Knoblauchkröte Pelobates fuscus (Lurche)

Heimliche Nachtgräber

Knoblauchkröte. © Gert Klinger / WWF
Knoblauchkröte. © Gert Klinger / WWF

Die Knoblauchkröte ist eine seltene und aufgrund ihrer nächtlichen Lebensweise weitgehend unbekannte Amphibienart, die wie viele andere Lurche durch die Vernichtung ihres Lebensraumes gefährdet ist. Aber auch die Anwendung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln gefährdet die Knoblauchkröte. Sie verätzen die empfindliche Haut der Tiere und führen so zu ihrem Tod. Die Knoblauchkröte ist in der Roten Liste Deutschlands als „stark gefährdete“ Art geführt.

 

Merkmale

Ihren Namen hat sie von dem schwach nach Knoblauch riechenden Sekret, das sie bei Gefahr und zur Paarungszeit absondert. Die Knoblauchkröte hat ein grün-oliv bis braun-gelb marmoriertes Tarnmuster und kleine ziegelrote Tupfen auf dem Rücken. Ihre Haut ist glatt und hat wenige Warzen. Die Weibchen werden bis zu neun Zentimeter groß, die Männchen sind etwas kleiner.

Zwischen März und April ist Laichzeit: Die Weibchen legen eine Laichschnur mit mehreren tausend Eiern in ein Gewässer ab. Daraus schlüpfen Kaulquappen, die sich zu regelrechten Riesenkaulquappen mit einer Länge von bis zu 20 Zentimeter entwickeln – mehr als zweimal so groß wie erwachsene Kröten! Dieses Phänomen, dass sich aus einer großen Kaulquappe eine kleine Kröte entwickelt, nennt man „Schrumpfmetamorphose“.

Ihr Ei- und Kaulquappenstadium verbringen die Knoblauchkröten im Wasser. Danach leben sie hauptsächlich an Land. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv und graben sich tagsüber meist in den Boden ein oder verstecken sich in Löchern oder Spalten, weshalb sie schwer zu finden sind. Ihr Ruf ist ein leises, monotones „dlock-dlock-dlock“, das fast ausschließlich nachts unter Wasser angestimmt wird und kaum mehr als fünf Meter weit zu hören ist. Bei Gefahr gräbt sich die Kröte mit Hilfe ihrer verhornten Grabschwielen blitzschnell rückwärts in den Untergrund ein oder sondert ihr namengebendes Sekret ab, um Feinde abzuwehren.

Ihre lange Winterruhe verbringt die Kröte bis zu einem Meter tief in den Boden eingegraben.

Ernährung

Knoblauchkröten ernähren sich hauptsächlich von Insekten – besonders Laufkäfern, die in der traditionellen Agrarlandschaft reichlich vorhanden sind. Deshalb auch sind die Kröten vor allem in landwirtschaftlich genutzten Gebieten zu finden.

Lebensraum

Die Art ist fast in ganz Deutschland verbreitet. Großflächige Vorkommen findet man vor allem im Norden und Osten.Als Laichgewässer kommen alle Typen stehender und träge fließender Gewässer in sandigen Landschaften in Frage.

Am ihren Lebensraum stellt die Knoblauchkröte höhere Ansprüche: sie bevorzugt offenes Flachland mit trockenen, sandigen Böden – selbst wenn diese landwirtschaftlich intensiv genutzt werden. Spargelanbaugebiete, Gärten, Sandgruben und Flussauen bieten einen optimalen Lebensraum, sofern entsprechende Laichgewässer vorhanden sind und der Boden locker genug ist, dass sich die Kröte eingraben kann.

Bedrohungsfaktoren

In erster Linie ist die Knoblauchkröte durch die Vernichtung ihrer Laichgewässer und den Einsatz mineralischer Düngemittel bedroht. Einige chemische Pflanzenschutzmittel haben dieselbe negative Wirkung. Besonders bei trockenem Wetter führen mineralische Düngemittel zu Verätzungen an der empfindlichen Haut der Tiere, die in den meisten Fällen zum Tod führen.

Auch die Bodenbearbeitung ist besonders für die Jungtiere gefährlich: Bis zu 90 Prozent eines Jahrgangs können durch das Pflügen getötet werden, weil sie so in den Boden eingegraben werden und nicht mehr in der Lage sind, sich zu befreien.

Viele der Laichgewässer wurden trockengelegt. Die restlich verbliebenen liegen nun isoliert in der Agrarlandschaft. Diese Verinselung führt dazu, dass sich die Knoblauchkröte weniger vermehrt. Außerdem wird der Austausch zwischen den Populationen erschwert.

Die Knoblauchkröte hat auch einige natürliche Feinde wie Ringelnatter, Graureiher, Storch und Milan. Diese stellen in einem intakten Lebensraum aber keine Gefahr für den Fortbestand einer Art dar.

Lösungsansätze

Teichbesitzer und Landwirte können viel zum Erhalt der Knoblauchkröte beitragen, indem sie Laichgewässer erhalten oder neue schaffen. Diese sollten überwiegend flache und von der Sonne beschienen sein, sollten aber weder im Sommer austrocknen noch bei starkem Frost komplett durchfrieren. Wenn auch der Landlebensraum erhalten bleibt, können bestehende Populationen geschützt werden.

Überschwemmungen in natürlichen Auen schaffen quasi „von selbst“ immer wieder geeignete Amphibienlaichgewässer. Von natürlichen Überschwemmungsflächen entlang der Flüsse profitiert daher auch die Knoblauchkröte. Aber auch Lachen und nur zeitweilig wasserführende Wagenspuren werden manchmal zur Fortpflanzung genutzt und sollten nicht beseitigt werden.

Auch im großen politischen Rahmen kann den Lurchen geholfen werden: Durch Agrarumweltprogramme können Ackerteilflächen wie Nassstellen auf dem Feld oder Randstreifen um Gewässer stillgelegt werden, um Amphibien einen Schutzraum zu schaffen.

Lokale Programme für den Amphibienschutz zeigen bereits Erfolg. Sie reichen von der Schaffung neuer Feucht- und Trittsteinbiotope bis zur Förderung extensiver Grünland- und Ackerbewirtschaftung und des ökologischen Landbaus. Durch die Vermeidung von Düngemitteln, Herbiziden und Insektiziden werden die Gefahren für die Knoblauchkröte gemindert und besiedelbare Lebensräume geschaffen.

Ausblick

Es muss darauf geachtet werden, dass die Projekte zum Schutz der Knoblauchkröte nicht nur lokal und zu kleinräumig durchgeführt werden und damit auf lange Sicht gesehen wirkungslos bleiben. Die Knoblauchkröte hat dann eine gute Überlebenschance, wenn die Bewirtschaftung großer Flächen extensiviert wird und Gewässer erhalten bleiben.

Wie hilft der WWF?

Da einer der wichtigsten Bedrohungsfaktoren für die Knoblauchkröte der Einsatz von ätzenden Pflanzenschutz- und Düngemitteln ist, setzt sich der WWF für eine Novellierung der Düngemittelverordnung ein, in der die Verträglichkeit dieser Mittel für Tiere, die die Agrarlandschaft bewohnen, berücksichtigt wird.

Der WWF setzt sich darüber hinaus für eine Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und mineralischen Düngern ein. Das kann zum Beispiel über eine Ausweitung von Agrarumweltprogrammen geschehen oder auch durch die Umstellung auf ökologischen Anbau, der den Einsatz von mineralischen Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln streng eingrenzt.