Der Feldhase
Lepus Europaeus (Hasentiere)

- Feldhase. © Naturfotografie-Digital.de / Gerd Rossen / WWF
Aus den Märchen und Sagen als „Meister Lampe“ und vor allem als Osterhase ist uns der Feldhase vertraut. Er symbolisiert von alters her Fruchtbarkeit und die Entstehung neuen Lebens. Seit Mitte der siebziger Jahre allerdings wird der früher sehr häufig vorkommende Feldhase immer seltener.
Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts ging der Bestand innerhalb von wenigen Jahren in Westdeutschland um 64 Prozent zurück. Im Jahr 1994 wurde er in die Rote Liste aufgenommen und gilt dort seither als gefährdet. In vielen Regionen ist er heute nur noch selten anzutreffen.
Was Meister Lampe auszeichnet
Der Feldhase kann auf den ersten Blick mit seinem kleineren Vetter, dem Wildkaninchen, verwechselt werden. Der Feldhase hat aber längere Ohren (so genannte „Löffel“) und ist insgesamt deutlich größer. Er wird bis zu etwa 75 Zentimetern groß und bis zu sechs Kilogramm schwer.
Der Schwanz des Feldhasen ist von oben betrachtet unauffällig dunkel gefärbt. Hebt der Hase aber seinen Schwanz, wird dieser zur auffällig weißen „Blume“ – und damit zum deutlich sichtbaren Signal für Artgenossen. Diese auffällige Erscheinung hat dem Feldhasen seinen Spitznamen „Meister Lampe“ eingebracht.
Feldhasen leben einzeln und sind vorwiegend in der Dämmerung oder nachts unterwegs. Bei Gefahr können sie mit einer Geschwindigkeit von bis zu 70 Stundenkilometern flüchten. Und das nicht nur im geraden Lauf, sondern sogar Haken schlagend. Deshalb haben es Bodenräuber wie der Fuchs oder streunende Hunde schwer, dem zickzack laufenden Flüchtling zu folgen. Hat der Räuber ihn fast erreicht, so ändert der Hase einfach abrupt seine Richtung, und der Verfolger läuft ins Leere.
Feldhasen bewohnen keinen geschützten Bau, sondern scharren lediglich eine Mulde (Sasse) in den Boden, in der sie auch ihre Jungen aufziehen. Geht ein alter erfahrener Hase zu seiner Sasse, so kann er dabei ein seltsam anmutendes, aber wirkungsvolles Täuschungsmanöver vollführen: Er läuft zunächst in weitem Abstand an seinem Schlafplatz vorbei, um dann plötzlich seitwärts abzuspringen und zurückzulaufen. Mit einem gewaltigen Satz – Hasen können über zwei Meter weit springen! – landet er dann in seiner Schlafmulde.
Hasenjunge kommen bereits behaart zur Welt. Sie können sofort sehen und sind als so genannte Nestflüchter in der Lage, ihre Mulde gleich zu verlassen. Sie werden dennoch etwa 30 Tage lang von der Mutter mit einer besonders fetthaltigen Milch gesäugt.
Möhren sind nicht alles
Feldhasen ernähren sich rein pflanzlich und legen besonderen Wert auf eine vielfältige Speisekarte: Kräuter, Gräser, Getreide, Feldfrüchte, Knospen, Triebe und Rinde werden abwechselnd gefuttert. Die Nahrungspalette der Feldhasen umfasst insgesamt über achtzig Kultur- und Wildpflanzen, insbesondere Wildkräuter.
In ihrem Blinddarm bildet sich ein vitaminreicher Nahrungsbrei, der zuerst ausgeschieden wird und später als Blinddarmlosung vom Hasen wieder aufgenommen wird. Fehlen verschiedenartige Wildkräuter, die so genannte „Hasenapotheke“, muss der Hase sich mit minderwertiger Ersatznahrung begnügen, was zu Mangelerscheinungen bei den Tieren führen kann.
Wo der Hase läuft
Ursprünglich lebte der Feldhase in Steppenlandschaften. Als so genannter „Kulturfolger“ ist er jedoch ein anpassungsfähiges Tier, das in der traditionellen Kulturlandschaft Europas mit ihren kleinen Äckern und vielseitigen Landschaftsstrukturen einen neuen Lebensraum fand. Waldrodung und die Zunahme von Ackerwirtschaft unterstützten daher seine Ausbreitung in Europa.
Was ihn bedroht
Feldgehölze und andere vielfältige Randstrukturen entlang von Äckern sind für den Hasen überlebenswichtig, da sie Raum für seine Sassen bieten. Die Intensivierung der Landwirtschaft und die damit verbundene Schaffung von großen Agrarflächen hat den Feldhasen jedoch seinerlebensnotwendigen Deckung beraubt.
Wenn er seine Mulden mitten in den Feldern anlegt, droht er von Erntemaschinen getötet zu werden.
Etwa 15 bis 20 Prozent der Feldhasenpopulationen verenden jährlich auf diese Weise.
Ausreichend Nahrung findet der Feldhase von April bis Juli. Danach, wenn das Getreide geerntet wird, gehen wichtige Äsungsflächen verloren. Und in den Wintermonaten findet er nur noch auf einem Viertel der Landwirtschaftsfläche genug Futter. Zur Nahrungssuche muss er deshalb immer größere Entfernungen über relativ deckungsfreie Flächen zurücklegen. Damit bringt sich der Feldhase in Gefahr, denn auch Füchse haben im Winter Hunger.
Auf einer extensiv bewirtschafteten Wiese kommen bis zu 45 verschiedene Ackerwildkräuter vor – eine Zahl, die rapide abnimmt, sobald die Wiese mit Dünger und Herbiziden behandelt wird. Auch die von Hasen so geschätzte Pflanzenvielfalt ist daher auf unseren intensiv bewirtschafteten Flächen nicht mehr gegeben. Durch die Landschaftszersiedlung wird außerdem der ohnehin nicht mehr ideale Lebensraum des Feldhasen in manchen Gebieten so zerstückelt und isoliert, dass sein Überleben aufgrund fehlender Ausbreitungs- und Ausweichmöglichkeit bedroht ist.
Was dem Feldhasen nützt
Optimale Bedingungen für Feldhasen bietet eine reich gegliederte Landschaft mit einer Vielfalt an Acker- und Gründlandkulturen sowie zahlreichen Saumstrukturen wie zum Beispiel Hecken, Feldrainen und sandigen Wegen, Böschungen und Brachestreifen. Durch die Ansaat von Wildäckern, die mit mehrjährigen Pflanzengesellschaften, Gemüse-, Gewürz- und Arzneipflanzen bestückt und mit Senf oder Ölrettich gemischt werden, wird nicht nur Nahrung, sondern in den Herbst- und Wintermonaten zusätzliche Deckung geboten.
Erste Maßnahmen zum Schutz der Feldhasen können die Schaffung von Stilllegungsstreifen und das Anlegen von unbearbeiteten Streifen auf den Äckern im Rahmen der Flächenstilllegungen sein.
Dass solche Maßnahmen Wirkung haben, zeigt die Schweiz: Dort wurde in den letzten Jahren eine Stabilisierung der Feldhasenbestände beobachtet. Vorausgegangen waren zahlreiche Schutzmaßnahmen für Feldhasen – wie eine möglichst naturnahe Gestaltung der Agrarflächen mit vielfältigen Randstrukturen, die außerdem eine Vernetzung der einzelnen Biotope gewährleistet.
Wie hilft der WWF?
Kleine Rückzugsgebiete und Randstreifen sind zwar wichtig für den Feldhasen, aber nur eine großflächige Extensivierung der Landwirtschaft bringt wirksamen Schutz für die Tiere und kann eine überlebensfähige Population dauerhaft erhalten.
Der WWF setzt sich daher für die extensive Bewirtschaftung von Acker- und Grünland ein, um diese wieder zu einem attraktiven Lebensraum mit einem ausreichenden und abwechslungsreichen Nahrungsangebot für Feldhasen zu machen.

