung

- © Hendry / WWF Indonesien
Die lokale Bevölkerung ist für die Instandhaltung der wasserbaulichen Maßnahmen verantwortlich und hat einen klaren ökonomischen Vorteil von den Renaturierungsmaßnahmen. Denn sie sorgen für Arbeit und Einkommen. So initiiert und betreut der WWF beispielsweise Fischzucht im Staubereich der Dämme. Diese und weitere WWF-Projekte, wie die Schaffung verbesserter Verarbeitungs- und Vermarktungsmethoden für Rattan oder der Aufbau von Ökotourismus, sollen mithelfen, den Teufelskreis von Armut und illegalem Holzeinschlag zu durchbrechen.
Bislang blieb vielen Dorfbewohnern keine andere Wahl, als auf Tagelöhnerbasis für die Holzmafia zu arbeiten. Die Entwicklung von Alternativen zum illegalen Holzeinschlag als Einkommensquelle ist daher ein wichtiger Bestandteil des Nationalpark-Konzepts. Letzten Endes hilft die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen des Nationalparks, die Armut mehrerer tausend Familien zu mindern.

Die Torfmoorwälder von Sebangau
