G8 plus 5
Wenn der Klub der Mächtigen globale Herausforderungen diskutiert
Die Gruppe der Acht (G8) ist ein Zusammenschluss der acht mächtigsten Länder der Welt, die gemeinsam etwa 65 Prozent der globalen Wirtschaftsmacht und 14 Prozent der gesamten Weltbevölkerung ausmachen. Den Kern bildeten beim ersten Treffen im französischen Rambouillet im November 1975 die Staats- und Regierungschefs Frankreichs, Deutschlands, Italiens, Großbritanniens, Japans und der Vereinigten Staaten. Kanada ist seit 1976 dabei, Russland seit 1998, und heutzutage ist auch die Europäische Kommission bei jedem Gipfeltreffen vertreten.
Die G8-Präsidentschaft wird stets von einem Staat zum nächsten weitergereicht und dauert ein Jahr. Der G8-Gipfel, also das Treffen der Staats- und Regierungschefs, bildet den Höhepunkt einer Präsidentschaft. Im Rahmen mehrerer Treffen wird der Gipfel von so genannten Sherpas vorbereitet, also von hochrangigen Gesandten der Regierungen. Die Minister der diversen Ressorts treffen sich im Vorfeld des Gipfels ebenfalls, um die in ihre Bereiche fallenden Themen zu besprechen und Empfehlungen für Beschlüsse an die Staats- und Regierungschefs vorzubereiten.
Im Januar hat Italien den G8-Vorsitz übernommen. Da es sich nur um einen lockeren Staatenbund ohne Administration oder Rechtsgrundlage handelt, kommt der jeweiligen Präsidentschaft eine entscheidende Rolle zu. Über die erste Jahreshälfte verteilt finden unter italienischer Leitung die Treffen der Sherpas und der Minister statt, bevor vom 8. bis 10. Juli die Staats- und Regierungschef in L`Aquila in den Abruzzen zusammentreffen. Seit einigen Jahren ist es üblich, wichtige Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika (die Plus 5) um ihre Teilnahme am Gipfel zu bitten.
Traditionell umfasst die G8-Themenpalette das gesamte Spektrum globaler Politik. Der Klimawandel war bereits 2006 auf dem Gipfeln in St. Petersburg und vor allem 2005 in Gleneagles zentrales Thema. Angela Merkel setzte den Klimaschutz dann 2007 in Heiligendamm erneut ganz oben auf die Tagesordnung und auch in Italien wird er dieses Jahr ein wichtiges Thema sein.
Große Politik wird bereits vor dem Gipfel gemacht
Damit den hohen Zielen auch konkrete Beschlüsse folgen, versuchen die Sherpas und die Fachminister auf ihren Treffen im Hinblick auf die zentralen Fragen bereits im Vorfeld des Gipfels einen Konsens zu erreichen. Hier setzt die Arbeit des WWF und anderer beteiligter Nichtregierungsorganisationen an. Durch öffentliche Aktionen, in persönlichen Gesprächen, durch Lobbybriefe und oder mithilfe wissenschaftlich gestützter Argumentationspapiere werben die Naturschützer für eine Politik, die der Bedrohung durch den Klimawandel gerecht wird und sozialverträgliche und ökonomisch sinnvolle Lösungen propagiert.
Ansprechpartner für den WWF sind dabei Menschen wie Bernd Pfaffenbach, deutscher Sherpa und Staatsekretär im Wirtschaftsministerium, und seine Zuarbeiter aus anderen Ministerien, die so genannten Sous-Sherpas. Auch mit den Fachministern und ihren Stäben setzen sich WWF-Teams in G8 Plus 5-Ländern vor den Ministertreffen intensiv auseinander. Große Politik wird also bereits vor dem eigentlichen Gipfel gemacht. Angela Merkel und ihre Amtskollegen müssen dann nur noch letzte Unstimmigkeiten ausräumen, im kleinen Kreis beim so genannten "Kamingespräch", ganz im Sinne des "Geistes von Rambouillet".


