Risiko Schifffahrt
Nordostatlantik und Ostsee von Ölkatastrophen bedroht

- © WWF / Christian Kaiser
Durch den zunehmenden Schiffsverkehr in Nordostatlantik und dort insbesondere in der Nordsee steigt die Gefahr einer Ölkatastrophe ständig. Bereits jetzt ist durch die Vielzahl von Ölunfällen zum Beispiel die Zahl der Eisenten im Nordostatlantik stark zurückgegangen.
Der 1998 in der Nordsee gesunkene Holzfrachter 'Pallas' hatte mit 100 Tonnen nur relativ wenig Treibstoff an Bord. Dennoch kostete die Havarie damals mindestens 16.000 Seevögel das Leben. Dies hat dazu geführt, dass die Internationale Schifffahrtsorganisation (IMO) Ende 2002 die Ausweisung des gesamten Wattenmeeres als 'Besonders Empfindliches Meeresgebiet' (PSSA, Particularly Sensitive Sea Areas) beschlossen hat.
Leider ist dieser Schutzstatus nicht mit konkreten Maßnahmen verbunden, wie zum Beispiel eine Lotsenannahmepflicht in tiefem Wasser für Schiffe mit hohem Risiko. Auch die Empfehlungen zur Bereitstellung von Bergungsschleppern reichen bei weitem nicht aus. Die Schiffssicherheit muss verbessert werden, damit eine Umweltkatastrophe wie vor der Küste Galiciens nach der Havarie der ‚Prestige’ nicht geschehen kann.
Der Name 'Prestige' steht für eine der bisher schlimmsten ökologischen Katastrophen der Seeschifffahrt: Rund 65.000 Tonnen Schweröls flossen nach dem Unfall am 19. November 2002 in den Atlantik. Dazu kommen 1.500 Tonnen, die auch nach Abschluss der Arbeiten in diesem Herbst nicht aus dem Wrack geborgen werden konnten. Tausende Tonnen der giftigen Fracht haben sich als zäher Teppich über den Meeresboden gelegt und bilden dort nach WWF-Ansicht in Zukunft ein schwerwiegendes Problem. Die Langzeitfolgen für Flora und Fauna sind unbekannt. Es gibt jedoch Besorgnis erregende Hinweise auf eine Anreicherung des Erdöls in der Nahrungskette.
Durch den Tankerunfall der Prestige ist bereits vor der Küste Spaniens der Mittelmeer-Sturmtaucher verschwunden. Ende 2004 hat die IMO auch die Ausweisung der westeuropäischen Gewässer von Schottland bis Portugal mit ihren seit Jahrzehnten besonders unfallträchtigen Wasserstraßen als 'Besonders Empfindliches Meeresgebiet' (PSSA, Particularly Sensitive Sea Area) beschlossen.
Die Ostsee ist eines der empfindlichsten Meeresgebiete der Welt. Ihr langsamer Wasseraustausch mit dem Atlantik, die speziellen Brackwasserbedingungen und eine Vielzahl seltener Arten machen das Meer weltweit einzigartig. Gleichzeitig ist die Ostsee auch eines der meist befahrenen Meeresgebiete der Welt. Die Navigation in engen Fahrrinnen zwischen den vielen Inseln ist schwierig. Viele Naturschutzgebiete grenzen direkt an die viel befahrenen Routen. Bei einem großen Tankerunglück wäre das Leben der Ostsee innerhalb von Tagen auf Jahrzehnte zerstört. Deshalb hat die Internationale Schifffahrtsorganisation (IMO) Ende 2005 die Ausweisung der Ostsee als 'Besonders Empfindliches Meeresgebiet' (PSSA, Particularly Sensitive Sea Area) sowie einige Maßnahmen zur Schiffsicherheit beschlossen.
Bei einem großen Tankerunfall vom Ausmaß der 'Prestige wäre in der Ostsee auf Jahrzehnte kein Fisch mehr am Leben.
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