Aal im Ausverkauf?

Verantwortungsvolle Unternehmen setzen auf Aalschutz – WWF befragt den Handel 

© WWF
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Um den Europäischen Aal besser schützen zu können, führte der WWF eine Handelsumfrage bei Deutschlands größten Fischanbietern durch.

Der Europäische Flussaal (Anguilla anguilla) steht kurz vor dem Aussterben. Aufgrund seines komplexen und von langen Wanderungen geprägten Lebenszyklus ist der Aal doppelt bedroht: Neben der Fischerei stellt die Flussverbauung ein tödliches Hindernis für den Aal. Laut Wissenschaft wird sich der Aalbestand selbst bei strengem Schutz erst in 60 bis 100 Jahren erholen können.

Besonders in der Weihnachtszeit steht viel Aal auf dem Speisezettel – welche Verantwortung übernehmen Handel und Verbraucher?

Ergebnisse der WWF-Handelsumfrage vom November 2009

Insgesamt wurden 13 Handelsunternehmen und Fischrestaurants von der Umweltstiftung befragt. Alle Handelsunternehmen haben geantwortet. Von den Fischrestaurant-Ketten (Blum, Gosch und Nordsee) hat nur das Unternehmen Nordsee geantwortet.

Fünf Einzelhändler führen keine Aalprodukte mehr. Dies sind Aldi-Süd, EDEKA, Lidl, Kaufland und Norma. Ein weiteres Unternehmen (Kaiser-Tengelmann) hat während der Umfrage die Entscheidung getroffen, Aal nach der Analyse der wissenschaftlichen Fakten noch in diesem Jahr auszulisten – das heißt, künftig keinen Aal mehr anzubieten. Die letzten Aal-Produkte werden jetzt abverkauft.

Das Unternehmen Bünting gibt an, Aal mittelfristig auslisten zu wollen. Da kein Zeitrahmen genannt wird und nicht deutlich wird, ob Bünting Aal im Jahr 2010 auslistet, fällt dieses Unternehmen in die Kategorie "Aal nicht ausgelistet".

Die fünf Unternehmen, die Aal-Produkte anbieten und das Angebot fortführen wollen, sind neben Bünting Aldi-Nord, Metro, Nordsee und Rewe. Alle fünf geben an, von Unternehmen, die der „Initiative zur Förderung des Europäischen Aal“ angeschlossen sind, Produkte zu beziehen und werben damit, dass für jeden verkauften Aal drei beziehungsweise vier Jungaale ausgesetzt werden. Auf dem Logo der Aktion heißt es außerdem: "Bestandsschutz durch Besatz".

Nach Ansicht des WWF ist dies Augenwischerei, denn der Erfolg für den Arterhalt ist fraglich. Die Unternehmen berufen sich auf die positive Prognose des Instituts für Binnenfischerei, die sich wiederum nur auf das Flusseinzugsgebiet der Elbe bezieht. Danach könnten Besatzmaßnahmen in der Elbe den Aalbestand dort kurzfristig erhalten. Junge Glasaale, die für diese Besatzmaßnahmen benötigt werden, stehen aber kaum noch zur Verfügung. Die Glasaalpopulation ist bereits seit 1980 auf ein bis neun Prozent ihrer ursprüngliche Menge geschrumpft. Es ist außerdem unklar, ob die ausgesetzten Aale tatsächlich ihr Laichgebiet in der 5.000 Kilometer entfernten Sargassosee jemals erreichen, um sich dort fortzupflanzen. Sinnvoller wäre es, die Jungaale nicht für Besatzmaßnahmen zu fangen, denn sie werden für den Aufbau des Aalbestands dringend benötigt.

Der WWF appelliert daher an alle Handelsunternehmen, ihre Verantwortung für die Umwelt ernsthaft wahrzunehmen und auf den Verkauf von Aalen an sofort zu verzichten.

Mit der WWF-Aal-Retter-Aktion können Sie den Unternehmen, die Aal ausgelistet haben, zeigen, dass sie diese Entscheidung unterstützen. Nutzen Sie unseren  Vordruck und geben Sie ihn einfach beim nächsten Einkauf im Laden ab. Weihnachten ist eine gute Zeit, um über gute Taten zu reden und Danke zu sagen.

Gesamtauswertung der Aal-Umfrage November 2009

Unternehmen, die ausgelistet haben:

  1. Aldi-Süd: seit mehreren Jahren – in Süddeutschland ist Aal kein großes Produkt.
  2. Lidl: seit 2007.
  3. Kaufland: seit Dezember 2008.
  4. EDEKA: seit Sommer 2009.
  5. Norma: gibt an keinen Aal zu führen.

Unternehmen, die 2009 noch Aal führen, 2010 aber nicht mehr:

1. Kaiser-Tengelmann: ab der 51. Kalenderwoche 2009 wird Aal ausgelistet, Rest abverkauft.

Unternehmen, die Aal führen und das weiterhin wollen:

  1. Metro. Begründung, Zitat: „Vor dem Hintergrund der wissenschaftliche sowie politischen Lage, in Kombination mit den von uns ergriffenen Maßnahmen (Anm. WWF: wohl Aal-Initiative), führen unsere Vertriebslinien den Europäischen Flussaal derzeit weiter im Sortiment".
  2. Rewe: Bezieht sich auf Aal-Intiative und auf die Prognose des Instituts für Binnenfischerei.
  3. Aldi-Nord: Bezieht sich auf Aal-Initiative und "Studie" des Instituts für Binnenfischerei.
  4. Nordsee: Bezieht aus der Aal-Intiative "3 für 1" und argumentiert, damit die nachhaltige Bewirtschaftung des Aalbestands in Europa zu unterstützen).
  5. Bünting: Antwort nicht ganz eindeutig: Bünting gibt an, dass noch Kontrakte bis in das Jahr 2010 bestehen, einige Aal-Artikel wurden bereits ausgelistet. Mittelfristig ist komplette Auslistung geplant, bis dahin arbeitet Bünting mit Lieferanten aus der Aal-Initiative.

Unternehmen, die nicht geantwortet haben:

  1. Blum: Fischrestaurant-Kette.
  2. Gosch: Fischrestaurant-Kette.

Die Antwort des Unternehmens "Seafood Service" konnte nicht zugeordnet werden, das Unternehmen führt keinen Aal mehr. Auf die Nachfrage, wen das Unternehmen beliefert, kam bisher keine Antwort.