Klimaschutzprojekte im Ausland –

Fair und gut fürs Klima?

Seit 2008 können Unternehmen ihre Reduktionsverpflichtung im EU Emissionshandel auch über Investitionen in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern erfüllen. Denn für die Atmosphäre ist es nicht von Belang, an welchem Ort der Erde CO2 eingespart wird. Daher schützt es das Klima genauso viel, wenn eine Tonne CO2 in Indien eingespart wird statt in Deutschland. Dennoch haben sich die Industriestaaten, die für ca. zwei Drittel der weltweiten Emissionen verantwortlich sind, im Kyoto-Protokoll verpflichtet, diese innerhalb ihrer Grenzen einsparen.

Hintergrund des Clean Development Mechanism

Der Clean Development Mechanism (CDM) ist einer der flexiblen Mechanismen des Kyoto-Protokolls. Er soll es Industrieländern möglich machen, Teile ihrer Emissionsverminderungen kostengünstiger in Entwicklungsländern zu erfüllen. Beispielsweise über die Investition in Projekte wie den Bau von Windparks oder die Errichtung von Biomassekraftwerken. Für jede in einem solchen Projekt eingesparte Tonne CO2 erhalten die Investoren ein CO2-Zertifikat, das sie im europäischen Emissionshandel verwenden dürfen. Ein positiver Effekt des Mechanismus ist der Technologietransfer von beispielsweise erneuerbaren Energien in Entwicklungsländer.

Da jedoch die Zertifikate aus solchen Projekten in den EU-Emissionshandel Eingang finden, wird der CDM zu einem Nullsummenspiel für das Klima. Denn für jede eingesparte Tonne CO2 in Entwicklungsländern dürfen die Unternehmen innerhalb Europas eine Tonne CO2 mehr ausstoßen. 

Der WWF ist sehr besorgt, dass das System missbraucht wird. So werden bspw. viele Projekte realisiert, die das „Zusätzlichkeitskriterium“ nicht erfüllen. Das bedeutet, dass viele dieser Projekte auch ohne die Finanzierung über CDM zustande gekommen wären. Gelangen dann die Zertifikate in den EU Emissionshandel, führt dies global betrachtet zu einem Anstieg der weltweiten Emissionen. Eine Studie des Öko-Instituts von 2007 hat die Wirksamkeit von CDM-Projekten hinsichtlich ihrer Zusätzlichkeit überprüft. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass ungefähr 20 Prozent der CDM-Zertifikate nicht zusätzlich seien. Dies entspricht rund 34 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr oder den jährlichen Emissionen von sieben Kohlekraftwerken.

Verbesserung des CDM ab 2013

Neben der Qualitätsfrage ist die Menge der externen Zertifikate, die im EU Emissionshandel Eingang finden, entscheidend für den Erfolg des Systems. Wird den Unternehmen in zu starkem Umfang erlaubt, ihre Reduktionsverpflichtung im Ausland zu erfüllen, verzögert das notwendige Maßnahmen zur CO2-Minderung innerhalb Europas. Europa will und muss aber als gutes Beispiel bei der Einsparung von Treibhausgasen vorangehen – das war erklärter Wille der Mitgliedsstaaten bei vergangenen internationalen Verhandlungen.

Nun haben jedoch die Regierungschefs der EU entschieden, dass die Mitgliedsstaaten im Rahmen des Emissionshandels bis zu 45 Prozent ihrer CO2-Einsparverpflichtung mit Gutschriften aus CDM-Projekten ausgleichen dürfen. Der WWF kritisiert dies scharf, denn damit wird es der Industrie erlaubt, fast die Hälfte ihrer Emissionsverpflichtungen ins Ausland zu verschieben. Über den Zukauf von externen CO2-Zertifikaten finden Innovationen nicht mehr in Europa statt und echte Emissionsminderungen innerhalb der EU werden verhindert. Die Vorreiterrolle Europas, möglichst viele CO2-Emissionen innerhalb der EU zu vermindern, steht mit dieser Regelung in Frage.