Kornrade

Agrostemma githago (Nelkengewächse)

Kornrade. © Leo Michels
Kornrade. © Leo Michels

Die Kornrade war früher in ganz Europa auf den Getreideäckern heimisch. Sie gehörte neben Kornblumen und Mohn zu einem typischen Feldblumenstrauß und war noch bis in die 1960er Jahre ein häufiges Ackerwildkraut im Getreide. Durch die mittlerweile stark verbesserte Saatgutreinigung wird verhindert, dass ihre Samen nach der Ernte zusammen mit dem Getreide-Saatgut wieder auf das Feld gebracht werden. Deshalb aber auch ist die Kornrade so selten geworden, dass sie auf der Roten Liste Deutschland unter „vom Aussterben bedroht“ geführt wird und fast nur noch als Zierpflanze in Gärten vorkommt.

Merkmale

Die Kornrade ist auch unter dem Namen „Gewitterblume“ bekannt, weil sie in den Monaten mit besonders vielen Gewittern, Juli und August, in voller Blüte steht. Bei manchen Menschen war die Pflanze gefürchtet, weil sie mit Blitz und Feuergefahr in Verbindung gebracht wurde, andere dagegen schrieben ihr eine Schutzwirkung gegen Blitzschlag zu.

Die rötlichen bis purpurfarbenen Blüten haben fünf rundliche Kronblätter über fünf spitz zulaufenden Kelchblättern und sind etwa zwei Zentimeter groß. Die Samen müssen bereits im Herbst des Vorjahres in den Boden gelangt sein, damit sie ordentlich vom Frost durchgefroren werden. Denn sonst kann die Pflanze nicht keimen.

Die Kornrade ist eine lichtliebende Art und anspruchslos gegenüber dem Boden. Sandig-lehmige Böden werden allerdings bevorzugt. Die ganze Pflanze ist stark giftig. Nur wenige Gramm des Samens sind bereits tödlich. Da die Samen früher wegen gleicher Dicke und Schwere nur schlecht vom Korn zu trennen waren, kam es häufig zu Vermischungen. Der Verzehr des so verunreinigten Mehls rief daher gelegentlich Vergiftungserscheinungen hervor, die aber selten auch tödlichen Ausgang hatten. Dank moderner Reinigungsmethoden besteht dieses Gefahr heute nicht mehr.

Lebensraum

Das Ursprungsgebiet der Kornrade ist vermutlich der Vordere Orient. Mit der Einführung des Ackerbaus und vor allem der Ausbreitung des Roggenanbaus wurde sie in ganz Europa verbreitet. Als Samen wurde sie mit ungereinigtem Saatgut aus Asien mitgebracht und konnte sich auf den Ackerböden, die ähnliche Bedingungen wie die heimatlichen Steppen aufwiesen, schnell vermehren.

Sie benötigt nährstoffreiche und regelmäßig bearbeitete Standorte, weil sie nur auf vegetationsfreien Flächen wie einem frisch bestellten Acker aufkeimen kann.

Bedrohungsfaktoren

Ehemals kam die Kornrade massenhaft im Getreide vor. Denn die langstieligen Pflanzen wurden mit dem Getreide geerntet und nach dem Dreschen mit dem Saatgut zusammen wieder ausgesät. Im Herbst findet sie besonders günstige Bedingungen vor. Sie keimt dann früh, so dass sie anderen Arten in der Entwicklung voraus ist.

Die verbesserte Saatgutreinigung ist auch der Hauptgrund für den starken Rückgang der Pflanze. Eine weitere Gefährdungsursache ist der verstärkte Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln.

Lösungsansätze

Um die Kornrade zu erhalten, reichen Ackerrandstreifenprogramme nicht aus. Ihr Vorkommen ist bereits so gering, dass sie gezielt gefördert werden muss. Das ist möglich durch eine jährliche Aussaat, wenn möglich in Gebieten, die extensiv oder ökologisch bewirtschaftet werden, damit sie eine Chance hat, sich dauerhaft dort zu etablieren.

Die anschließende Saatgutreinigung garantiert, dass die giftigen Samen komplett aus dem Getreide entfernt werden und so keine Gefährdung für den Menschen mehr besteht.

Ausblick

Eine große Chance für die Kornrade liegt in ihrem neu entdeckten Nutzen als Zwischenfrucht – etwa zwischen zwei Getreidearten, um den Boden wieder zu regenerieren. Man hat festgestellt, dass sich die Pflanze zur Gründüngung und zur Begrünung von Brachflächen eignet: Sie entwickelt sich schnell und wächst so rasch, dass sie andere „Unkräuter“ zuverlässig unterdrückt und gleichzeitig verhindert, dass Bodennährstoffe ausgewaschen werden. Sie verbessert die Bodenstruktur und wirkt gegen Ackerschädlinge wie das Rübenzystenälchen, das sonst nicht zu bekämpfen ist. Außerdem überträgt sie keine Pflanzenkrankheiten, weil sie aufgrund ihrer Herkunft mit keiner Kulturpflanze verwandt ist. Dadurch könnte die Kornrade den Wechsel vom „Unkraut“ zur Nutzpflanze schaffen und so vielleicht eine Chance auf großflächigere Wiederansiedlung erhalten.