Feldlerche
Alauda arvensis (Sperlingsvögel)

- Feldlerche. © F. Hecker
Der starke Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft vernichtet nicht nur Insekten, sondern bedroht auch die Feldlerche. Doch nicht nur ihre Nahrungsgrundlage wird durch die Einsatz von Insektiziden bedroht. Auch die Brutbedingungen für die Feldlerche haben sich auf intensiv bewirtschaftetem Acker- und Grünland immer weiter verschlechtert.
Ihr Rückgang in den letzten vierzig Jahren ist dramatisch: in ganz Europa ist der Feldlerchenbestand schätzungsweise um 90 Prozent, in Deutschland um immerhin 20 Prozent zurückgegangen. Deshalb wurde die „Allerweltsart“ Feldlerche in die Rote Liste für bedrohten Arten aufgenommen. Es ist jetzt also höchste Zeit zum Handeln, um den Bestand der Feldlerchen zu sichern.
Merkmale
Äußerlich ist die Feldlerche eher unscheinbar. Sie ist klein (ca. 15 bis 20 Zentimeter) und hat ein grau-braunes Gefieder, das an der Brust dunkel gestreift ist. Von anderen ähnlich gezeichneten Vögeln kann man sie an den weißen Rändern des Schwanzes unterscheiden. Manchmal auch an der runden Haube, welche die Feldlerchen bei Erregung vom Kopf abhebt.
Mit trillernd-jubilierendem Gesang umkreist die männliche Feldlerche ihr Revier. Dazu schraubt sie sich bis zu hundert Meter in die Höhe, verbleibt dort einige Minuten und lässt sich dann wieder zu Boden fallen. Während dieser Flugleistung singt sie ohne Pause. Sogar mit Futter im Schnabel können Feldlerchen ungehindert und in normaler Lautstärke während des Fluges singen!
Ihr schönes, nicht enden wollendes Lied ist nicht angeboren. Das Männchen lernt es von seinem Vater oder von anderen Lerchenmännchen, zusätzlich werden auch Laute anderer Vögel nachgeahmt.
Sein Lied darf das Lerchenmännchen nur genau über dem Stück Boden singen, das sein Brutgebiet ist. Deshalb schraubt er sich auch so kerzengerade in die Höhe. Hält er seinen "Luftkorridor" nicht ein, gibt es Kämpfe mit den Nachbarn.
Zur Brutzeit unternehmen die Männchen Balzflüge oder machen die Lerchenweibchen am Boden auf sich aufmerksam, indem sie ihre Haube heben, die Flügel hängen lassen, ihnen mit gestelztem Schwanz die Hinterfront präsentie-ren und dazu am Boden ausgiebig singen und hüpfen.
Lerchen nisten in ausgescharrten Mulden am Boden. Ein Gelege umfasst im Durchschnitt fünf Eier. Das Brüten ist Sache der Weibchen, erst bei der Aufzucht der Jungen hilft das Männchen wieder mit. Die Jungvögel werden erst nach zwei bis drei Wochen flügge. Sie verlassen das Nest aber schon früher, verstecken sich einzeln im Gras und werden von ihren Eltern gefüttert.
Lerchen baden nie im Wasser, son-dern nehmen Staub- und Sandbäder wie unsere Haushühner.
Ernährung
Die Feldlerche sucht ihre Nahrung nur am Boden. Ausgewachsene Lerchen verzehren vorwiegend Insekten und Spinnen, aber auch Samen und frisches Blattgrün. Die Jungvögel dagegen sind allein auf tierisches Futter angewiesen.
Lebensraum
Die Feldlerche ist in ganz Europa, von Asien bis Nordsibirien, in Japan und in Nordwestafrika zu finden. Sie ist ein Tier der weiten, offenen Landschaften und lebt häufig in Gegenden mit spärlichem Pflanzenbewuchs. Sie besiedelt fast alle Feldfluren. Als Bodenbrüter benötigt die Lerche zum Schutz ihrer Gelege und Aufzucht der Jungvögel eine geringe Vegetationsdichte und Pflanzen mit einer Idealhöhe von 25 Zentimetern. Flächen, auf denen im April/Mai bereits eine hohe Vegetation steht, werden nicht angenommen. Extensiv bewirtschaftetes Grünland ist neben Ackerflächen ihr bevorzugter Lebensraum.
Bedrohungsfaktoren
Das Nahrungsangebot an Insekten wird in intensiv genutzten Kulturen durch den Einsatz von Unkraut- und Insektenbekämpfungsmitteln weitgehend vernichtet. Da die Jungvögel ohne tierische Nahrung nicht überleben können, wirkt sich ein solcher Nahrungsmangel vor allem auf den Lerchennachwuchs verheerend aus. Die starke Düngung von intensiv genutztem Acker- und Grünland erzeugt schnell wachsende und dichte Bestände, die für die Feldlerche als Lebensraum unattraktiv sind.
Auf intensiv genutztem Grünland ist zudem Zeit zwischen den Mahdterminen ein Problem. Diese sind für die Lerche meistens zu kurz, um ihre Eier auszubrüten. Wird ein Gelege zerstört, beginnt das Weibchen zwar bereits wenige Tage später erneut zu brüten (bis zu sechs Brutversuche im Jahr wurden schon beobachtet). Trotzdem führt eine zu häufige Stö-rung der Brut dazu, dass es nur wenig oder gar keinen Nachwuchs gibt.
Hinzu kommt: Die Fruchtfolge, die Art und Reihenfolge der angebauten Feldfrüchte, hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Der Anbau von Sommergetreide (wie beispielsweise Gerste und Sommerweizen) ist zurückgegangen, dafür wird jetzt mehr Wintergetreide und Raps angebaut. Das Wintergetreide auf den Äckern wachsen im Früh-jahr sehr schnell, so dass sie keine geeigneten Brutbiotope für die Lerche mehr darstellen. Wenn die Vegetation zu dicht und zu hoch ist, wird das Gelege verlassen.
Durch die Vergrößerung der Bewirtschaftungseinheiten nimmt außerdem die Zahl der Saumbiotope und Randstreifen ab, die für die Nahrungssuche genutzt werden können.
Lösungsansätze
Spontan begrünte oder mit einer Samenmischung aus Wildkräutern eingesäte Saumbiotope im Acker-land, so genannte Buntbrachen, eignen sich für Feldlerchen besonders gut als Brutstätte und Futterplatz. Diese Ausgleichsflächen sollten mindestens drei Meter breit sein und werden bevorzugt zur Nahrungssuche angeflogen.
In der Schweiz hatte die Anlage solcher Buntbrachen Erfolg: In der herbizid- und insektizidfreien Ausgleichsfläche mit dem reichen Bestand an Kräutern findet die Lerche Insekten wie Schnaken, Blattwespen und Schmetterlinge. Buntbrachen bieten außerdem ideale Nistmöglichkeiten.
Die Siedlungsdichte der Feldlerche in offenen Gebieten mit zunehmendem Bracheanteil und extensiv ge-nutzten Wiesen sowie auf biologisch bewirtschafteten Flächen ist zwei- bis dreimal höher als in Weizenfeldern. Auch der Bruterfolg steigt auf diesen Flächen. Dem Biotopverbund kommt eine wichtige Aufgabe zu: Durch geschicktes Anlegen von Landschaftsstrukturelementen wie den Buntbrachen können Reviere der Feldlerchen verbunden werden, um so den genetischen Austausch zwischen einzelnen Populationen zu ermöglichen und das Überleben der Bestände zu sichern.
Wie hilft der WWF?
Der WWF setzt sich für die extensive Bewirtschaftung von Acker- und Grünland ein, die für die Feldlerche ein attraktiver Lebensraum sind und ein ausreichendes Nahrungsangebot bieten.
Der WWF bringt mit seiner Arbeit auch den ökologischen Landbau voran, der durch den Verzicht auf Pestizide und die Förderung einer vielfältige Fruchtfolge besonders gute Bedingungen für die Feldlerche schafft.

