Rebhuhn
Perdix perdix (Hühnervögel)

- Rebhuhn. © F. Hecker / E. Mestel
Das Rebhuhn gehört zu den Charakterarten der Agrarlandschaft. Vor gut 50 Jahren waren Rebhühner auf den Feldern noch so häufig, dass sie zu Millionen geschossen und auf Märkten angeboten wurden. Sie galten sogar als „Arme-Leute-Essen“. Trotz der starken Bejagung nahm der Rebhuhnbestand damals nicht gravierend ab. Erst die Verschlechterung der Lebensbedingungen auf den Feldern setzte dem Rebhuhn wirklich zu.
So ging in Deutschland der Bestand seit den 1970er Jahren um über 50 Prozent, in Teilgebieten sogar um über 80 Prozent zurück.1996 wurde das Rebhuhn in die „Rote Liste der gefährdeten Tierarten Deutschlands“ als „stark gefährdet“ aufgenommen.
Merkmale
Rebhühner sind etwa 30 Zentimeter lang, haben ein rot-graubraun geflecktes Federkleid und kurze Stummelflügel. Die Zeichnung auf dem Gefieder ist bei den Männchen etwas kräftiger als bei den Weibchen. Der Ruf der Rebhühner ist laut und rhythmisch. Bei Gefahr ducken sich die Tiere auf den Boden.
Im Winterhalbjahr leben Rebhühner in größeren Verbänden. Ab Februar finden sie sich zu Paaren zusammen, wobei Rebhühner treu sind und meistens mit demselben Partner immer wieder zusammen kommen. Die Paare verteidigen ihr Revier im Frühjahr unerbittlich gegen andere Rebhühner. Als Brutplatz dienen Kuhlen auf dem Boden, die oft im Gebüsch versteckt sind. Im Brüten stellen Rebhühner einen Rekord unter den Vögeln auf: Ihr Gelege kann bis zu 20 Eier umfassen! Gebrütet wird von Mai bis Juli. Das Brutgeschäft übernehmen die Weibchen allein. Die Küken erziehen Hahn und Henne aber gemeinsam. Charakteristisch sind die Rebhuhnketten, die Jung- und Alttiere beim Umherwandern bilden.
Ernährung
Sofort nach dem Schlüpfen verlassen die Küken das Nest und können schon am zweiten Tag selbständig Nahrung aufnehmen. Ausgewachsene Rebhühner futtern überwiegend pflanzliche Nahrung, vor allem Gras, Getreide und Wildkräutersamen. Jungtiere dagegen sind in ihren ersten Lebenswochen auf eiweißreiche und leicht verdauliche tierische Nahrung angewiesen: Diese besteht aus Blattläusen, Raupen, Larven, Kleinkäfern und Ameisen. Erst nach zwei bis drei Wochen können die Küken auch pflanzliche Kost verwerten.
Lebensraum
Das Rebhuhn ist hauptsächlich in Europa und Vorderasien verbreitet. Ursprünglich ein Steppenbewohner, besiedelte es als so genannter Kulturfolger die Felder und Wiesen der traditionellen Landwirtschaft. Das Rebhuhn lebt auch auf trockenen, nährstoffarmen Standorten , bevorzugt aber fruchtbare Löß- und Schwarzerdeböden in möglichst vielfach gegliederten Agrarlandschaften, möglichst mit kleinen Feldgehölzen, buschbestandenen Feldrainen und Gräben zur Deckung.
Bedrohungsfaktoren
Zwei Faktoren sind für das Überleben einer Rebhuhnpopulation entscheidend: Die Ausstattung des Lebensraumes sowie die Überlebensrate der Rebhuhnküken. In den letzten drei Jahrzehnten hat die Attraktivität der Agrarlandschaft als Lebensraum stark abgenommen. Der Verlust von Ackerrainen und Hecken bei gleichzeitiger Vergrößerung der Felder durch die Flurbereinigung hat zur Folge, dass Rückzugsgebiete fehlen, in denen sich Rebhühner verbergen und vor ihren Feinden schützen können.
Durch eine frühe Mahd sterben zudem viele Jungvögel. Und auch auf dem Nest sitzende Weibchen kommen dabei zu Tode. Das Insekten- und Wildkräuterangebot, auf das Jung- und Alttieren zur Ernährung angewiesen sind, wird durch den Einsatz von Pestiziden so stark eingeschränkt, dass die Fläche, die ein Rebhuhn zur Sicherstellung seiner Ernährung braucht, immer größer wird. Das trifft besonders die Jungvögel, die in den ersten Lebenswochen ausschließlich auf Insekten als Nahrung angewiesen sind.
Lösungsansätze
Optimale Bedingungen bietet eine kleinflächig gegliederte Landschaft mit einer Vielfalt an Kulturen und zahlreichen Saumstrukturen. Dies können neben Hecken vor allem Randstreifen an Äckern und sandigen Wegen und Böschungen sein.
Randstreifen unbearbeitet zu lassen ist daher eine Möglichkeit, um den Lebensraum Acker für das Rebhuhn attraktiver zu machen. Diese Streifen bieten Nahrung und Deckung und optimieren so die Brut- und Aufzuchtsbedingungen im Sommer.
Das Stehen lassen von Getreidestoppeln über den Winter bietet Deckung und erhöht die Überlebenschancen. Auf Flächen, die ökologische bewirtschaftet werden, finden Rebhühner ein reichhaltiges Nahrungsangebot, da dort keine Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt werden.
Ausblick
Die Bedingungen für das Rebhuhn haben sich durch eine Reihe von Fördermaßnahmen und insbesondere der umgesetzten Agrarumweltprogramme etwas verbessert. Auf lange Sicht wird aber nur großflächige Extensivierung der landwirtschaftlich genutzten Fläche das Überleben der Rebhühner sichern. Wenn durch Agrarumweltprogramme hoch produktive, intensiv genutzte Ackerbaugebiete extensiviert werden, bieten diese ein hohes Ansiedlungspotenzial für das Rebhuhn.
Wichtig ist, das Überleben verbliebener Rebhuhnbestände zu sichern. Weiterhin muss sichergestellt werden, dass EU-Richtlinien zu Flächenstilllegungen und Pflegemaßnahmen so überarbeitet werden, dass die entstehenden Biotope auch für das Rebhuhn von Nutzen sind.
Wie hilft der WWF?
Der WWF setzt sich für die extensive Bewirtschaftung von Acker- und Grünland ein, damit auch das Rebhuhn wieder seinen Platz in der Kulturlandschaft findet. Der ökologische Landbau ist eine Anbauweise, für die sich der WWF besonders einsetzt, da er durch den Verzicht auf Pestizide und eine vielfältige Fruchtfolge besonders gute Lebensbedingungen für das Rebhuhn schafft.

