Strom aus Kohle: Steinzeittechnologie und Klimasünde
Die Erzeugung von Energie ist die Hauptquelle für Treibhausgase, insbesondere von CO2. Dazu werden auch heute noch in Kraftwerken die fossilen, sehr kohlenstoffintensiven Energieträger wie Stein- und Braunkohle, aber auch Erdöl und Erdgas verbrannt. Rund 37 Prozent der vom Menschen weltweit verursachten CO2-Emissionen fallen bei der Stromerzeugung an. Knapp 40 Prozent der erzeugten Energie basiert noch immer auf dem fossilen Brennstoff Kohle. In Deutschland liefern Braun- und Steinkohlekraftwerke weiterhin fast die Hälfte des Stroms. Die Verbrennung von Kohle zur Energiegewinnung ist deshalb eine der zentralen Ursachen für den Klimawandel. Es ist die Klimasünde schlechthin.
Auch in Deutschland ist der Stromsektor mit rund 40 Prozent der Hauptverursacher von Kohlendioxid. Dabei spielen Kohlekraftwerke eine enorme Rolle. Deutsche Kohlekraftwerke gehören nach wie vor zu den klimaschädlichsten Anlagen in Europa. Eine Berechnung des Öko-Instituts im Auftrag des WWF zeigt, dass 2006 zehn der 30 schmutzigsten und ineffizientesten europäischen Kraftwerke in Deutschland standen. Alle 30 Anlagen mit dem höchsten Ausstoß an CO2 in Deutschland sind Kohlekraftwerke.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel spricht trotzdem von 8 bis 12 weiteren Kohlekraftwerken, die gebaut werden müssten. Dabei kommt eine
Studie im Auftrag seines eigenen Ministeriums zu dem Ergebnis, dass über die bisher im Bau befindlichen keine neuen Kohlekraftwerke mehr errichtet werden dürfen, wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will. Der Bundesumweltminister widerspricht sich also selbst.
Der Bau von 28 neuen Kohlekraftwerken droht
Zahlreiche Wissenschaftler warnen deshalb ausdrücklich vor dem Bau neuer Kohlekraftwerke. Dennoch halten sowohl die Bundesregierung als auch die Energiewirtschaft unbeirrt an dieser Steinzeittechnologie fest. Auch in vielen anderen Industriestaaten und großen Schwellenländern wie China, Indien und Südafrika ist der massive Zubau neuer Klimakiller geplant. Allein in Deutschland sind, wie eine Analyse für den WWF zeigt, derzeit 28 neue Kohlekraftwerke geplant. Sieben sind bereits im Bau, vier Projekte wurden auch wegen des bundesweit stark zunehmenden Widerstands gegen Kohlekraftwerke aufgegeben, vier weitere wurden erstmal zurückgestellt.
Rund die Hälfte der deutschen Kraftwerke muss in den kommenden beiden Dekaden wegen des Atomausstiegs und aus Altersgründen abgeschaltet werden. Diese Chance muss genutzt werden, um den Stromsektor klimafreundlicher zu gestalten. Ziel des WWF ist es deshalb, neue Kohlekraftwerke zu verhindern. Sie haben eine Laufzeit von 50 bis 60 Jahren und zementieren über Jahrzehnte einen zu hohen CO2-Ausstoß. Wenn die Bundesregierung es mit dem Klimaschutz ernst meint, muss sie jetzt den Ausstieg aus der Kohleverstromung einleiten und klimafreundlichere Technologien fördern.
Nicht „verkohlen“ lassen – WWF unterstützt den Kampf gegen Kohle
In den vergangenen Jahren ist der Widerstand gegen Kohlekraftwerke rasant gewachsen. Bundesweit engagieren sich immer mehr Bürgerinitiativen, viele verschiedene gesellschaftliche Gruppen, Parteien und die Umweltverbände gegen den Bau von Kohlekraftwerken. Der WWF engagiert sich gemeinsam mit zahlreichen Gruppen vor Ort gegen den geplanten Bau eines Kohlekraftwerks in Lubmin in der Nähe von Greifswald. Zudem ist der WWF Mitglied in der
Klima-Allianz, einem Zusammenschluss von mehr als 100 Organisationen aus allen gesellschaftlichen Bereichen, die sich den „Kampf gegen Kohle“ auf die Fahne geschrieben hat.
Weitere Informationen
Detaillierter Planungsstand der einzelnen Kraftwerke
Tabelle: Weitere Infos zu den Kraftwerken (Stand Oktober 2008)
Leitfaden zur Erklärung der Tabelle
Weite Strände, Kliffküsten und …
... kein Kohlekraftwerk!
WWF-Ostseebüro kämpfte erfolgreich gegen das geplante Kohlekraftwerk in Lubmin >>



