Wozu braucht man einen Standard für waldbezogene Klimaschutzprojekte?

© Sabine Vielmo / WWF
© Sabine Vielmo / WWF

Rund 10.000 Teilnehmer reisten im Dezember 2007 aus aller Welt zum Klimagipfel nach Bali - die wenigsten von ihnen kamen mit dem Fahrrad oder dem Schlauchboot. Ein einzelner Trip von Berlin nach Bali und wieder zurück belastet das Klima pro Passagier mit fast fünf Tonnen Kohlendioxid. Jeder Reisende bläst damit in wenigen Stunden so viele Treibhausgase in die Luft wie ein Durchschnittsinder in fünf Jahren!

Gerecht ist das nicht, aber ebenso wenig vermeidbar. Denn es steht außer Frage, dass Konferenzen wie die in Bali nötig sind.

Vermeiden, verringern, kompensieren muss der Grundsatz lauten

Manche Emissionen lassen sich nicht vermeiden. Daher heißt das Zauberwort „Kompensation“.  Wenn man nicht selbst auf CO2-Emissionen verzichten kann, zahlt man in Projekte ein, die helfen, CO2 zu vermeiden, einzusparen oder zu absorbieren.

Organisationen, die Klimagutschriften anbieten, schießen wie Pilze aus dem Boden. Es ist schwer im Dschungel des Zertifikathandels den Überblick zu behalten und zu entscheiden, welches Angebot glaubwürdig ist. Aus dem bunten Strauss der Klimasiegel, ragt der so genannte „Gold Standard“ heraus. Das Qualitätslabel für Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern wurde 2003 vom WWF und anderen Umweltverbänden entwickelt. Bislang können nur Projekte, die auf erneuerbare Energie oder die Steigerung der Energieeffizienz setzen, das Siegel erhalten.

Projekte, bei denen Emissionen durch Walderhaltung oder Aufforstung und Wiederaufforstung eingespart werden, bleiben bislang unzertifiziert, weil es an konkreten Kriterien für solche Projekte fehlt. Dass der Erhalt der Wälder eine wichtige Rolle im Klimaschutz spielt, ist unbestritten. Rund 20 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen gehen auf das Konto der Abholzung.

Die Entwicklung eines soliden, glaubhaften „Green Standards“ für waldbezogene Kompensationsprojekte ist überfällig, zumal die Nachfrage nach Projekten das Angebot inzwischen bei weitem übersteigt. Grundvoraussetzung für den WWF ist, dass solche Projekte neben dem Klimaschutz zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen und hohe soziale Standards erfüllen.

Durch den Zertifikathandel könnte der Wald einen zusätzlichen ökonomischen Wert bekommen. Wenn es lukrativer ist, die Bäume stehen zu lassen als sie für Soja- oder Palmölplantagen abzuholzen, dürfte die Entscheidung leicht fallen, die Kettensägen im Lager zu lassen.

Der Klimateufel steckt im Detail.

Wenn eine aufgeforstete Fläche abbrennt, ist der Klimaeffekt gleich Null. Zudem besteht die Gefahr, dass Urwälder abgeholzt werden und die Flächen anschließend mit Eukalyptusplantagen oder anderen standortfremden Bäumen „aufgeforstet“ werden. Diese Naturzerstörung noch mit Klimagutschriften zu belohnen, ist unsinnig und zeigt die Grenzen des Prinzips. Ein weiteres Problem bei Waldprojekten ist auch der so genannte „Leakage-Effekt“. Das heißt, Holzkonzerne könnten einige Wälder aus Klimaschutzgründen stehen lassen, dafür aber an anderen Orten umso heftiger einschlagen. Weder der Natur noch dem Klima wäre so gedient.

Der Umgang mit Kompensationsprojekten ist schwierig, eine fundamentale Ablehnung bringt uns jedoch nicht weiter. Mit der Weiterentwicklung technischer Möglichkeiten zur Überwachung von Entwaldung, und vor dem Hintergrund eines soliden, glaubwürdigen Standardsystems können Kompensationsprojekte mehr sein als die Beruhigung des eigenen Gewissens – und einen echten Beitrag zum Klimaschutz leisten. Wichtig ist, dass solche Lösungen immer nur als Ergänzung der eigenen Klimaschutzanstrengung gesehen werden.