Der Marine Stewardship Council (MSC)

Der Fang von MSC-zertifizierten Makrelen. © WWF-Canon / Edward Parker
MSC-zertifizierten Makrelen werden vor Englands Südwestküste gefangen. © WWF-Canon / Edward Parker

Im Februar 1997 wurde der MSC gegründet. Die Gründung geht zurück auf eine Initiative des WWF und des international tätigen Lebensmittelkonzerns Unilever. Unilever war bis 2006 unter anderem Mutterkonzern der Langnese-iglo GmbH. Die Marke iglo ist in Deutschland Marktführer im Bereich Tiefkühlfisch.

Seit 1999 ist der MSC eine unabhängige, gemeinnützige und nichtstaatliche Organisation in London. Weltweit können Fischereien nach den Umweltverträglichkeitskriterien des MSC zertifiziert werden. Diese Standards wurden von unabhängigen internationalen Experten aufgestellt. Produkte der ausgezeichneten Fischereien sind mit einem kleinen blauen Fisch, dem MSC-Logo,  gekennzeichnet.

So wird der verantwortungsvolle Umgang mit Fisch und dem Lebensraum Meer gefördert. Bis heute konnten 30 Fischereien zertifiziert werden. Dazu zählen kleine regionale Fischereien wie Westaustralische Languste und Themse Hering sowie große Fischereien wie Alaska Wildlachs und  Alaska Seelachs. 42 Prozent der weltweiten Wildlachsfänge, 32 Prozent der Weißfischfänge und 18 Prozent der Hummerfänge sind zertifiziert. Etwa 4 Prozent des globalen Fischfangs stammt heute aus MSC Fischereien. MSC-zertifizierte Fischereien müssen folgende Kriterien erfüllen:

  1. Sie dürfen nicht zur Überfischung führen. Bei bereits erschöpften Fischbeständen muss die Fischerei so gestaltet werden, dass sie nachweisbar zu deren Erholung führt.
  2. Sie müssen den Erhalt des Ökosystems, auf dem sie beruhen, ermöglichen.
  3. Sie müssen Bestandteil eines effektiven Verwaltungssystems sein, das Gesetze und internationale Standards berücksichtigt und die Einhaltung von 1 und 2 garantiert (zum Beispiel indem es schonende Fangmethoden vorschreibt und wirtschaftliche und soziale Anreize für bestandserhaltende Fischereien vorsieht).

Konkret heißt das, dass Fangmengen nur so hoch sein dürfen und Alter, genetische Struktur und Geschlechterverhältnis der Fischbestände so erhalten bleiben müssen, dass die Fortpflanzung der Art nicht beeinträchtigt wird. Die natürlichen Verhältnisse zwischen den verschiedenen Arten  innerhalb eines Ökosystems müssen bestehen bleiben. Das Töten und Verletzen von gefährdeten, bedrohten oder geschützten Arten muss auf das absolute Minimum reduziert werden. Es müssen umweltverträgliche Fangmethoden eingesetzt werden. So werden Laich- und Aufzuchtsgebiete und einmalige Lebensräume geschützt.

Um das MSC-Siegel zu erhalten, müssen sich Fischereien freiwillig um die Zertifizierung bewerben. Ein unabhängiger – vom MSC akkreditierter – Zertifizierer überprüft in einem transparenten Prozess die Einhaltung der MSC-Standards unter Beteiligung all derer, die ein Interesse an der Fischerei haben. Bei Erfolg wird das MSC-Siegel meist unter Auflagen für fünf Jahre verliehen. In diesen fünf Jahren soll eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Fischerei zu mehr Nachhaltigkeit erfolgen. Nach jährlichen Überprüfungen muss sich die Fischerei dann erneut dem Zertifizierungsprozess stellen, wenn sie das Siegel weiterhin tragen soll.

Durchbruch für den MSC

Lange Jahre musste der MSC Fischer, Händler und Politiker von der Notwendigkeit des Siegels überzeugen. 2005 kann wohl als Jahr des Durchbruchs für das Fischsiegel angesehen werden. Die weltgrößte Weißfischfischerei – Alaska Seelachs in der Bering See und den Aleuten – wurde MSC zertifiziert. Die Fischerei landete in den letzten 20 Jahren durchschnittlich 1,1 Millionen Tonnen an. In Deutschland hat Alaska Seelachs einen Marktanteil von knapp 18 Prozent. Beliebte Produkte wie Fischstäbchen sind jetzt auch MSC zertifiziert zu erhalten.

Immer mehr Firmen entscheiden sich, MSC Produkte in ihr Sortiment zu übernehmen. Ihnen bleibt so langfristig die Ressource Fisch erhalten und ihr Verhalten wird durchaus vom Verbraucher honoriert. MSC Wildlachs aus Alaska zum Beispiel ist heute, fünf Jahre nach der Zertifizierung der Fischerei, ein etabliertes Produkt. Auch die erste EU Fischerei, eine Nordsee Heringsfischerei, hat erst kürzlich das MSC Label verliehen bekommen.

Auch deutsche Verbraucher finden mittlerweile zahlreiche MSC-Produkte in den Kühlregalen und Fischtheken des Handels. Das Fischinformationszentrum in Hamburg schätzt, dass heute etwa 10 Prozent des Fisches in Deutschland aus MSC-Fischereien stammt.

Die Rolle des WWF

Wie soll sich ein Verbraucher verhalten, wenn er beim Fischkonsum auf Naturverträglichkeit achten möchte? Woher soll er die nötigen Informationen bekommen? Der WWF-Fischführer gibt zwar Auskunft darüber, welche Fische eine gute Wahl sind, aber einige Fischarten fehlen und nicht alle relevanten Informationen stehen beim Einkauf zur Verfügung. Die Garantie, dass ein Fisch aus umweltverträglicher Fischerei kommt, kann nur ein unabhängiges Siegel wie der MSC geben, das übrigens das einzige Siegel im Fisch und Meeresfrüchte Bereich ist, das den strengen Kriterien der Vereinten Nationen entspricht. Der WWF setzt sich verstärkt dafür ein, das Fischerei-Umweltsiegel in Deutschland bei Fischern, Fisch verarbeitender Industrie und Handel bekannter zu machen. Für den WWF ist entscheidend, dass der MSC nicht als Werbeträger für die Fischindustrie, sondern als glaubwürdige und unabhängige Organisation zur Kennzeichnung umweltverträglicher Fischereien wahrgenommen wird.

Durch Öffentlichkeitsarbeit macht der WWF seit vielen Jahren auf die Problematik der Überfischung, des Beifangs und die damit verbundene Zerstörung der Meeresumwelt aufmerksam. Die MSC-Zertifizierung wird vom WWF als ein Lösungsweg zum Schutz und zur Regeneration der Fischbestände angesehen. Durch ihr Kaufverhalten können Verbraucher aktiv zur Schutz der Meere beitragen. Immer mehr Unternehmen erkennen ihre Verantwortung und bieten Produkte aus naturverträglicher Fischerei an. Eine Liste von Produkten und Anbietern finden Sie rechts.

Kontakt

Heike Vesper, Fischereireferentin
Tel.: 040 530200-123
E-Mail schreiben