Feldhamster
Cricetus cricetus (Nagetiere)

- Feldhamster. © F. Hecker / E. Mestel
Wenn wir in Deutschland von Hamstern sprechen, denken wir meist an den Goldhamster, der bei uns in der Natur gar nicht vorkommt. Als Haustier gelangte er von Syrien nach Europa und so auch in unsere Wohnzimmer.
Weit weniger bekannt, obwohl bei uns heimisch, ist der Feldhamster. Er bevorzugt als Lebensraum fruchtbare Äcker. Die moderne Erntetechnik, die das Feld nach der Ernte völlig leer geräumt zurücklässt, ist mit dafür verantwortlich, dass der Feldhamster in vielen Regionen, in denen er traditionell vorkam, heute zu einer seltenen Art geworden ist. Auf der „Roten Liste der gefährdeten Tiere der Bundesrepublik Deutschland“ wird er mittlerweile als "stark gefährdet" eingestuft und ist durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt.
Der Feldhamster ist aber nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa gefährdet und daher auch in der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) unter den streng zu schützenden Tier- und Pflanzenarten zu finden.
Wenn keine weiteren Schutzmaßnahmen ergriffen werden, wird der Feldhamster immer seltener auf unseren Feldern anzutreffen sein.
Merkmale
Feldhamster haben ein für einheimische Nagetiere auffällig buntes Fell. Bei Tag sind sie kaum zu sehen, denn Feldhamster sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Meistens leben sie als ungesellige Einzelgänger, die alleine in ihrem Bau wohnen. Nur zur Paarungszeit kommen die Männchen die Weibchen in ihrem Bau besuchen.
Danach sind die Weibchen „alleinerziehende Mütter“. Die Jungen werden nackt und blind geboren und von der Mutter gesäugt. Schon nach zwölf Tagen ist ihr Haarkleid vollständig ausgebildet und im Alter von zwei Wochen öffnen sich ihre Augen. Nach etwa vier Wochen verlassen sie das erste Mal den mütterlichen Bau und mit drei Monaten sind sie annähernd ausgewachsen.
Beeindruckend ist die Art und Weise des Feldhamsters, sich gegen Feinde zu verteidigen. Feldhamster haben ein sehr gutes Gehör und einen ausgeprägten Geruchssinn und können daher Feinde im Normalfall rechtzeitig wahrnehmen. Sie flüchten dann über extra angelegte Fallröhren in ihren Bau.
Sobald ein Feldhamster aber in eine ausweglose Enge getrieben wird, zeigt er ein ganz besonderes Verhalten: er stellt sich auf die Hinterbeine und bläst die Backentaschen auf, um größer zu wirken. Er fletscht die Zähne, fängt laut an zu zischen und zu knurren und springt seinen Gegner an – sei es ein Fuchs, ein Mensch oder gar ein Mähdrescher!
Ernährung
Hauptsächlich fressen Feldhamster Samen und alle Arten von Getreidekörnern sowie krautige und unterirdische Pflanzenteile, wie zum Beispiel Kartoffel- und Rübenstückchen. Sie sind aber keine reinen Vegetarier, sondern ergänzen ihre Nahrung durch Insekten, Schnecken, Würmer und sogar Feldmäuse. Zum Überleben im Winter benötigen sie zwei bis vier Kilogramm Nahrung als Wintervorrat, den sie in ihrem weit verzweigten Bau sammeln. Tiere, die im Spätsommer nicht genügend Nahrung sammeln konnten, überleben den Winter nicht.
Ende August beginnt bereits ihr Winterschlaf. Ab dann sinkt ihre Körpertemperatur ab, um den Unterschied zur Außentemperatur und dadurch ihre Stoffwechselfunktionen zu verringern. Hierdurch wird der Energie- und Nahrungsbedarf gesenkt, so dass Feldhamster nur etwa alle 15 Tage zum Fressen aufwachen.
Im 18. und 19. Jahrhundert waren Feldhamster tatsächlich ein ernstzunehmender Ernteschädling. Die Ernten waren damals viel geringer und die kleinen, von Hand bearbeiteten Felder sowie das anschließende Trocknen der Garben auf dem Feld, machten für ihn das „Hamstern“ zu einem Kinderspiel.
Heutzutage ist es aber die intensive Landwirtschaft, die den Hamster gefährdet, und nicht mehr der Hamster, der die Ernte des Landwirts bedroht.
Außerdem ernährt sich der Feldhamster nicht nur von Getreidekörnern, sondern frisst auch für den Landwirt unerwünschte Insekten, wie zum Beispiel Engerlinge.
Lebensraum
Der Feldhamster ist in Steppen und offenen Kulturlandschaften zu Hause. Bei uns in Deutschland bewohnt er ausschließlich die Agrarlandschaft. Zum Anlegen seiner Erdbauten braucht er tiefgründige und fruchtbare Böden. Wird eine Fläche ganz aus der Bewirtschaftung genommen, also gar nicht mehr von Landwirten bearbeitet, meidet der Hamster sie schon nach wenigen Jahren. Der Feldhamster bevorzugt eine gut strukturierte Landschaft mit Hecken, Wegrändern, Gräben und Feldrainen, die ihm Nahrung, Unterschlupf und Deckung bietet.
Bedrohungsfaktoren
Die natürlichen Feinde des Feldhamsters, wie Greifvögel, Iltis und Marder, stellen zwar für das einzelne Tier eine Gefahr dar. In gesunden und stabilen Tierbeständen jedoch geht von ihnen keine Bedrohung für die einzelne Population oder gar die gesamte Art aus.
Früher gehörte der Feldhamster zu den häufigsten Kleinsäugern Deutschlands und wurde noch bis in die 1970er Jahre hinein sogar als Plage betrachtet. Bekämpfungsaktionen durch „Ausgasen“ der Bauten und ein professioneller Fang für die Pelzwirtschaft waren in vielen Teilen Deutschlands üblich.
Heutzutage ist der Feldhamster ein Beispiel für den Konflikt zwischen der natürlichen Artenvielfalt unserer Kulturlandschaften und der intensiven Landwirtschaft. Das Tier ist auf Standorten zu Hause, an denen die Äcker am humus- und damit auch am ertragreichsten sind. Gerade diese Flächen unterliegen dann auch der stärksten landwirtschaftlichen Nutzung.
Hauptbedrohung für die Hamster ist die Nahrungsknappheit: Durch moderne Mähdrescher erfolgt die Ernte heute innerhalb sehr kurzer Zeit und es bleiben kaum Getreidekörner auf dem Acker zurück, von denen sich der Feldhamster nach der Ernte ernähren könnte. Zudem werden die Stoppelfelder nach der Ernte sofort bearbeitet, so dass die wenigen verbliebenen Körner tief in den Boden eingearbeitet werden und damit für den Hamster unerreichbar sind. Die Tiere können nicht mehr genug Nahrung für ihren Wintervorrat sammeln und überleben dann den Winter nicht.
Die sofort nach der Ernte erfolgende Stoppelbearbeitung birgt noch ein weiteres Problem: das Feld ist leer geräumt, der Hamster kann sich während seiner oberirdischen Nahrungssuche nirgendwo verstecken und ist daher ein leichtes Opfer für seine natürlichen Feinde. Verschärft wird dieses Problem durch die immer größer werdenden Felder, die dem Hamster auch keinen Schutz mehr durch Hecken oder Feldraine bieten.
Mehrjährige Anpflanzungen wie Luzerne und Klee, die ein optimaler Lebensraum für den Feldhamster sind, wurden aus ökonomischen Gründen aus der Fruchtfolge genommen. Dabei waren es gerade diese Früchte, die nach einer Mahd schnell wieder ausreichend Schutz und Deckung für die Tiere boten.
Auch die intensive Bodenbearbeitung hat das Leben für den Hamster schwer gemacht. Direkt durch die Pflugarbeiten gefährdet ist gerade der junge Hamster, weil er seine Bauten noch nicht tief genug anlegen kann: Sie liegen mitten in der Gefahrenzone.
Des weiteren trägt auch der ungenügende Biotopverbund zur Gefährdung des Feldhamsters bei. Durch den umfangreichen Ausbau der Straßennetze ist ein Austausch zwischen den einzelnen Hamstervorkommen teilweise nicht mehr möglich und die Wiederbesiedlung von verlassenen Flächen wird erschwert.
Zusätzlich wird der Lebensraum des Feldhamsters durch die beständig steigende Flächenversiegelung wie durch den Straßenbau immer kleiner.
Lösungsansätze
Um den Feldhamster vor dem völligen Verschwinden zu bewahren, werden zurzeit Schutzprogramme entwickelt beziehungsweise erprobt: Sie zielen darauf ab, die Nahrungsversorgung der Hamster zu sichern und die Bearbeitung der Böden nur zu solchen Zeiten durchzuführen, in denen diese für die Tiere weniger gefährlich sind.
Eine Möglichkeit ist, bei der Ernte so genannte „Erntestreifen“ stehen zu lassen, bis der Feldhamster seinen Winterschlaf antritt. Am wirkungsvollsten sind diese Streifen in der unmittelbaren Umgebung von Hamsterbauten. Andere sinnvolle Maßnahmen sind, den Acker nur bis 25 Zentimeter Tiefe und nur zwischen Oktober und März zu pflügen, sowie bis Oktober Stoppeln als Deckung übrig zu lassen. Solche Maßnahmen nützen auch einer Reihe anderer an die Feldlandschaft angepasster Tierarten, wie dem Feldhasen, der Feldlerche und dem Rebhuhn.
Die Wirkung solcher Schutzprogramme ist für den Feldhamster sehr hoch. Allerdings ist deren Akzeptanz bei den Landwirten noch gering. Denn aus Sicht des Landwirtes sehen die Hamsterschutzprogramme gravierende Einschränkungen ihrer Bewirtschaftungsweise vor. Wenn dann die Ausgleichszahlungen nicht hoch genug sind, haben Landwirte wenig Motivation zur Teilnahme an den Schutzprogrammen. Das ist besonders auf den guten, ertragreichen Ackerböden der Fall, die der Feldhamster bevorzugt besiedelt.
Ausblick
Um das Überleben des Feldhamsters in den nächsten Jahren zu sichern, sind daher weitere regionale Schutzprogramme und Maßnahmen von entscheidender Bedeutung. Ein dauerhaftes Überleben der Tiere kann jedoch nur gesichert werden, wenn sich die heutige Form der Landbewirtschaftung in den intensiven Ackerbauregionen ändert. Die Verbesserung der so geannnten „Guten landwirtschaftlichen Praxis“ ist dazu ebenso wichtig wie die Entwicklung von weiteren geeigneten Agrarumweltprogrammen, die auch die Landwirte in landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen wie etwa der Magdeburger Börde für den Schutz der Feldhamster begeistern können.
Wie hilft die WWF-Arbeit den Feldhamstern?
Der WWF setzt sich für eine umweltgerechte Landwirtschaft ein, in der der Feldhamster und viele andere heimische Tier- und Pflanzenarten unserer Kulturlandschaft, die durch die intensive Landwirtschaft bedroht sind, auf Dauer überleben können.
Wir bringen mit unserer Arbeit folgende Themen voran:
Ausbau von Agrarumweltprogrammen
Die Grundidee von Agrarumweltprogrammen ist es, Landwirte auf freiwilliger Basis für Umwelt- und Naturschutzleistungen zu entlohnen. In vielen Fällen ist der Umwelt- und Naturschutz für die Landwirte mit höherem Arbeitsaufwand oder aber mit Ernteeinbußen verbunden. Mit der Teilnahme an den Agrarumweltprogrammen werden die Landwirte jedoch für diesen Mehraufwand oder die Ernteverluste entschädigt.
Beim Hamsterschutz kann das beispielsweise so aussehen: Ein Landwirt lässt bei der Getreideernte einen Streifen Getreide stehen, in dem sich der Feldhamster verstecken kann und Nahrung findet. Für den Ernteverlust und die Mehrarbeit bekommt er einen finanziellen Ausgleich. Je größer der Aufwand für den Landwirt ist, die Vorschriften des Agrarumweltprogramms einzuhalten, desto höher fällt in der Regel der erforderliche Ausgleich aus.
Förderung einer nachhaltigen ländlichen Entwicklung
Der WWF setzt sich für die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume ein, um Naturgüter zu schützen, nachhaltige Wirtschaftsweisen zu etablieren und den Naturschutz zum Motor einer nachhaltigen Entwicklung zu machen.
Präzisierung der „Guten fachlichen Praxis“
Die „Gute fachliche Praxis“ ist eine Art gesetzlich vorgeschriebener „Verhaltenskodex“ für die Landwirte. Es wird festgelegt, wie sie Pflanzenschutzmittel einsetzen dürfen oder wann und wie sie Dünger auf die Felder ausbringen können. Der WWF setzt sich für die Präzisierung der „Guten fachlichen Praxis“ in der Landwirtschaft ein, um eine umweltschonende Landbewirtschaftung auf der gesamten Fläche Europas zu sichern.
Ausbau des ökologischen Landbaus
Im ökologische Landbau spielt der Naturschutz eine große Rolle: Es werden keine Pflanzenschutzmittel und keine schnell löslichen Stickstoffdünger eingesetzt. Deshalb kommen auf Flächen, die ökologisch bewirtschaftet werden, bis zu fünfmal so viele Arten von Ackerwildkräutern und Insekten vor wie auf konventionellen Vergleichsflächen.
Der WWF setzt sich in Deutschland sowie auf europäischer Ebene für eine bessere Unterstützung des ökologischen Landbaus beim Aufbau von Produktion, Verarbeitung und Vermarktung ein.

