Rundblättriges Hasenohr

Bupleurum rotundifolium (Doldenblütler)

Rundblättriges Hasenohr. © Dr. F. Sauer / F. Hecker
Rundblättriges Hasenohr. © Dr. F. Sauer / F. Hecker

Der Rückgang des Rundblättrigen Hasenohrs setzte bereits Anfang des 20. Jahrhunderts ein. Mit dafür verantwortlich war die immer weiter verbesserte Saatgutreinigung, welche die Verbreitung der Pflanze verhinderte. Außerdem wurde immer weniger auf warmen und trockenen, wenig fruchtbaren Böden angebaut. Doch gerade die bevorzugt das Rundblättrige Hasenohr. Heute findet man es daher nur noch an wenigen Stellen in sehr kleinen Populationen. Es ist in ganz Europa stark gefährdet und wird auf der „Roten Liste gefährdeter Pflanzenarten Deutschlands“ inzwischen als „vom Aussterben bedroht“ geführt.

Merkmale

Kennzeichnend für das Rundblättrige Hasenohr sind die rundlichen Blätter mit einer wachsartigen Oberfläche, die den Stängel gänzlich umfassen. Eine gelbe Dolde bildet den Blütenstand, umrahmt von spitz zulaufenden gelbgrünen Hüllblättern, die mit etwas Phantasie, daher der Name, wie Hasenohren aussehen.

Das Rundblättrige Hasenohr ist eine Licht und Wärme liebende, einjährige Pflanze. Sie bevorzugt kalkhaltige und trockene Böden. Bestäubt wird sie durch Insekten, und ihre Samen breiten sich über Kletten, Wind und Wasser oder den Menschen aus. Wenn die Samen in den Boden gelangen, müssen sie unter bestimmten Umweltbedingungen „nachreifen“. Das klappt nur, wenn es nicht zu kalt oder zu feucht ist. In diesen Fällen keimen die Samen nicht, sondern ruhen solange im Boden, bis sie durch ausreichende Trockenheit und Wärme dazu angeregt werden.

Lebensraum

Das Rundblättrige Hasenohr ist im Mittelalter aus Vorderasien nach Europa eingewandert und hat sich dann bei uns weit verbreitet. In Deutschland verläuft die nördliche Arealgrenze an der Grenze zur Norddeutschen Tiefebene, die nordöstliche Grenze durch Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Das Rundblättrige Hasenohr ist bei uns heute sehr selten und gedeiht ausschließlich auf extrem warmen, flachgründigen und kalkreichen Böden in sommerwarmen Lagen. Schwerpunkt des Vorkommens sind die Schwäbische Alb, das westliche Bodenseegebiet, das Neckarbecken nördlich Stuttgarts und das Taubergebiet.

Bedrohungsfaktoren

Das Rundblättrige Hasenohr ist stark von der Stilllegung so genannter Grenzertragsflächen betroffen – Flächen, auf denen nur ein geringer Ertrag erzielt werden kann und auf denen die Bewirtschaftung deshalb oft nicht mehr rentabel ist. Dazu gehören auch Flächen mit langen Trockenperioden, die dem Samen des Rundblättrigen Hasenohrs die Keimung ermöglichen.

Das Rundblättrige Hasenohr benötigt Standorte, die nicht nur trocken, sondern auch ausreichend frühjahrswarm sind, da die Jungpflanzen in dieser Zeit viel Wärme brauchen, um sich gut entwickeln zu können. Nur dann sind sie konkurrenzfähig gegenüber Pflanzen, die schneller wachsen, wie zum Beispiel den Kulturpflanzen und anspruchsloseren Wildkräutern.

Ein zweiter Grund für den Rückgang dieser Art ist die Saatgutreinigung. Zwar sind die Samen klein genug, dass sie mit der Spreu wieder auf den Acker zurückgeblasen werden.

Aber die früher übliche Lagerung mit dem Getreidesaatgut im Getreidespeicher fällt heute weg, weil das Saatgut vor dem Einlagern des Getreides bereits gründlich gereinigt wird. Damit können die Samen des Rundblättrigen Hasenohrs während der Lagerung nicht nachreifen und die Pflanze hat nicht mehr den Vorteil, dass sie nach der Aussaat auch unter nicht optimalen Lebensbedingungen keimen und sich auf diese Weise verschiedenartigere Lebensräume erschließen konnte. Es wird sogar angenommen, dass die Saatgutreinigung für die Verdrängung der Art die Hauptverantwortung trägt.

Lösungsansätze

Ackerrandstreifenprogramme, die Rückzugsmöglichkeiten für Ackerwildkräuter bieten, werden nicht ausreichen, um das Rundblättrige Hasenohr auf unseren Äckern wieder heimisch zu machen. Gezielter Schutz für einzelne Vorkommen und eventuelle Aussaat zur Stärkung oder Wiederansiedlung von Populationen sind so lange nötig, bis sich wieder stabile Bestände aufgebaut haben.

Ausblick

Dann muss das Rundblättrige Hasenohr allerdings eine bewohnbare Umgebung vorfinden, die durch Ackerrandstreifen- und Extensivierungsprogramme bereitet werden könnte.