West-Papua: Unberührte Natur

Rund 83 Prozent des indonesischen Teils Neuguineas sind mit Wald bedeckt

Im Jahr 1950 waren über 90 Prozent der Landfläche des heutigen West-Papua, 41 Millionen Hektar, mit Wald bedeckt. Die aktuellen Daten zeigen, dass rund 83 Prozent des indonesischen Teils Neuguineas noch bewaldet sind – insgesamt 34,2 Millionen Hektar. Obwohl West-Papua zwischen 1985 und 2008 fünf Prozent seiner Bewaldung verloren hat, gehört es im weltweiten Maßstab zu den Regionen mit den größten ungestörten Regenwaldflächen.

Graphische Überarbeitung der Karten: WWF Deutschland

Die Größe und Unberührtheit der Wälder ist einzigartig

Neuguinea ist die zweitgrößte Insel der Welt. Die westliche Hälfte der Insel besteht aus den indonesischen Provinzen West-Papua und Papua (zusammen West-Papua), während die östliche Hälfte dem unabhängigen Staat von Papua-Neuguinea zugehört.

Das größte zusammenhängende Gebiet tropischer Wald-Wildnis des Asien-Pazifik-Raums erstreckt sich auf der Insel, und die verschiedenen dortigen Ökosysteme sind Heimat einer einzigartigen Fülle von Flora und Fauna. Tatsächlich finden sich allein 54 Prozent der Biodiversität Indonesiens in West-Papua. 60 Prozent der Säugetierpopulation sowie 40 Prozent der Vögel der Insel sind endemisch. Die Insel Neuguinea gehört zu den zehn artenreichsten Regionen der Welt, was die Zahl der Pflanzenarten angeht. Man schätzt, dass dort bis zu 20.000 Gefäßpflanzenarten heimisch sind. Die meisten dieser Pflanzen kann man nirgendwo sonst auf der Erde finden.

Die aktuelle Auswertungen von Satellitenaufnahmen aus den Jahren 2005 und 2008 lassen keine statistisch sicheren signifikanten Veränderungen in der Waldfläche in diesem Zeitraum erkennen. Zwar könnten sich in dieser Spanne Entwaldungsprozesse abgespielt haben, aber die Unsicherheiten bei der Interpretation der Daten lassen diesen Schluss nicht sicher zu. 

Die Wälder West-Papuas sind damit zur Zeit noch gesünder und weniger der Zerstörung ausgesetzt als auf den anderen Inseln Indonesiens. Dieses liegt zumindest zum Teil an der gebirgsreichen Landschaft und der schwachen Infrastruktur, die den Zugang für die Nutzung der Wälder erschwert. Während über 94 Prozent der Entwaldung Indonesiens zwischen 2000 und 2007 auf Sumatra und in der Provinz Kalimantan auf Borneo stattfanden, sind diese Prozesse in West-Papua im letzten Jahrzehnt wesentlich weniger stark ausgeprägt gewesen – knapp unter einem Prozent der gesamten Entwaldungsfläche Indonesiens. Eine Situation, die einzigartige Möglichkeiten für den Schutz der Wälder dieser Region bietet.

Was steht auf dem Spiel?

Nirgendwo sonst im asiatisch-pazifischen Raum stehen die Chancen besser, großflächige Waldgebiete unter Beibehaltung aller ursprünglichen ökologischen Funktionen zu erhalten als auf Neuguinea. Größe und Unberührtheit der Wälder sind immer noch einzigartig im Vergleich mit den anderen Inseln der Region und dem südostasiatischen Festland.

Aber es gibt beunruhigende Zeichen, dass kurzfristige wirtschaftliche Interessen, ähnlich wie auf Sumatra und Borneo, auch in West-Papua in naher Zukunft zu großflächige Zerstörung der Wälder führen.

Im Landnutzungsplan sind 23 Prozent der Wälder West-Papuas als Produktionswälder vorgemerkt, weitere 25 Prozent für die Umwandlung – ein Viertel der Wälder der Insel ist damit zur Zerstörung freigegeben. Das steht in starkem Widerspruch zu einer im Jahr 2007 gemachten Erklärung. Darin sagten die Gouverneure von Papua und West-Papua, dass sie sich für eine Verringerung der für die Umwandlung vorgesehenen Wälder um bis zu fünf Millionen Hektar einsetzen würden.