Klatschmohn

Papaver rhoeas (Mohngewächse)

Klatschmohn. © Leo Michels
Klatschmohn. © Leo Michels

Jeder kennt die leuchtend roten Blüten des Klatschmohns. Er ist aus unserer Landschaft gar nicht wegzudenken. Aktuell gilt er nicht als gefährdet. Dennoch ist sein Bestand in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Das Beispiel des Klatschmohns soll zeigen, dass nicht nur seltene Pflanzen mit besonderen Ansprüchen durch die heutige landwirtschaftliche Bewirtschaftungsweise bedroht sind, sondern auch „Allerweltsblumen“ wie der Mohn über kurz oder lang in einer intensiv bewirtschafteten Landschaft keinen Lebensraum mehr haben werden.

Merkmale

Von Mai bis Juni erscheinen die hauchdünnen scharlachroten Blüten des Klatschmohns. Sie sind oft nach einem Tag wieder verblüht, und so sieht man eiförmigen Fruchtkapseln und rote Blüten zur selben Zeit. Die dünnen roten Blütenblätter, die man mit den Händen aneinanderklatschen kann, verleihen dem Klatschmohn seinen Namen. Der Gattungsname „Papaver“ stammt vom lateinischen Wort „papa“ für „Kinderbrei“ und „vernum“ für „echt“. Mohnsaft wurde früher dem Kinderbrei zugesetzt, damit die Kleinen besser einschliefen.
Die Pflanze ist einjährig, wächst bevorzugt auf wärmeren Standorten und vermehrt sich durch Selbstaussaat.

Klatschmohn ist verwandt mit dem Schlafmohn. Der weißliche Milchsaft enthält leicht giftige Inhaltsstoffe, die aber aufgrund der geringen Konzentration in der Pflanze höchstens Kindern gefährlich werden können. Die Samen des Mohns sind ungiftig.

Schon in der Jungsteinzeit war der Klatschmohn als Heilmittel bekannt. Er soll eine beruhigende und schmerzstillende Wirkung haben und wird heute deshalb bei Reizhusten, Asthma, Husten, nervöser Überaktivität, Schlaflosigkeit, Heiserkeit, allgemeiner Reizbarkeit in Form von Sirup oder Hustentee eingesetzt. Die Pflanze findet heutzutage so gut wie keine medizinische Anwendung mehr.

Im Brauchtum war der Klatschmohn ebenfalls von Bedeutung. Er symbolisierte Fruchtbarkeit und wurde als Liebesorakel benutzt. Brautpaare wurden deshalb mit Mohn überschüttet, was auch heute noch in einigen ländlichen Gegenden Brauch ist.

Lebensraum

Der Klatschmohn stammt ursprünglich aus Asien und wurde bei uns mit dem Ackerbau heimisch. Er ist heute in ganz Europa, Asien und Nordafrika verbreitet. Die Pflanze wächst überwiegend auf Äckern, man findet sie aber auch an Wegen und auf Schuttplätzen. Sie bevorzugt nährstoffreiche Lehm- und lockere Kalkböden. Die Standorte sollten sonnig, warm und trocken sein.

Bedrohungsfaktoren

Die Unkrautbekämpfung der intensiven Landwirtschaft mit Unkrautvernichtungsmitteln (so genannter Herbizide) und mechanische Bekämpfung durch Hacken, Stoppelbearbeitung und Pflügen verdrängen den Klatschmohn immer weiter aus dem Lebensraum Acker.

Lösungsansätze

Das Anlegen von Ackerrandstreifen, die der Landwirt nicht düngen und nicht mit Pestiziden behandelt, stellt eine Möglichkeit dar, um dem Mohn ein Stück seines ursprünglichen Lebensraums zurückzugeben. Landwirte, die solche Streifen an den Rändern ihrer Äcker anlegen, erhalten im Rahmen der Agrarumweltprogramme Ausgleichszahlungen für den dadurch entstandenen Ertragsausfall.

Ausblick

Um Ackerwildkräutern wie dem Mohn eine dauerhafte Existenz in unserer landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft zu sichern, ist eine möglichst dauerhafte extensivierte Ackerbewirtschaftung notwendig. Ideal wäre eine großräumige Vernetzung von Lebensräumen durch artenreiche Wildkräuterstreifen.