WWF verhindert Kohlekraftwerk in Lubmin 

Bleibt auch in Zukunft kraftwerksfrei: Das Seebad Lubmin, 20 Kilometer von der Insel Rügen entfernt. © A. Magdorf / WWF
Bleibt auch in Zukunft kraftwerksfrei: Das Seebad Lubmin, 20 Kilometer von der Insel Rügen entfernt. © A. Magdorf / WWF

„Weite Strände, Kliffküsten sowie malerische Kiefernwälder bieten Natur pur.“ So preist das Seebad Lubmin, 20 Kilometer von der Insel Rügen entfernt, im Internet seine touristischen Qualitäten an. Doch damit drohte es bald vorbei zu sein. Der dänische Energiekonzern Dong Energy plante direkt am Greifswalder Bodden den Bau eines gigantischen Steinkohlekraftwerks. 2012 sollte es nach dem Willen der Investoren stehen. Zwei 800-Megawatt-Blöcke würden jährlich zwischen sieben und zehn Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre blasen. Tag für Tag würden 13.200 Tonnen Steinkohle verfeuert. Der Brennstoff käme nicht aus Deutschland, sondern würde per Schiff aus Australien und Südafrika geliefert werden. „Natur pur“ sieht anders aus.

Das war vor kurzem noch zu befürchten. Doch nun ist es dem WWF und seinen Partnern gelungen, Dong zum Einlenken zu bewegen. Dong hat am 11.12.2009 erklärt, auf den Bau des Klimakillers zu verzichten. Ein schöner Tag für Lubmin, Mecklenburg-Vorpommern und den Klimaschutz. Und ein grosser Erfolg für den WWF und seine Partner. Noch vor einigen Wochen hatten Vertreter des WWF und seiner Partner der Konzernspitze von Dong bei einem Gespräch in der Kopenhagener Zentrale des Unternehmens überzeugend darlegen können, dass Dong gegen den Widerstand von grossen Teilen der Bevölkerung, der örtlichen Bürgerinitiativen, der Kirchen und Umweltverbände das Kraftwerk nicht werde errichten können.  

Nach jahrelangen Auseinandersetzungen hat sich Dong nicht mehr den politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Argumenten gegen das Kraftwerk verschliessen können und die  Notbremse gezogen.

Gemeinsam mit der Klima-Allianz kämpft der WWF in einer bundesweiten Kampagne gegen den Bau besonders klimaschädlicher Kohlekraftwerke. Und derzeit fallen die Kraftwerke wie Dominosteine: neben den Plänen in Lubmin wurden letzte Woche auch Pläne fuer den Bau neuer Kraftwerke in Mainz und Doerpen aufgegeben. Damit ist es dem WWF und der Klima-Allianz in den vergangenen Jahren gelungen, 11 Kraftwerksprojekte zu verhindern. Doch noch sind viel zu viele weitere Klimakiller geplant. 

 

Gegen den Bau des Kraftwerks in Lubmin sprachen triftige Gründe.

WWF, Klima-Allianz und BUND hatten in einer gemeinsamen Studie nachgewiesen, dass der Bau des Kohlekraftwerks Lubmin ökonomisch und ökologisch unsinnig ist und an den Bedürfnissen einer modernen Klimapolitik vorbeigeht. Die Verbände konnten grundlegende Mängel an den energiepolitischen Leitlinien des Landeskonzeptes „Energieland 2020“ nachweisen. Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns hatte kürzlich ein Konzept vorlegt, wie sie sich die Energieversorgung in Mecklenburg-Vorpommern bis 2020 vorstellt. Zentraler Teil dieses Konzepts ist der Bau des Kohlekraftwerks in Lubmin. Zudem konnte der WWF in einer Studie nachweisen, dass das Kraftwerk auch ein großes finanzielles Risiko für Dong Energy und die Investoren darstellt.

Gute Gründe gegen Lubmin Teil 1:  Klimaschutz

Der Lubminer Kraftwerksbau steht in völligem Widerspruch zum Anspruch Deutschlands, die weltweit führende Nation in Sachen Klimaschutz zu sein.  Folgt man wissenschaftlichen Berechnungen, müssen die Industrieländer ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 um mindestens 80 Prozent gegenüber 1990 reduzieren, um die globale Erwärmung deutlich unter plus zwei Grad Celsius zu halten. Mit neuen Kraftwerken dieser Art ist das nicht zu schaffen, da sie rund 50 Jahre laufen und so lange CO2 ausstoßen werden.

Äußerst fragwürdig ist auch das Vorgehen des dänischen Betreibers Dong. In seiner Heimat dürfte ein solches Kraftwerk gar nicht mehr gebaut werden, denn es verfügt nicht über die Technologie der Kraft-Wärme-Kopplung. Kraftwerke ohne diese Technik, mit der die Effizienz massiv gesteigert werden könnte, sind in Dänemark verboten.

Gute Gründe gegen Lubmin Teil 2:  Naturschutz

Auch aus Sicht des Naturschutzes wäre das Kraftwerk ein ökologisches Desaster. Stündlich würden nach den derzeitigen Planungen etwa 250.000 Kubikmeter Kühlwasser in den flachen Greifswalder Bodden eingeleitet, das um acht Grad erwärmt wurde. Dadurch bestünde die Gefahr eines teilweisen oder völligen Umkippen des Gewässers, das derzeit einen einzigartigen Naturraum darstellt.

Der erhöhte Hitzestress würde zum Absterben vieler Organismen führen. Dies dürfte zunächst die unteren Glieder der Nahrungskette treffen – Muscheln, Schnecken und Wirbellose –, dann aber aufgrund von Nahrungsmangel auch immer mehr andere Arten. Ein Massensterben von Zugvögeln wäre durchaus möglich. Und das in einem Vogelschutzgebiet, das vor allem als Rast-, Brut- und Überwinterungsgebiet für Wasservögel eine große Rolle spielt.

Zudem würde der Quecksilbereintrag in die Ostsee drastisch steigen und die Fische aus dem Bodden unverkäuflich machen. Mit dem Angeln im Greifswalder Bodden, den das Lubminer Tourismusbüro als einen “der fischreichsten Gewässer Deutschlands“ rühmt, wäre es dann ebenfalls vorbei.