© E.C. / WWF
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Wie kompensiere ich richtig?

Aus Sicht des WWF macht es weder Sinn, Kompensation von Treibhausgasemissionen in Gänze als Augenwischerei zu verdammen, noch unkritisch jedes Kompensationsprojekt als Beitrag zum Klimaschutz willkommen zu heißen. Wenn einige einfache Regeln beachtet werden, kann Kompensation jedoch durchaus sinnvoll sein.

Die eigenen Emissionen richtig ermitteln

Grundsätzlich sollte Kompensation nur dann zum Einsatz kommen, wenn Verbraucher oder Unternehmen alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben, ihre Emissionen zu vermeiden und zu verringern. Dafür ist es zunächst einmal wichtig zu wissen, in welchen Lebens- oder Unternehmensbereichen überhaupt die meisten Emissionen anfallen. Für Einzelpersonen und Privathaushalte gibt es daher den CO2-Rechner des WWF, der dem Nutzer mit wenigen Mausklicks seine persönliche CO2-Bilanz in den Bereichen Heizung, Strom, Verkehr, Konsum und Ernährung ausrechnet und direkt im Anschluss personalisierte Tipps zur Verbesserung der Bilanz gibt.

Solche CO2-Rechner gibt es im Internet inzwischen häufiger. Wichtig ist bei allen die seriöse Berechnungsgrundlage. Insbesondere im Bereich Flugreisen, wo Kompensationsangebote schon weit verbreitet sind, gibt es Abweichungen. Denn die Treibhaushausgase, die in großer Höhe ausgestoßen werden, haben einen um das etwa Dreifache stärkeren Klimaeffekt. Diesen so genannten Radiative Forcing Index (RFI)-Faktor sollten CO2-Rechner also auf jeden Fall berücksichtigen.

Auch in allen anderen Bereichen sollte die Berechnungsgrundlage stimmen. Der Rechner des WWF wird durch das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg wissenschaftlich betreut und regelmäßig aktualisiert, so dass die Zahlen immer auf dem neusten Stand sind.

Für Unternehmen ist das Erstellen einer Emissionsbilanz ungleich schwieriger. Um zu ermitteln, in welchen Unternehmensbereichen die meisten Treibhausgase anfallen und die höchsten Reduktionspotenziale bestehen, ist dies jedoch unerlässlich.

Erst vermeiden und verringern, dann kompensieren!

Nach Ermittlung der eigenen Bilanz sind die wesentlichen drei Schritte im Grunde für alle gleich – seien es Unternehmen oder Verbraucher. Denn zunächst sollten die größten Reduktionspotenziale ausgeschöpft sein, bevor ans Kompensieren gedacht wird. Das lässt sich am Beispiel des Fahrers eines Geländewagens illustrieren.

  • Schritt 1: Vermeiden! Der Fahrer eines Geländewagens sollte als erstes überlegen, ob er den Wagen wirklich braucht oder ob ein kleineres Auto nicht für seine Zwecke reicht. Damit könnten schon eine große Menge an Treibhausgasen vermieden werden.
  • Schritt 2: Verringern! Auch mit einem kleinen Wagen muss man keine Alltagseinkäufe erledigen. Dafür lassen sich oft auch das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel nehmen.
  • Schritt 3: Kompensieren! Wer auf das Auto für bestimmte Pflichten und Fahrten absolut nicht verzichten kann, für den bleibt Kompensation durchaus als sinnvolle Lösung übrig. Aber Vorsicht: Nur Schritt 1 und 2 führen wirklich zu einer besseren persönlichen Emissionsbilanz und sparen Treibhausgase ein.

Für Unternehmen kann dieser Dreischritt zum Beispiel bedeuten, zunächst möglichst viele Reisen durch Videokonferenzen zu ersetzen, den Transport von Waren von der Straße auf die Schiene umzuleiten, Kraft-Wärme-Kopplungssysteme zur Energieerzeugung zu installieren oder die Beleuchtung auf Energiesparlampen umzustellen, bevor eine Kompensation der restlichen Emissionen ins Auge gefasst wird.

Wie finde ich das richtige Kompensationsprojekt?

Dass das Verringern der eigenen Emissionen immer Priorität haben sollte, liegt auch an der Unsicherheit, mit der viele Kompensationsprojekte in Entwicklungsländern behaftet sind. Sowohl im regulierten als auch im freiwilligen Markt gibt es Kompensationsprojekte von sehr unterschiedlicher Qualität. So ist es häufig äußerst schwer zu kontrollieren, ob ein Projekt dem Kriterium der Zusätzlichkeit genügt. Es ist jedoch wesentlich, dass ein Projekt nur deshalb umgesetzt wird, weil es die zusätzliche Finanzierung durch den Kompensationsmechanismus erhält. Andernfalls steigen – global betrachtet – die Emissionen. Denn ist ein Projekt ohnehin schon in Planung, verursachen  hierzulande Unternehmen oder Verbraucher weiterhin genauso viel CO2 wie vorher, da sie sich im falschen Glauben wiegen, durch eine Geldzahlung ihre Emissionen ausgeglichen zu haben

Problematisch ist auch die Art mancher Projekte, zum Beispiel die Kompensation über das Anpflanzen neuer Bäume. Solche Projekte sind zum einen oft wegen der negativen ökologischen Folgen von Plantagen abzulehnen, zum anderen,  weil die langfristige Speicherung von CO2 keineswegs gewährleistet ist. Ein unvorhergesehenes Abbrennen der Bäume würde das gesamte gespeicherte CO2 wieder freisetzen. 

Leider gibt es im Unterschied zum regulierten Markt im Rahmen des Kyoto-Protokolls auf dem freiwilligen Markt derzeit keinen einheitlichen Qualitätsstandard, an dem sich sowohl Anbieter als auch Nutzer von Kompensationsprojekten orientieren könnten. Derzeit tummeln sich gleich mehrere Standards am Markt, anhand derer Betreiber von Kompensationsprojekten diese zertifizieren lassen können. 

In einer Studie wies der WWF nach, dass lediglich der Gold Standard, der weltweit anerkannteste Qualitätsstandard, ein wirkliches Gütesiegel für Kompensationsprojekte darstellt. Interessenten sollten also auf den Internetseiten und in Broschüren von Kompensationsanbietern genau die Projektbeschreibungen studieren und sich nur dann dafür entscheiden, wenn eine Zertifizierung der Projekte durch den Gold Standard garantiert wird.