Kaltwasserkorallen: Juwelen in der Tiefe

Auch in den Tiefen der kalten Ozeane liegen Korallenriffe

Die herrlichen Korallengärten der Tropen sind für Viele das Wertvollste, was unsere Meere zu bieten haben. Langsam rückt ins Licht der Öffentlichkeit, was europäische Fischer schon seit über einem Jahrhundert wissen: Auch in den Tiefen der kalten Ozeane liegen Korallenriffe, die es in allen Belangen mit ihren Verwandten in wärmeren Gewässern aufnehmen können.

An den Rändern der kontinentalen Schelfe, zwischen 40 und 3.000 Metern Tiefe, erstrecken sich die Riffe der Kaltwasserkorallen - in einem Lebensraum, in den kaum Sonnenlicht vordringt. Im Nordost-Atlantik ist die vorherrschende riffbildende Art Lophelia pertusa, eine Steinkoralle, die mit 4 bis 25 Millimetern pro Jahr nur sehr langsam wächst. Trotzdem gibt es enorm große Kaltwasserkorallenriffe: Das größte ist das Röst-Riff vor Norwegen mit einer Fläche von über 130 Quadratkilometern. Das Unterwasserbauwerk ist damit größer als Manhattan. Das bedeutet: Diese Riffe sind bereits mehrere tausend Jahre alt. Die Initiative der norwegischen Regierung, das Röst-Riff und drei weitere Kaltwasserkorallenriffe unter Schutz zu stellen, hat der WWF im Juni 2003 als "Geschenk an die Erde" ausgezeichnet.

Tropische Korallen können einen Großteil ihrer Energie aus der Symbiose mit Fotosynthese betreibenden Algen gewinnen. Kaltwasserkorallen hingegen sind ganz auf ihre Fang-Fähigkeiten als Räuber angewiesen. Sie erbeuten Kleinstlebewesen wie Plankton oder Larven. Darum leben sie in der Regel dort, wo starke Strömungen ständig ein reichhaltiges Nahrungsangebot anschwemmen.

Ähnlich wie die Tiefseeschwämme bilden insbesondere riffbildende Korallen die Grundlage einer reichen Fauna von Fischen, Seesternen, Krebstieren und vielen mehr. Auch sie können als wichtige Laichgründe und Kinderstuben für kommerziell wichtige Fischbestände dienen. Korallen bieten nämlich vielen Fischen und anderen Meeresbewohnern attraktive "Wohnungen" - Biologen sprechen von "Mikrohabitaten", also Kleinstlebensräumen -, die jede Art verschieden nutzen kann. Und manche Fischarten wie der Goldbarsch halten sich grundsätzlich bevorzugt an Tiefsee-Korallenriffen auf. Das wissen auch Fischer.

Bulldozer im Unterwasser-Paradies

Möglicherweise sind Kaltwasserkorallenriffe die am weitesten verbreiteten und prägendsten Hartboden-Lebensräume der gemäßigten Breiten. Trotzdem waren sie und sind noch in akuter Gefahr. Denn sehr große Teile davon werden befischt - und zwar unreguliert und daher mit gefährlichen, destruktiven Methoden.

Was in Tausenden von Jahren gewachsen ist, kann von schweren Grundschleppnetzen binnen Minuten in Trümmer gelegt werden. Man stelle sich vor, Äpfel würden mit einem Bulldozer gepflückt! Ähnlichen Schaden richten die Schleppnetze mit ihren Stahlplatten an.

All das geschieht im Dunkeln: Erst jetzt ermitteln Experten allmählich das ganze Ausmaß der Tragödie. Bereits heute sind allein bei den relativ gut untersuchten norwegischen Riffen 30 bis 50 Prozent geschädigt oder bereits vollends zerstört.

Aus anderen Meeresgebieten gibt es dazu noch keine Zahlen. Doch bereits in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts fingen auch deutsche Hochseefischer vor Island Rotbarsch vorzugsweise in einem wegen seiner bis zu 2,5 Meter hohen Korallen als "Rosengarten" bezeichnetem Gebiet. Weil insbesondere Steinkorallen die Schleppnetze zerstören, wurden manche Korallenriffe sogar gezielt verwüstet, um erfolgreicher fischen zu können.

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Kaltwasserkorallen Teil 2

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