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Rügen klassisch: Kreidefelsen auf Jasmund. © A. Magdorf / WWF

Stunde Null für die Natur

Was die Deutsche Einheit für den Naturschutz bedeutete

Gleich nach der Wende im November 1989 begann eine enge Zusammenarbeit von ostdeutschen Naturschützern mit dem WWF. Bereits am 14. März 1990 wurde die Naturschutzstelle Ost der Umweltstiftung in Potsdam eröffnet.

„Auf dem Gebiet der DDR gibt es noch Lebensräume mit einer Artenvielfalt, von der wir im westlichen Deutschland nur träumen können. Sie zu erhalten, ist eine staats- und kulturpolitische Aufgabe und eine Chance, die nie wiederkehrt.“
Carl-Albrecht von Treuenfels, ehemaliger WWF-Präsident und damaliger Vorsitzender des WWF-Vorstandes im Jahr 1990

Als im Herbst 1989 der Eiserne Vorhang fiel, verlagerte der WWF Deutschland den Schwerpunkt seiner Arbeit rasch Richtung Osten. Bereits am 14. März 1990 wurde die Naturschutzstelle Ost in Potsdam eröffnet.

In nur wenigen Monaten bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurden – ebenfalls mit Unterstützung des WWF – die wichtigsten Naturräume Ostdeutschlands als Nationalpark, Biosphärenreservat oder Naturpark unter Schutz gestellt und so für kommende Generationen bewahrt. Das „grüne Tafelsilber“ der einstigen DDR ist heute, nicht zuletzt mit Hilfe des WWF, zu einem wahren Schatz an artenreichen Schutzgebieten geworden: Von Jasmund auf Rügen über die gesamte Ostseeküste bis zur Elbe und zur Uckermark.

Deutschlands Wappentier, dem Seeadler, geht es auch dank der Wiedervereinigung besser. Denn der seltene Greifvogel ist auf ungestörte und bewaldete Küsten-, Seen- und Flusslandschaften angewiesen. Nach dem Fall der Mauer gelang es vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, in diesen Ökosystemen große Schutzgebiete auszuweisen. © Hoyer / WWF

Grünes Band statt Eiserner Vorhang

Vor allem dem damals stellvertretenden Umweltminister Dr. Michael Succow ist es zu verdanken, dass auf der letzten Ministerratssitzung am 12. September 1990 mit fünf Nationalparks, sechs Biosphärenparks und drei Naturparks insgesamt 4,5 Prozent der damaligen DDR-Landesfläche unter Naturschutz gestellt und damit als ökologisches Tafelsilber in ein geeintes Deutschland übernommen wurden.

Der WWF engagierte sich schon früh in der ehemaligen DDR: vor allem in den Nationalparks Jasmund auf Rügen, Vorpommersche Boddenlandschaft und Untere Oder, in den Naturparks Schaalsee, Drömling und Uckermärkische Seen sowie in den Biosphärenreservaten Mittlere Elbe und Schorfheide-Chorin. Mit viel Idealismus, aber auch einer Menge Geld konnten diese einzigartigen Lebensräume sichergestellt und einem naturverträglichen Tourismus geöffnet werden. WWF-Präsident SKH Prinz Philip sollte Recht behalten, als er 1992 bei seinem Besuch an der Oder feststellte: „Anstelle eines Eisernen Vorhangs wird bald ein grünes Band durch Europa entstehen.“

Dabei schienen die Probleme 1990 noch riesengroß: Die DDR hatte ökologische Krisengebiete wie Bitterfeld und Leuna hinterlassen, außerdem großflächig verödete Agrarlandschaften mit zerstörten Böden.

Gleichzeitig drohten natürliche Lebensräume an Oder und Schaalsee, als Grenzregionen jahrzehntelang von Menschen weitgehend abgeschirmt, von unzähligen westdeutschen Touristen überrollt zu werden. Und nicht zuletzt fehlte es überall an Informationsmaterial, Kopierern oder Telefonen.

Tafelsilber gut gepflegt

Heute, zwei Jahrzehnte später, sind die Naturschutzgebiete Ostdeutschlands von der Ostsee bis zur Elbe grüne Juwelen in der Industrielandschaft Mitteleuropas. Sie sind bei der Bevölkerung akzeptiert und zugleich Publikumsmagneten für fast drei Millionen Besucher jährlich  – ohne von ihnen beeinträchtigt zu werden. Auch wenn es noch immer viel zu verbessern gibt: Die Touristen werden heute sanft gelenkt, ohne die Artenvielfalt und die Lebensräume zu gefährden. Das 2004 eröffnete Nationalparkzentrum Königsstuhl, an dem der WWF entscheidend beteiligt war, ist die neue Touristenattraktion des Nationalparks Jasmund auf Rügen.

Erfreulich ist außerdem zum Beispiel im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft die Beseitigung von militärischen Siedlungen, die erfolgreiche Renaturierung von Feuchtgebieten, die Rückführung der Landwirtschaft und die gute Einbindung der Gemeinden. Allerdings bemängelt der WWF unter anderem noch die Umsetzung der Schutzregeln auf dem Wasser, das 80 Prozent der Parkfläche ausmacht. Hier fehlt es noch an Ausrüstung und Ausbildung des Personals. Es gibt also weiterhin zu tun.


Gewinner der Wiedervereinigung: Schutzgebiete im Nordosten Deutschlands

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Titel: Wiedervereinigung und Naturschutz

Link: http://www.wwf.de/themen/politik/wiedervereinigung-und-naturschutz/


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