Hochwasserschutz
Warum Auen so wichtig sind

- © WWF-Canon / Chris Martin Bahr
Dass ein Fluss über seine Ufer tritt, ist eine ganz natürliche Angelegenheit. Die Lebensgemeinschaften entlang des Flusses sind daran gewöhnt, benötigen sogar die gelegentliche Flut: Denn jedes Hochwasser bringt neue Nährstoffe.
Durch Begradigungen, Deiche und Dämme jedoch hat der Mensch viele natürliche Überschwemmungsgebiete vom Fluss getrennt – und damit die Hochwassergefahr zum Teil drastisch verstärkt. Im Rhein etwa rauscht heute eine Hochwasserwelle in 30 Stunden von Basel nach Karlsruhe – 1955 brauchte sie dazu noch 65 Stunden.
Beispiel Rhein
Allein am südlichen Oberrhein gingen in den letzten 50 Jahren 60 Prozent der natürlichen Überflutungsflächen verloren. Daher leistet das WWF-Auen-Institut heute Überzeugungsarbeit, damit staatliche Hochwasserschutzmaßnahmen auch zu einer Verbesserung der ökologischen Situation in den Auen führen. So nahm das Integrierte Rheinprogramm der baden-württembergischen Landesregierung auf Initiative des WWF die Ideen eines ökologischen Hochwasserschutzes auf. Die vorgesehenen Polderflächen entlang des Oberrheins sollen nicht nur bei einem Extremereignis geflutet werden, sondern vor allem durch Flutungen "zwischendurch" wieder renaturiert werden. Auf diese Weise werden Schäden bei Extremereignissen verhindert.
Der Wiederanschluss der Auen an die Flüsse ist der beste, weil umweltverträglichste und zugleich preiswerteste Hochwasserschutz.
Dazu bedarf es künftig noch engerer Zusammenarbeit der Bundesländer. Denn die Hochwasserprobleme vom Niederhein etwa können nur am Oberrhein gelöst werden.
Beispielhafte Hochwasserschutzprojekte am Rhein, an denen der WWF beteiligt ist:
- UVS Polder Söllingen/Greffern,
- Raumnutzungskonzept Hördter Rheinaue,
- UVS Bellenkopf und
- Hochwasserschutzkonzept Hessische Rheinaue.
Die am Oberrhein erzielten Ergebnisse sind richtungsweisend für den ökologischen Hochwasserschutz an vielen anderen europäischen Flüssen.
Beispiel Oder
Für die 800 Kilometer lange Oder beispielsweise erarbeitete der WWF einen Oder-Auen-Atlas und stellt dem staatlichen Ausbauprogramm „Odra 2006“ ein ökologisches Hochwasserschutzkonzept gegenüber. Um dies umzusetzen, arbeitet der WWF mit zahlreichen Partnern vor Ort zusammen. Mit fundierten Kenntnissen der hydrogeologischen und ökologischen Situation entlang des gesamten Flusses ist er heute der akzeptierte Ansprechpartner der lokalen Behörden und Ministerien.

