Die Arktis vor unserer Haustür

Klimaveränderungen in der Arktis führen zur einer Beschleunigung des globalen Klimawandels

Auf der Landkarte scheint die raue und eisige Welt der Arktis sehr weit von Deutschland entfernt. Doch klimatisch liegt die Arktis inzwischen vor unserer Haustür. Denn das Klima in der Arktis verändert sich rapide. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Lufttemperatur in der Arktis fast doppelt so schnell gestiegen wie im globalen Durchschnitt. So genannte „Rückkopplungseffekte“ der Arktiserwärmung sorgen nun dafür, dass auch wir von diesen Entwicklungen betroffen sind. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse des WWF zeigen, dass der Klimawandel aufgrund solcher Rückkopplungseffekte stärker ausfallen wird, als noch vom UN-Klimarat IPCC im Jahr 2007 angenommen.  

Was sind arktische „Rückkopplungseffekte“?  

Darunter versteht man arktische Entwicklungen an Land, im Meer und in der Atmosphäre, die durch die globale Erwärmung ausgelöst werden, etwa der Rückgang des Meereises, das Auftauen des Permafrostbodens oder das Abschmelzen der Gletscher. Diese Effekte wirken wiederum zurück auf das Klima – und zwar auf der ganzen Welt – und können so zur Verstärkung des globalen Klimawandels beitragen. Jüngste Beobachtungen sprechen dafür, dass einige dieser Prozesse nicht mehr gleichmäßig verlaufen, sondern vor einem entscheidenden Kipppunkt stehen – sich also sehr schnell und unwiderruflich vollziehen könnten.   


Die wichtigsten Veränderungen in der Arktis

  • Die Ausdehnung des Meereises hat stark abgenommen. Zwischen den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts und 2007 (dem Jahr mit der ausgeprägtesten sommerlichen Eisschmelze) ist die von Meereis bedeckte Fläche um fast 40 Prozent geschrumpft. 2008 waren die Nordost- und die Nordwestpassage erstmals gleichzeitig eisfrei.
  • Die Ozeanoberfläche erwärmt sich. 2007 war das eisfreie Oberflächenwasser in einigen Gebieten 5 °C wärmer als im langfristigen Durchschnitt.
  • Die Gletscher weichen immer mehr zurück. Projektionen zufolge werden einige Gletscher in der Arktis im Verlauf der nächsten Jahrzehnte vollkommen verschwinden. Besonders schnell schrumpfen die Gletscher in Alaska.
  • Der Verlust an Grönlandeis hat in den letzten Jahren zugenommen und vollzieht sich schneller als in bisherigen Modellen berechnet.
  • Die Randbereiche des Permafrosts erwärmen sich immer mehr und  tauen entsprechend auf.
  • Die Ausdehnung der Schneedecke ist weiter zurückgegangen und wird Projektionen zufolge noch mehr schrumpfen, obwohl für manche Gebiete ein vermehrter Schneefall im Winter erwartet wird.  

Die wichtigsten Folgen für unser Klima

  • Bereits jetzt und damit früher als erwartet führt der Rückgang der von Meereis bedeckten Fläche zu einer verstärkten Erwärmung in der Arktis. Das wird nicht nur das Wetter in der Arktis, sondern auch die Temperaturverteilung und die Niederschlagsmuster in Europa und Nordamerika beeinflussen.
  • Unter dem starken Einfluss der arktischen Erwärmung wird sich die globale Ozeanzirkulation verändern.
  • Die Eisschilde in Grönland und der Antarktis schmelzen schneller als erwartet. Bis 2100 wird der globale Meeresspiegel daher im Schnitt um mehr als einen Meter ansteigen.
  • In den Böden und Feuchtgebieten des nördlichen Polarkreises ist doppelt so viel Kohlenstoff gespeichert wie in der Atmosphäre enthalten ist. Durch das Auftauen des Permafrostbodens gelangt immer mehr Kohlenstoff in die Atmosphäre, was den Klimawandel weiter anheizt.
  • Am Boden des Polarmeeres lagern große Mengen des Treibhausgases Methan in Form von gefrorenem Methanhydrat. Die derzeitigen Temperaturen in der Arktis lassen den submarinen Permafrost tauen. In getautem Permafrost sind die abgelagerten Hydrate nicht mehr sicher eingeschlossen, sodass Methan in großen Mengen in das Meerwasser freigesetzt wird.    

Studien-Download

Arktische Rückkopplungen: Auswirkungen auf das globale Klima

Deutsche Zusammenfassung

Englische Originalfassung