Finanzsektor: Was Geld mit Klimaschutz zu tun hat

- Money makes the world go round – und Treibhausgase ebenso. © cc
Der Finanzsektor – das sind vor allem Banken und Versicherungen – erfüllt in einer Volkswirtschaft drei Funktionen:
- Er stellt Geldmittel bereit und verteilt diese.
- Er bestimmt Bedingungen und Kosten, die mit der Vergabe der Gelder verbunden sind und weist damit den Risiken einen angemessenen Preis zu.
- Er ist Anteilseigner an Unternehmen und hat damit ein direktes Interesse an der Risikominimierung (oder zumindest an einem angemessenen Preis für das Risiko) für das Investment.
Darüber hinaus haben Banken und Versicherungen einen großen Einfluss darauf, für welche Technologien und Wirtschaftszweige zu welchen Bedingungen Geld vergeben wird. Sie können klimafreundliche Technologien unterstützen – oder Luftverschmutzer fördern.
Außerdem legen die Akteure des Finanzsektors Geld an und müssen im Interesse ihrer Kunden die Risiken einer Geldanlage berücksichtigen. Mit der Einführung des Emissionshandels hat auch Kohlendioxid einen finanziellen Wert bekommen. Hohe Treibhausgasemissionen sind nun seit 2005 ein weiterer Kostenfaktor, der von den Finanzanalysten entsprechend bewertet werden muss.
Auf diese Weise wird – über einen rein marktwirtschaftlichen Mechanismus – auch der Anreiz für CO2-produktionsintensive Unternehmen erhöht, diese Intensität abzubauen.
Der WWF arbeitet daran, dass CO2-Emissionen als finanzieller Risikofaktor in der Finanzwelt künftig verstärkt wahrgenommen werden und diese Tatsache letztlich zu einer Verringerung der Investitionen in CO2-produktionsintensive Unternehmen oder Projekte führt.

- Eine der zahlreichen Naturkatastrophen der letzten Jahre: Elbehochwasser bei Wolfen. © WWF / Bernd Lammel
Unternehmerischer Risikofaktor CO2 Versicherungsgesellschaften sind mit vermehrt auftretenden Schäden und infolgedessen mit kontinuierlich steigenden Entschädigungszahlungen konfrontiert. Die Statistiken der Münchner Rück, dem weltweit größten Rückversicherer, zeigen eine deutliche Zunahme der versicherten Schäden und Umweltkatastrophen, die mit Auswirkungen des Klimawandels im Zusammenhang stehen. Die Allianz Versicherung wiederum rechnet mit einem klimawandelbedingten Anstieg des Risikos von Sachschäden von jährlich zwei bis vier Prozent.
Ein Beispiel für das Engagement des WWF in diesem Bereich ist die weltweite Partnerschaft mit dem Finanzdienstleister Allianz und die Zusammenarbeit mit dem Carbon Disclosure Project (CDP).
Der WWF spricht zudem Finanzanalysten und Rating-Agenturen an und versucht diese zu einem grundlegenden Diskurs über die Frage der Qualität bestehender Bewertungsmodelle und -prozesse zu bewegen. Nach Ansicht des WWF fehlt in den bestehenden Analysemodellen die angemessene Berücksichtigung des neuen Risikofaktors CO2.
Kurzfristiges Denken ist das Haupthindernis, das es zu überwinden gilt. Zumindest für einzelne Branchen, insbesondere die Energieversorger und die anderen vom Emissionshandel erfassten Industrien, wird die finanzielle Bedeutung des Faktors CO2 künftig so bedeutend sein, dass Investoren und Analysten sich heute bereits dieser Herausforderung stellen müssen. Ihre Werte stehen auf dem Spiel. Durch umsichtiges Verhalten heute können sie die Anreize für eine Zukunft mit weniger Treibhausgasen setzen – und sei es nur aus dem Motiv des Erhalts eigener Vermögenswerte.

