Die Ereignisse in der Arktis überholen die Prognosen

- © Sindre Kinnerød / WWF-Canon
Die Packeisschmelze ist nicht das einzige Problem. Eisexperte Sommerkorn zählt eine ganze Reihe arktischer Rückkopplungseffekte auf, die durch die globale Erwärmung ausgelöst wurden und selber wieder auf diese einwirken: Die Gletscher Grönlands sind in den Jahren 2004 bis 2007 sieben Mal schneller geschmolzen als in den Jahren 2002 bis 2004.
Im arktischen Winter gibt es immer weniger Tage, an denen Schnee liegt. So entstehen weitere dunkle Flächen, die Wärme aufnehmen. Der Permafrostboden, bis in große Tiefen gefroren, taut jeden Sommer immer tiefer auf. Dies birgt zwei enorme Gefahren: Zum einen setzt der auftauende Boden vermehrt Methan frei, ein Klimagas, das 23mal wirksamer ist als CO2. „Bis in eine Tiefe von zwei Metern ist im arktischen Permafrostboden in Form von organischer Bodensubstanz – ähnlich wie Torf – etwa soviel Kohlenstoff gespeichert wie in dem gesamten CO2, das wir jetzt schon in der Atmosphäre haben.“, so Martin Sommerkorn.
Zum anderen können so genannte „Methanhydrate“ schmelzen, die vornehmlich in den Böden der flachen arktischen Meere lagern. Bis vor zwei Jahren glaubte man noch, die Methankonzentration in der Atmosphäre würde sich endlich wieder stabilisieren, doch 2006 und 2007 stieg sie unerwartet stark.
„Wir werden von den Ereignissen überholt“, fasst Sommerkorn die Entwicklungen rund um den Nordpol zusammen. „Was jetzt passiert, sollte nach unseren Modellen erst am Ende dieses Jahrhunderts stattfinden.“ Noch immer wüsste die Wissenschaft zu wenig. Zwar sei die Arktis die wichtigste Region unserer Erde für den Klimawandel, doch gleichzeitig hinkten wir in unserem Bemühen, sie wissenschaftlich zu erforschen und zu verstehen, noch weit hinterher. „Das macht die jetzigen Entwicklungen noch beängstigender.“


