Rotbauchunke
Bombina bombina (Lurche)

- Rotbauchunke. © Gert Klinger / WWF
Die Rotbauchunke zählt zu den am meisten gefährdeten Amphibienarten Mitteleuropas. Sie ist durch das Verschwinden von Laichgewässern und den Einsatz von ätzenden Pflanzenschutz- und Düngemitteln in der Landwirtschaft bei uns so selten geworden, dass sie auf der „Roten Liste gefährdeter Tierarten Deutschlands“ den höchsten Gefährdungsstatus „vom Aussterben bedroht“ hat. Zudem ist sie in der europäischen Flora-Fauna-Habitat —Richtlinie (FFH) in den Anhängen II (Tierarten, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen) und IV (streng zu schützende Tierarten) aufgeführt. Die Rotbauchunke lebt nahezu ausschließlich in Agrargebieten. Deshalb hat die Landwirtschaft auch für den Erhalt dieser Art eine große Verantwortung.
Merkmale
Die Rotbauchunke ist ein kleiner, warziger Froschlurch von drei bis fünf Zentimetern Körperlänge und bräunlich-grünlichem Rücken. Namensgebend ist die charakteristische schwarz-rotgefleckte Unterseite.
Besonders markant ist der Ruf der Unke, ein melancholisch-eintöniges und klangvolles „uuh-uuh-uuh“, das an das Geläut weit entfernter Glocken erinnert. Dem Männchen dient dieser Ruf zur Revierabgrenzung und zum Anlocken der Weibchen. Früher löste der Gesang bei den Menschen Angst und Entsetzen aus, besonders dann, wenn er im ohnehin gefürchteten Moor zu hören war (daher die „Unkenrufe“).
Der farbige Bauch der Unke wirkt auf uns hübsch, während er die meisten Fressfeinde der Unken hingegen abschreckt, denn er bedeutet: «Vorsicht, giftig!» Tatsächlich sondert die Unke ein für viele Tiere ekel- und brechreizerregendes Hautsekret ab. Bei Gefahr jedoch flüchtet die Rotbauchunke entweder direkt in den Bodenschlamm ihres Gewässers, oder aber sie dreht sich sofort auf den Rücken und wölbt ihren farbigen Bauch nach vorne und damit dem potenziellen Fressfeind entgegen.
Die Paarung erfolgt überwiegend im Mai. Das Weibchen legt die Eier in kleinen Klümpchen ab, die entweder an Wasserpflanzen haften bleiben oder zu Boden fallen.
Ernährung
Die Rotbauchunke ernährt sich von Mücken, Fliegen, Insektenlarven, Spinnen und Käfern. Weil diese Tiere dort besonders häufig vorkommen, ist die Rotbauchunke auf die Nähe von Äckern beziehungsweise bewirtschaftetes Grünland angewiesen.
Lebensraum
Die Rotbauchunke lebt vorwiegend in Mittel- und Osteuropa. In Deutschland findet man sie nur in den östlichen Bundesländern sowie in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Da die westliche Bestandsgrenze in Form der Elbe durch Deutschland verläuft, ergibt sich daraus für uns eine besonders hohe Verantwortung für den Erhalt der Art innerhalb der EU. In Niedersachsen, im Einzugsbereich der Elbe sowie im nordöstlichen Schleswig-Holstein gibt es noch wenige Vorkommen, im nordostdeutschen Tiefland dagegen eine relativ dichte Verbreitungsfläche.
Man findet die Rotbauchunke in gut besonnten Klein- und Kleinstgewässern, auf überschwemmtem Grünland, in Tümpeln, auf Wiesen und Äckern und in Überschwemmungsbereichen der Talauen. Sie benötigt „offene“ Gewässer, deren Ufer wenig bewachsen sind. Rotbauchunken kommen auch in Wiesengräben und sogar in mit Wasser gefüllten Wagenspuren an Feldwegen vor.
An Land verstecken sich die Tiere unter Totholz und Steinen oder im Wurzelbereich von Bäumen. Geeignete Lebensräume sind extensiv genutzte Weiden und beweidete Feuchtwiesen mit vielen naturnahen Landschaftselementen, möglichst in unmittelbarer Nähe zu den Laichgewässern. Der ideale Lebensraum für die Tiere bietet Nahrung, Versteck, Schutz vor Austrocknung und Sonnenplätze gleichzeitig.
Zur Überwinterung benötigen sie frostsichere Quartiere. Dies können Feldgehölze, der Rand oder der Grund eines Gewässers, aber auch Drainagerohre oder feuchte Keller und Kellerschächte sein.
Bedrohungsfaktoren
Amphibien sind sehr stark von guten Laichplätzen abhängig, das heißt, sie müssen zur Fortpflanzungzeit geeignete Gewässer aufsuchen. Durch die Beseitigung und Schädigung der meist kleinen Gewässer durch Entwässerung, Verunreinigungen, Verfüllung oder durch das Absenken des Grundwasserstands nehmen Menschen den Unkenihre Lebensgrundlage.
Hinzu kommt, dass die Unken eine ausgeprägte Ortstreue beweisen: Sie entwickeln eine Bindung an das erstmals gewählte Laichgewässer und suchen es immer wieder auf. Wird es zerstört, müssen sich die Tiere neue Laichgewässer suchen, die aber oft zu weit entfernt liegen. Diese „Verinselungseffekte“ verhindern einen Austausch zwischen den Populationen und tragen zur Abnahme der Vermehrungsraten und somit zu einem erhöhten Aussterberisiko bei. Bei ihrem Weg über den Acker vertrocknen die Jungfrösche oft, weil sie zu lange Strecken bis zum nächsten Gewässer zurücklegen müssen. Dünger und Pflanzenschutzmittel verursachen zusätzliche Probleme aufgrund ihrer Ätzwirkung: Tausende Unken sterben jährlich an den Folgen.
Zugleich ist das bewirtschaftete Grünland ist als Lebensraum für die Unken unattraktiv geworden, da es stark an ökologischer Qualität verloren hat: Drei bis vier Mahdtermine pro Jahr töten Amphibien in Massen. Hinzu kommt, dass die Rotbauchunken auf dem intensiv bewirtschafteten Grünland wenig Nahrung finden, da die Insektenvielfalt dort gering ist.
Lösungsansätze
Die Schutzmaßnahmen müssen darauf abzielen, den Lebensraum der Rotbauchunke wieder zu erweitern. Eine besonders wichtige Rolle spielt dabei der Erhalt beziehungsweise das Anlegen von Laichgewässern.
In Verbreitungszentren der Rotbauchunke sollte das Land extensiv oder nach den Richtlinien des giftfrei agierenden ökologischen Landbaus bewirtschaftet werden. Die Anlage extensiv bewirtschafteter Randstreifen im Umfeld von Gewässern, regulierte Beweidung im Überflutungsbereich außerhalb der Laichzeit und eine Neuanlage und Sanierung von Kleingewässern im Sinne der Biotopvernetzung trägt ebenfalls zum Erhalt der Art bei.
Eine weitere Möglichkeit ist, Beeinträchtigungen und Gefährdungen durch landwirtschaftliche Maschinen (Walzen, Schleppen, Mähdrescher), durch Entwässerung und Grünlandumbruch, Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln durch Verträge mit den Landnutzern im Rahmen der Agrarumweltprogramme zu vermindern.
Ausblick
Die Ausweisung von Schutzgebieten im Rahmen der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH), welche die Rotbauchunke in ihre Anhänge aufgenommen hat, könnte dazu beitragen, dass sich der Bestand der Tiere wieder erholt. Es muss aber vor allem darauf geachtet werden, dass die Schutzprojekte nicht nur lokal und zu kleinräumig durchgeführt werden, da die Rotbauchunke zum dauerhaften Überleben große Flächen benötigt und ansonsten die Maßnahmen wirkungslos bleiben.
Wie hilft der WWF?
Da einer der größten Bedrohungen für die Rotbauchunke der Einsatz von ätzenden Pflanzenschutz- und Düngungsmitteln ist, setzt sich der WWF für eine Novellierung der Düngemittelverordnung ein, in der die Verträglichkeit solcher Mittel für Tiere, die die Agrarlandschaft bewohnen, berücksichtigt wird.
Der WWF setzt sich darüber hinaus für eine Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und mineralischen Düngern ein.

