
- Namenloser Wasserfall im Amazonasgebiet. © Zig Koch / WWF
WWF-Rückblick 2008: Neue Schutzgebiete geschaffen
Erfolge der Projektarbeit
Sechs neue Schutzgebiete am Amazonas
Das vom WWF mitinitiierte Schutzgebietsprogramm für die Amazonasregion (ARPA) ist das größte seiner Art – und es wächst weiter. Im Mai und Juni dieses Jahres wurde ein bereits bestehendes Schutzgebiet erweitert und sechs weitere mit einer Gesamtfläche von 4,6 Millionen Hektar wurden neu errichtet.
Die Regenwälder am Amazonas zählen zu den artenreichsten Regionen der Erde. Dort ist die Heimat des Jaguars und vieler anderer, einmaliger Tierarten. Die noch immer riesigen regenwälder regulieren auch in erheblichem Maße das Weltklima.

- Abtransport illegal gefällter Bäume in Tesso Nilo. Alain Compost / WWF-Canon
Indonesien: In Tesso Nilo wächst der Schutzraum für Tiger und Elefanten
Der Tesso Nilo-Wald in der Provinz Riau auf Sumatra ist der an Pflanzen artenreichste der Welt. Er ist Heimat für den vom Aussterben bedrohten Sumatra-Elefanten und Rückzugsgebiet des Sumatra-Tigers.
Der gleichnamige Nationalpark wurde 2008 offiziell von der indonesischen Regierung auf insgesamt 86.000 Hektar erweitert – weitere rund 19.000 Hektar sollen folgen, dann haben wir die 100.000 Hektar erreicht.
Die Erweiterung ist ein großartiger Erfolg für den gesamten WWF, denn seit Jahren haben wir für die Erweiterung gefochten, und die derzeit vor Ort laufende Sumatra-Kampagne trägt zusätzlich ihre Früchte.
Ohne den WWF wäre diese Waldfläche wahrscheinlich bereits von der Landkarte ausradiert worden. Große Holz-, Papier- und Palmölkonzerne umzingeln das Gebiet mit ihren Konzessionen und wollten es für ihre Zwecke umwandeln – das heißt kahlschlagen und mit Monokulturen bepflanzen. Die Erweiterung gibt nun neue Hoffung, dass Lebensraum für Tiger und Elefanten doch noch gesichert werden kann und Sumatra noch nicht ganz verloren ist.
"Sumatra Deklaration": Weiterer Meilenstein für den Erhalt des Regenwaldes
Vertreter des WWF und der indonesischen Regierung haben am Rande des Weltnaturschutzkongresses in Barcelona ein historisches Abkommen zum Schutz des Regenwaldes auf Sumatra unterzeichnet. In der Übereinkunft wird festgeschrieben, die verbliebenen Waldgebiete auf der sechstgrößten Insel der Welt unter Schutz zu stellen, degradierte Flächen wieder herzustellen und einen ökoregionalen Landnutzungsplan umzusetzen. Diese Deklaration wurde von zehn Provinzen und vier Ministerien unterzeichnet. Der WWF hatte seit 2004 darauf gedrängt.
Sumatra ist der einzige Ort der Welt, an dem Tiger, Elefanten, Orang-Utans und Nashörner gemeinsam leben.

- Orang-Utans in Zentral-Kalimantan auf Borneo. © Alain Compost / WWF
„Heart of Borneo“
Das „Herz von Borneo“ ist Heimat unzähliger Tiere und Pflanzen. Es ist Lebensraum für den Orang-Utan, die einzige Elefantenpopulation Borneos, den nur auf Borneo vorkommenden Nasenaffen, das Borneo-Nashorn und das Banteng.
Gemeinsam mit dem WWF Indonesien, dem WWF Malaysia und anderen Naturschutzorganisationen setzt sich der WWF Deutschland uns für den Schutz der Bergregenwälder Borneos ein. Im Rahmen des "Heart of Borneo" getauften Programms wollen wir einen grenzübergreifenden ökoregionalen Naturschutz etablieren. Nach der Unterzeichnung der Deklaration zum Schutz der Heart of Borneo-Region haben sich die Regierungen von Indonesien, Malaysia und Brunei in einem Aktionsplan zu konkreten Maßnahmen verpflichtet. Schwerpunkte sind die naturschonende Entwicklung der ärmeren Grenzgebiete, Förderung des Ökotourismus und der bessere Schutz von Nationalparks und Reservaten im Grenzgebiet. Die Regierungen haben sich verpflichtet, ein Drittel des Regenwaldgebietes – rund 220.000 Quadratkilometer – im Zentrum Borneos langfristig zu erhalten. Ursprünglich geplante Großprojekte wie die Umwandlung der Wälder für eine riesige Ölpalmenplantage und ein Straßenbauprojekt in der Grenzregion sind dadurch nicht mehr möglich.

- Einer der letzten 35 Amurleoparden in freier Wildbahn, von einer Fotofalle abgelichtet. © WWF
Amur-Region: Neuer Schutzgebietskomplex in Primorje
Erfolgsnachricht aus dem Russischen Fernen Osten: Endlich werden drei Schutzgebiete im Süden der Provinz Primorje zu einem Schutzgebietskomplex vereint. Das ist das Ergebnis eines Treffens von Dr. Igor Chestin, Geschäftsführer des WWF Russland, mit dem russischen Vizepremierminister Sergej Ivanov und Vertretern des Ministeriums für natürliche Ressourcen. Das Ministerium wird auf Initiative des WWF zukünftig auch die Verantwortung für dieses neue Schutzgebiet an den Grenzen zu China und Nordkorea übernehmen.
Damit werden nicht nur die dort lebenden Armutiger besser geschützt, sondern auch die Amurleoparden. Die meisten der 35 Exemplare, die noch in freier Wildbahn existieren, leben nämlich genau in dieser Region.
UN-Umweltgipfel zur biologischen Vielfalt: Die 9. Vertragsstaatenkonferenz in Bonn
Das größte Wunder des Planeten ist die ungeheure Vielfalt an Lebensformen. Deren Schutz und Erhalt ist eines der Hauptziele der Konvention zur biologischen Vielfalt ("Convention on Biological Diversity",CBD), die 1992 auf der UN-Weltkonferenz in Rio de Janeiro verabschiedet wurde.
Rund 7.000 Delegierte aus 1991 Staaten trafen im Mai 2008 auf der 9. Vertragsstaatenkonferenz in Bonn zusammen. Die Konferenz hat, gemessen an ihrem selbstgesteckten Ziel, bis zum Jahr 2010 das Artensterben endlich aufzuhalten, nur unzureichende Ergebnisse erbracht. Dennoch übertraf die Bonner Konferenz viele Erwartungen:
- Bis zum nächsten Treffen 2010 in Japan sollen Regeln für den Zugang zu und die Nutzung von genetischen Ressourcen verabschiedet werden.
- Erstmals wurden klare Kriterien zur Ausweisung von Schutzgebieten auf hoher See beschlossen.
- Deutschland hat erhebliche Geldmittel für den internationalen Naturschutz zugesichert (500 Millionen Euro über vier Jahre). Leider blieb Deutschland bislang das einzige Land mit einer vergleichbaren Finanzierungszusage.
- Insgesamt haben 30 Länder Schutzgebiete im Gesamtumfang von rund 50 Millionen Hektar zugesagt, darunter die Demokratische Republik Kongo mit 15 Millionen Hektar Regenwald.
- Brasilien allein will 60 Millionen Hektar Amazonasregenwald schützen.
Enttäuschend war vor allem die Verhandlung über das Arbeitsprogramm für die biologische Vielfalt der Wälder. Ein Ziel, die illegale Rodung von Wäldern zu stoppen, wurde nicht formuliert. Das Arbeitsprogramm bleibt insgesamt wirkungslos, weil klare Ziel- und Zeitvorgaben und Arbeitsschritte fehlen.
Ausweisung des ersten marinen Schutzgebietes auf Hoher See
Schon kurz nach dem UN-Umweltgipfel in Bonn beschlossen die 15 Anrainerstatten des Nordostatlantiks (OSPAR-Abkommen) bei ihrer Jahrestagung Ende Juni 2008 einen Abschnitt des Mittelatlantischen Rückens als Hohe-See-Schutzgebiet auszuweisen, das die in Bonn verabschiedeten Kriterien hierfür erfüllt. Das Gebiet südlich von Grönland ist mit rund 300.000 Quadratkilometern so groß wie Italien, beherbergt Dutzende Seeberge mit Kaltwasserkorallenriffen und ist sowohl für die Fischerei als auch für Wale und Schildkröten von großer Bedeutung. Der Gebietsvorschlag war vom WWF ausgearbeitet und vom Internationalen Rat für Meeresforschung geprüft worden.
Neue Schutzgebiete in der Demokratischen Republik Kongo
Der Umweltminister der Demokratische Republik Kongo traf auf Vermittlung des WWF und der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) mit Bundesumweltminister Gabriel zusammen und sagte die Ausweisung von 15 Millionen Hektar zusätzlicher Schutzgebiete zu. Gabriel sagte im Gegenzug eine finanzielle Unterstützung Deutschlands zu. Zur Zeit hat die Demokratische Republik Kongo 22 Millionen Hektar überwiegend tropische Wälder unter Schutz gestellt. Im Kongo entsteht nach der Zusage des Ministeriums das zweitgrößte Schutzgebietsnetz für tropische Wälder weltweit.

- Kamtschatka-Braunbär. © Peter Prokosch / WWF
Kamtschatka: Bärenwilderei völlig gestoppt
Das von der EU geförderte Projekt im Norden Kamtschatkas zur Verbesserung des Schutzgebiets Koryaksky und der Förderung der indigenen Bevölkerung um das Schutzgebiet ist erfolgreich abgeschlossen worden. Durch Weiterbildung des Schutzgebietspersonals konnte deren Effektivität gesteigert werden.
Gleichzeitig wurde die Bevölkerung für das Schutzgebiet sensibilisiert (Einrichtung eines Besucherzentrums) und alternative Einkommensquellen etabliert (Herstellung und Verkauf von traditionellen Produkten wie Rentierkleidung, Schmuck, etc.).
Der WWF konzentriert sich weiterhin vor allem auf die Stärkung der Schutzgebiete im Süden Kamtschatkas. So konnte zum Beispiel die grassierende Bärenwilderei im Schutzgebiet Südkamtschatka durch die Anstellung von vier Rangern aus dem Kaukasus völlig unterbunden werden. Weitere Schutzgebiete werden beim Aufbau von überall fehlender Infrastruktur unterstützt, nach dem Vorbild des vom WWF aufgebauten Modellprojektes "Nalychevo Naturpark".


