„Rocken mit gutem Gewissen“
Hobbymusiker Markus Gott ließ sich eine elektrische Bass-Gitarre aus FSC-Hölzern anfertigen

- Markus Gott (43) spielt E-Bass in der Band „Variomatik“, die Rockmusik mit deutschen Texten macht und mehrmals im Jahr im Hamburger Raum auftritt. © Barbara Mohrhof
WWF: Wie kamen Sie auf die Idee, sich eine Gitarre aus FSC-zertifizierten Hölzern bauen zu lassen?
Gott: Ich wollte mir einen neuen E-Bass kaufen. Und zugleich mehr über die Herkunft der verwendeten Hölzer erfahren.
WWF: E-Bässe aus FSC-Hölzern wurden bislang nicht in Deutschland angeboten?
Gott: Im Handel habe ich keinen einzigen gefunden. Als ich auf der Suche nach einem neuen E-Bass war, fielen mir relativ günstige Instrumente aus Merbau auf. Ich begann, danach zu recherchieren und erfuhr, dass dieses Holz zum Großteil aus illegalem Einschlag in Indonesien stammt, mit dem sich nach Informationen aus dem Internet das dortige Militär finanziert. Diese tropische Baumart gilt als stark übernutzt und gefährdet. Dies wurde mir auf meine Frage auch vom WWF bestätigt, der sich unter anderem für eine Kontrolle des Merbauhandels über das Washingtoner Artenschutzabkommen einsetzt.
Also begann ich, einige Hersteller anzufragen, ob sie Instrumente aus nachhaltiger Holzwirtschaft anbieten. Ich erhielt ein ausschließlich negatives Echo.
Daraufhin beschloss ich, mir ein Instrument in Deutschland aus FSC-zertifizierten Hölzern bauen zu lassen.
WWF: Ist denn Tropenholz ein bevorzugtes Holz für Gitarren oder Instrumente allgemein?
Gott: Je attraktiver die Optik, je stärker die Zeichnung und Maserung des Holzes, desto interessanter sind Tropenhölzer. Im Gitarrenbau setzen viele Hersteller stark auf exotische und seltene Holzarten wie Wenge, Zebrano oder Bubinga. Nachhaltigkeit und Artenschutz ist dabei nie ein Thema. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto obskurer erschien mir das alles. Besonders erschreckend finde ich, dass man die Herkunft von Tropenhölzern ohne Zertifizierung so gut wie nie zurückverfolgen kann.
Dazu kommt, dass es auch in Europa oder Nordamerika nicht nachhaltige Waldbewirtschaftung gibt, bei der Naturwälder in Monokulturen umgewandelt werden oder Wälder in ökologisch sensiblen Regionen kahl geschlagen werden. In Russland – ein für Deutschland sehr wichtiger Holzlieferant – gibt es bekanntermaßen illegalen Holzeinschlag zwischen 25 und 50 Prozent. Die Zerstörung der Wälder ist daher keineswegs nur ein Problem der Entwicklungsländer.
WWF: Wie sind Sie denn dann auf einen deutschen Instrumentenbauer gestoßen, der sich bereit erklärte, Ihnen ein solches Instrument zu bauen?
Gott: Das war relativ einfach. Ich besitze bereits einen Bass der Firma Sandberg Guitars aus Braunschweig, den ich quasi „von der Stange“ gekauft hatte. Ich fragte bei Sandberg an und bekam zur Antwort: Klar, können wir machen. Der WWF machte mich auf den Holzhändler Espen AG in Frankfurt aufmerksam, der eine sehr gute Auswahl an FSC-zertifizierten Tonhölzern hat. Dort habe ich mir dann die Hölzer für den Bass ausgesucht.
WWF: Für welche Hölzer haben Sie sich entschieden?
Gott: Das Korpusholz ist aus deutscher Esche, der Hals aus kanadischem Ahorn und das Griffbrett aus mexikanischem Katalox – einem Holz, das Palisander sehr ähnlich ist. Diese Hölzer, die natürlich alle FSC-zertifiziert sind, kommen meinen Soundvorstellungen am nächsten.
WWF: Wie teuer war denn Ihre Individualanfertigung?
Gott: Mit den genannten Hölzern kostet das Instrument 1.350 Euro. Das ist für eine Einzelanfertigung relativ günstig. Das kann man sich auch als Freizeitmusiker noch leisten.
WWF: Gibt es einen Unterschied zu herkömmlichen Tonhölzern in der Verarbeitung?
Gott: Nein, FSC-Tonholz lässt sich ganz normal wie jedes andere Tonholz verarbeiten.
WWF: Bietet die Firma Sandberg jetzt auch Bässe aus zertifizierten Hölzern in Serie an?
Gott: Noch nicht, aber neben den Serienmodellen hat Sandberg immer schon individuelle Kundenwünsche erfüllt, so dass sich jeder Kunde, wenn er möchte, ein Instrument aus nachhaltig produzierten Hölzern bauen lassen kann.
WWF: Und wie klingt die neue Bassgitarre?
Gott: Klasse, der Bass produziert einen schönen, tiefmittigen Rock-Sound, genauso, wie ich ihn in unserer Band brauche. Auch die Bandkollegen sind begeistert, der beste Bass, den ich jemals hatte! Und das gute Gewissen rockt mit!
Der WWF dankt Markus Gott für seinen entschlossenen Einsatz für den Waldschutz.
Band Variomatik
