Wie die WWF-Klimabotschafter Greta und Johannes die Arktis erlebten

© Sindre Kinnerød / WWF-Canon
© Sindre Kinnerød / WWF-Canon

Greta über Ihre Begegungen mit dem "König der Arktis":

Ich stehe an Deck eines Schiffes am Ende der Welt, in der Arktis und blicke einem Eisbären in die Augen. Selbst wenn ich mich heute, zwei Wochen später, noch an diesen Moment zurück erinnere bekomme ich fast Gänsehaut und kann das Grinsen nicht mehr aus meinem Gesicht bekommen. Dies war wohl mit Abstand einer der besten Momente der gesamten Reise, wenn nicht sogar meines gesamten Lebens. Nicht viele Menschen können von sich behaupten bereits dem König der Arktis gegenüber gestanden zu haben.

Der Eisbär ging einfach seinem täglichen Geschäft nach und störte sich nicht daran, dass ungefähr 50 Kameralinsen auf ihn gerichtet waren, welche versuchten das beste Foto zu schießen. Was sollte er auch tun? Der Eisbär kann einfach nichts tun. Das wurde mir in diesem Moment bewusst. Er kann nichts dagegen tun, wenn eine Gruppe junger Klimabotschafter ihn bestaunt, genauso wenig kann er etwas dagegen tun, dass ihm das Eis unter den Füßen weg schmilzt.

Das große Glücksgefühl als ich diesen Bären ansah wandelte sich nach diesen Gedanken in eine tiefe Betroffenheit um. Der König der Arktis, der stärkste seines Reviers, wird von uns Menschen zwangsweise in ein nichtsahnendes, verletzliches Wesen umgewandelt. Dieser kurze Moment unserer Reise motivierte mich persönlich noch ein zehnfaches mehr als es irgend eine Statistik oder tausende Zahlen je könnten.

© Sindre Kinnerød / WWF-Canon
© Sindre Kinnerød / WWF-Canon

Greta, 19 Jahre alt, ist von Haus aus eine Teamspielerin. Zusammen mit ihrer großen Familie – sie hat neun Brüder und Schwestern – wohnt sie in Dorsten, einer kleinen Stadt in Nordrhein-Westfalen. Zur Zeit kämpft sie sich durch die letzten Abiturprüfungen. Engagement sowie Interesse an Politik und anderen Ländern sind für sie selbstverständlich.

Dank eines Stipendiums des American Field Service (AFS) konnte sie in der 11. Klasse ein Austauschjahr in Brasilien verbringen. Zurück in Deutschland übernahm sie die Aufgabe, sich um die ausländischen AFS-Schüler zu kümmern, die hier ihr Austauschjahr verbrachten und stürzte sich in die Organisation der Vorbereitungscamps für neue Stipendiaten.

In Brasilien lernte sie fließend Portugiesisch zu sprechen. Zudem beherrscht sie die englische und die französische Sprache. Sie liebt es, sich mit Sprachen zu befassen und schreibt für ihr Leben gern, weshalb sie sich für ein Praktikum bei einer Lokalzeitung entschied. Ihr großes Ziel ist es, entweder Diplomatin oder Journalistin zu werden. Vor kurzem begann sie, als Freie für ein anderes Lokalblatt zu schreiben.

Johannes über ein Bad im Arktischen Ozean:

Leichtsinnigerweise hatten schon beim Hinflug einige Teilnehmer davon gesprochen, im Arktischen Ozean schwimmen gehen zu wollen. Unser Expeditionsleiter Troels nahm diese Ankündigungen beim Wort und schlug einen Kiesstrand für ein kurzes Bad vor. Auf dem Weg zum Strand überlegte sich jeder nochmals, ob er sich das wirklich antun sollte, aber am Ende waren wir wirklich alle tapfer, oder anders gesagt verrückt genug, um unsere Kleidung bis auf die Unterwäsche abzulegen und für ein paar schmerzhafte Sekunden mit dem ganzen Körper ins Wasser zu gehen. War das ein Geschrei!

Dank der sorgsamen Vorbereitung der Schiffscrew hatten wir gleich danach Handtücher zur Verfügung und konnten uns schnell abtrocknen. Trotzdem war uns vor allem an den Füßen fürchterlich kalt, denn die Wassertemperatur lag bei nur einem unangenehm kühlen Grad. Darum hieß es nichts wie rein in die Schlauchboote die uns zum Schiff zurück brachten. Dort ging’s dann sofort unter die warme Dusche.

Wenn der Klimawandel weiter rasant fortschreitet, so überlegte ich mir später, ist es denn dann später überhaupt noch etwas Besonderes und wirklich kalt im Arktischen Ozean zu "baden"? Diese Frage stimmt mich noch immer nachdenklich.

© Sindre Kinnerød / WWF-Canon
© Sindre Kinnerød / WWF-Canon

Johannes, 18 Jahre, geht derzeit in die 11. Klasse und ist Schülersprecher an seinem Gymnasium im bayrischen Regensburg. Mit Leidenschaft engagiert er sich für die Interessen seiner Mitschüler und setzt sich bei Lehrern und Eltern für Ideen und Projekte ein, die von Schülern selber entwickelt wurden. Als Mitglied der Schülerverwaltung hat er schon einige Aktivitäten initiiert, zum Beispiel die Patenschaft für eine rumänische Schule und andere gemeinnützige Veranstaltungen.

Sein Talent für Umweltpolitik stellte er während eines Praktikums im Büro eines Bundestagsabgeordneten und Mitglied des Umweltausschusses sowie als Teilnehmer des Simulationsspiels „Jugend & Parlament“ unter Beweis. Nach dem Abitur möchte er entweder Meteorologie oder Volkswirtschaft studieren.