Welcher Zuchtfisch darf auf den Teller?

Gezüchteter Kabeljau bei Bergen, Norwegen © Rudolf Svenson / WWF-Canon
Gezüchteter Kabeljau bei Bergen, Norwegen © Rudolf Svenson / WWF-Canon

Neues Öko-Label erleichtert Verbrauchern den Kauf von Fisch aus Aquakulturen

Die Menschen essen immer mehr Fisch. Um die steigende Nachfrage zu befriedigen, wird Fisch auch in Unterwasserfarmen gezüchtet. Eine Entlastung für ihre frei lebenden Artgenossen? Leider nein – der wachsende Bedarf an Futter stellt eine zusätzliche Gefahr für die überfischten Bestände dar.

Um ein Kilogramm Fisch aus Aquakultur zu züchten, werden im Durchschnitt vier Kilogramm frei lebender Fisch verfüttert – Tiere, die oftmals nicht nachhaltig gefangen werden. Außerdem verursachen Aquakulturen in der Regel große Umweltschäden, wenn Chemikalien oder Antibiotika aus dem Futter ins Meer gelangen. Häufig werden für den Bau von Zuchtanlagen küstennahe Lebensräume wie Mangrovenwälder zerstört. Doch es gibt inzwischen auch umweltfreundliche Fisch-Zuchten. Um hier den Überblick zu bekommen, will der WWF den Verbrauchern mit einem Bio-Label für Zuchtfisch helfen.

Fischfarm bei den Färöer Inseln © Maren Esmark / WWF-Canon
Fischfarm bei den Färöer Inseln © Maren Esmark / WWF-Canon

Aquakultur häufig ein "ökologisches Desaster"

Deshalb wird der WWF ein neues Gütesiegel einführen: Der „Aquaculture Stewardship Council“ (ASC) soll nach dem erfolgreichen Vorbild des „Marine Stewardship Council“ (MSC) entwickelt werden. Das MSC-Siegel wird nur für nachhaltige Meeresfischereien, nicht aber für Zuchten vergeben. Diese jedoch werden bei unserem Fischkonsum immer wichtiger.

Schließlich ist die Aquakultur mit Steigerungsraten von durchschnittlich neun Prozent seit 1970 der am schnellsten wachsende Zweig in der globalen Ernährungswirtschaft. Rund 50 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte werden inzwischen in Süßwasser- und Meereszuchten erzeugt. Das entspricht mehr als einem Drittel des weltweit konsumierten Fisches. "Aquakultur ist nur dann eine Alternative zu Wildfisch, wenn sie umweltfreundlich betrieben wird", erklärt die WWF-Fischereiexpertin Catherine Zucco, "doch leider ist sie häufiger ein ökologisches Desaster."

Standards für die Aquakultur sind dringend notwendig

Das vom WWF angeschobene ASC-Siegel könnte schon 2011 auf den Markt kommen. Derzeit moderiert der WWF weltweite "Aquakultur-Dialoge". In diesem Prozess entwickeln 2000 Fischzüchter, Umweltschützer, Regierungsvertreter und andere Interessengruppen gemeinsame Standards. Schon im nächsten Jahr sollen Umwelt- und Sozialstandards für neun typische Zuchtfische wie Shrimps, Lachs, Pangasius und Forelle vorliegen. Diese Regeln könnten die Grundlage für das ASC-Label bilden.

Umweltbewusste Konsumenten können sich aber schon heute über naturverträgliche Aquakulturen informieren und an der Fischtheke eine gute Wahl treffen. Im neuen Einkaufsratgeber Fische & Meeresfrüchte finden sie bereits Empfehlungen für Zuchtfische. Der WWF empfiehlt unter anderem Dorade, Lachs und Tilapia aus Bio-Zuchten.