Schachbrettblume
Fritillaria meleagris (Liliengewächse)

- Schachbrettblume. © Leo Michels
Zur Zeit des 1. Weltkriegs wurden Schachbrettblumen körbchenweise auf Wochenmärkte nach Hamburg geliefert. Die Blume blühte in Massen auf den Außendeichwiesen der Elbe und ihrer Nebenflüsse. Heute ist die Schachbrettblume in der „Roten Liste gefährdeter Pflanzen Deutschlands“ als „stark gefährdet“ eingestuft und steht damit stellvertretend für den Rückgang ihres Lebensraums, den Nasswiesen und Überschwemmungsgebieten. Als „besonders geschützt“ ist sie sogar in die Bundesartenschutzverordnung aufgenommen. Sie ist inzwischen europaweit gefährdet und in manchen Ländern sogar vom Aussterben bedroht.
Merkmale
Die Schachbrettblume, in Norddeutschland auch „Kiebitzei“ genannt, ist eine Zwiebelpflanze, die eine glockenförmig purpurfarbene Blüte mit auffälligem Schachbrettmuster trägt. Selten erscheint sie auch mit weißen Blüten. Sie hat schmale graugrüne Blätter, wird 15 bis 35 Zentimeter hoch und blüht im Frühling von April bis Mai. Sie ist eine Licht, Wärme und Feuchtigkeit liebende Pflanze. Bestäubt wird sie von Hummeln und Bienen. Ihre Samen werden durch den Wind verweht – und können auch, da schwimmfähig, durch Hochwasser transportiert werden.
In den kugeligen Zwiebeln finden sich giftige Inhaltsstoffe. Ungekocht verzehrt können sie zu Erbrechen, Krämpfen, Kreislaufbeschwerden, und in schweren Fällen sogar zum Herzstillstand führen. In gekochtem Zustand verliert die Zwiebel aber die giftige Wirkung.
Lebensraum
Die Schachbrettblume stammt aus dem südosteuropäischen Mittelmeerraum und kommt in Mitteleuropa nur in wenigen kleinen, weit voneinander entfernt liegenden Gebieten vor.In Deutschland findet man nur noch in Oberfranken und im norddeutschen Flachland kleine Refugien.
Ursprünglich eine Auwaldpflanze,ist sie mit den Trockenlegung vieler Feuchtgebiete selten geworden. Die Schachbrettblume wächst auf feuchten, teilweise überschwemmten Wiesen. Typische Schachblumenwiesen vertragen keine Standbeweidung, keine Gülle und keine Entwässerung. Ein optimaler Lebensraum waren die grundwasserfeuchte Nasswiesen im Überschwemmungsbereich der Flussauen und Flachmoore, die nur ein- oder zweimal im Jahr gemäht wurden.
Bedrohungsfaktoren
Der Lebensraum der Schachbrettblume stand und steht unter einem hohen Nutzungsdruck Viele Feuchtwiesen und Weiden wurden entwässert, um sie besser bearbeiten zu können. Durch die Trockenlegung änderten sich auf diesen Flächen die Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere, für die Schachbrettblume wurden vielerorts die Bedingungen unattraktiv.
Weil sich die „normale“ Vegetation auf Feuchtwiesen im Frühjahr etwas später entwickelt als auf anderen Wiesen und Weiden, bieten sie der Schachbrettblume günstige Startbedingungen. Sie kann sich erst einmal ohne große Konkurrenz durch andere Pflanzen und Gräser entfalten. Wenn sich diese Wiesengewächse dann auszubreiten beginnen, hat die Schachbrettblume ihre Wachstumsperiode schon beendet.
Aus diesem Grund ist die Pflanze auch auf weniger feuchten Wiesen auf eine regelmäßige Bearbeitung der Flächen, möglichst eine traditionelle Mähweideiwtrschaft,. Auf ungemähten Flächen kann sie sich nicht halten, da sie dort von den dicht aufwachsenden hohen Gräsern verdrängt würde. Schädigend ist der Einsatz von Mineraldünger. Hochgedüngte Wiesen verbessern die Lebensbedingungen für Pflanzen, die letzten Endes die Schachbrettblume verdrängen.
Auch die ungewöhnliche Verbreitungsweise der Schachbrettblume hat sich als Gefahr für ihr Überleben entpuppt. Über Jahrhunderte hatte die Pflanze stets die Möglichkeit, neue Lebensräume per Hochwasser zu erreichen. Doch seit natürliche Überschwemmungsgebiete entlang von Flüssen immer seltener geworden sind, kann sich die Schachbrettblume immer weniger übers Wasser verbreiten.
Auch zu frühe Mahd verhindert eine weitere Vermehrung der Pflanze. Denn die Schachbrettblume kann nur Samen bilden, wenn die erste Mahd nicht vor Anfang Juli erfolgt, weil ihre Samen erst im Juni entstehen.
Lösungsansätze
Die „Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen“ hat Schachbrettblumenwiesen gekauft und lässt sie durch Landwirte pflegen. Das ist eine punktuelle Maßnahme, die zwar positiv wirkt, aber kein Konzept darstellt, die seltenen Blumen dauerhaft zu schützen.
Die Schachbrettblume benötigt zum Überleben extensiv bewirtschaftete Feuchtwiesen, die erst im Juli zum ersten Mal gemäht werden. Die Erhaltung und Bewirtschaftung solcher Wiesen muss im Rahmen von Agrarumweltprogrammen besonders gefördert werden. Dabei ist wichtig, dass die Zahlungen für eine solche Bewirtschaftungsweise hoch genug sind, um den Landwirten auch einen echten Anreiz zu bieten.
Ausblick
Da die Schachblume als Zierpflanze beliebt ist, wird sie wohl weiterhin gezüchtet werden und als Gartenpflanze vausgesät werden. Ihre natürlichen Vorkommen sind durch Schutzprojekte an einigen Standorten gesichert. Aber eine Ausbreitung auf größere Flächen ist aufgrund des großflächigen Rückgangs ihres Lebensraums und der veränderten Wirtschaftsweise nur möglich, wenn extensive Mahd- und Weidenutzung finanziell gefördert werden.

