© WWF / Karl-Eberhard Heers
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Meere und Küsten: Naturraum oder Industriepark?

Die Bedeutung der Meere für das Leben auf der Erde ist unumstritten. Die natürlichen Rohstoffe der Meere sind ein entscheidender Beitrag zur Wirtschaft vieler Länder. Doch menschliche Aktivitäten setzen Meeren und Küsten immer mehr zu. Wirtschaftliche Interessen konkurrieren immer öfter mit dem Wunsch, natürliche Lebensräume zu bewahren.

Flüsse und Häfen

In den vergangenen Jahrzehnten wurden die großen in die Nordsee mündenden Flüsse Elbe, Weser und Ems häufig begradigt und vertieft, um sie für immer mehr und größere Schiffe befahrbar zu machen. Diese Flüsse wurden zu Schifffahrtsstraßen – ohne Rücksicht auf die damit verbundenen Folgen für wertvolle Flusslebensräume wie Auwälder, Flachwasserzonen oder bedrohte Pflanzen und Tiere. Auch eine erhebliche Verschlechterung der Gewässergüte wurde aus wirtschaftlichen Gründen in Kauf genommen. Der von Bremen und Niedersachsen geplante Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven an der Jade würde zudem zu weiteren bedeutenden ökologischen Verschlechterungen führen, die sich bis in den Nationalpark Wattenmeer hinein auswirken.

Küstenschutz und Klimawandel

Durch Eindeichungen sind bereits etwa 90 Prozent der natürlichen Salzwiesen an der Küste verloren gegangen. Die unter Naturschutz stehenden restlichen Küstenlebensräume werden heute von zwei Seiten bedroht: Aus ökonomischen Gründen wollen die Deichbauer das Deichbaumaterial aus den Salzwiesen entnehmen. Weiterhin bedroht der durch den Klimawandel beschleunigte Meeresspiegelanstieg die Salzwiesen, weil eine Verschiebung ins Binnenland durch die bestehende Deichlinie ohne Rückdeichung nicht möglich ist.

Der Klimawandel wird voraussichtlich zur größten globalen Bedrohung für Mensch und Natur werden. Daher muss alles getan werden, um dessen Ausmaß einzudämmen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Nutzung regenerativer Energiequellen.

Allerdings darf Klimaschutz nicht auf Kosten der Natur umgesetzt werden. Die Fehler, die in der Vergangenheit an Land gemacht wurden, dürfen sich bei der Etablierung der Offshore-Windenergie vor der Küste nicht wiederholen. Die deutsche Nordseeküste wurde in den 90er Jahren landseitig sehr stark mit Windkraftanlagen bebaut. Dabei wurde der Vogelschutz durch eine unzureichende Planung jedoch häufig ungenügend beachtet. Leider werden bei der heutigen Genehmigungspraxis von Offshore-Windparks auch die Belange des Meeresschutzes nicht ausreichend berücksichtigt.

Schifffahrt

Noch immer sind unsere Meere nur unzureichend gegen die Folgen von Schiffsunfällen geschützt. Jährlich gibt es rund 280 Havarien allein vor deutschen Küsten – mit schlimmen Folgen für die Natur. Nach der Havarie des Holzfrachters "Pallas" 1998 waren durch den Ölaustritt im Wattenmeer über 15.000 Seevögel verendet. Nach dem Zusammenstoß eines Tankers mit einem Frachter im März 2001 in der Ostsee wurden über 25.000 Vögel und der Laich von Heringen und Dorschen verölt. Bessere Sicherheitsvorkehrungen hätten beide Unglücke verhindert. Deswegen ist ein länderübergreifender Aktionsplan zur Vorbeugung und Bekämpfung von Ölverseuchungen dringend nötig. Weitere Vorsorgemaßnahmen sind vor allem für die viel befahrenen Wasserstraßen, zu der auch die Kadetrinne vor der deutschen Küste zählt, erforderlich.

Konkret will der WWF:

  • sich für ein nationales, nachhaltiges Konzept für die deutschen Seehäfen engagieren;
  • die Ausbaupläne für die Mündungen von Elbe, Weser und Ems reduzieren;
  • in der deutschen "Ausschließlichen Wirtschaftszone" der Nordsee eine naturverträgliche Raumplanung etablieren und schutzwürdige Bereiche sichern;
  • als Reaktion auf den Klimawandel und den damit verbundenen Anstieg des Meeresspiegels naturverträgliche Küstenschutzmaßnahmen durchsetzen und
  • die Entwicklung der Windenergie offshore so mitgestalten, dass keine schützenswerten Lebensräume, Meerestiere und Vögel beeinträchtigt werden.

Kontakt

Internationales WWF-Zentrum für Meeresschutz
Tel.: 040 530200-333
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