Sozial verantwortungsvoll

FSC-Modellprojekte in Brasilien und Mexiko

Beispielhaft: Straßenkinder lernen im brasilianischen Manaus die Herstellung von Musikinstrumenten aus FSC-zertifiziertem Tropenholz. © Edward Parker / WWF-Canon
Beispielhaft: Straßenkinder lernen im brasilianischen Manaus die Herstellung von Musikinstrumenten aus FSC-zertifiziertem Tropenholz. © Edward Parker / WWF-Canon

Von der FSC-Zertifizierung ihrer Wälder profitieren auch indigene Völker. Ihre gesetzlichen und gewohnheitsmäßigen Rechte hinsichtlich Besitz, Nutzung und Bewirtschaftung von Territorien und Ressourcen werden anerkannt und respektiert. Sie bestimmen maßgeblich die Nutzung und Vermarktung ihrer natürlichen Ressourcen.

Denn Holz, das gemäß den Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC) geschlagen, verarbeitet und gehandelt wird, ist nicht nur naturnah bewirtschaftet worden, sondern wird auch sozial fair bearbeitet und vermarktet. Deshalb betont der WWF: FSC-Holz stammt aus verantwortungsvoll geführter Waldwirtschaft.

Beispiel 1: Modellprojekt in Chico Mendes’ Heimat

Ein Projekt, das bereits vielfach Nachahmung gefunden hat, ist jenes der Gemeinde Xapuri in der brasilianischen Provinz Acre, die seit jeher im und vom Wald lebte. Als die traditionelle Kautschukproduktion nicht mehr ausreichte, die wachsende Gemeinschaft zu ernähren, und der Produktionsdruck nach Holz stieg, griff man zur Selbsthilfe und entwickelte einen Managementplan, der das ethno-ökologische Know-how der Kautschukarbeiter für die Prinzipien verantwortungsvoller Waldbewirtschaftung nutzbar machte.

Im März 2002 erhielt die "Chico Mendes Association" (benannt nach dem legendären Gummiarbeiter und Umweltschützer) als erste derartige dörfliche Gemeinschaft Brasiliens die FSC-Zertifizierung durch den Zertifizierer SmartWood. Unterstützt durch begleitende Schulungsmaßnahmen in verantwortungsvollem Waldmanagement bewirtschaften seither neun Familien in Acre 900 Hektar Tropenwald. Das FSC-Holz wird an den ebenfalls FSC-zertifizierten Möbelhersteller Etel verkauft. Der errichtete, ermutigt durch die Initiative der Bevölkerung, mitten im Urwald eine Möbelfabrik, die nun weitere Arbeitsplätze bietet.

Beispiel 2: Eine Luther-Schule in Amazonien

Ein weiteres Beispiel für die ökosoziale Komponente von FSC ist die "Escola Lutheria" im brasilianischen Manaus am Rio Negro im Herzen Amazoniens. In dieser Schule erhalten pro Jahrgang 60 Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren eine Ausbildung in Herstellung und Reparatur von Musikinstrumenten aus FSC-zertifiziertem Holz. Sie ist damit weltweit die ersten Schule, die sozusagen direktes Glied einer FSC-Produktionskette ist. Verwendet werden vor allem weniger bekannten Baumarten wie Pau Rainha, Cupuiba, Branco oder Camarú. Diese Hölzer sind genauso wertvoll wie Mahagoni oder Zeder. Dadurch kann man ein Stück Wald ergiebiger nutzen.

Die Rohmaterialien wählen die Schüler selbst bei den brasilianischen FSC-zertifizierten Firmen Gethal und Precious Wood aus, fertigen die Instrumente per Hand und verkaufen sie anschließend auf lokalen Märkten. Jungen Leuten aus der untersten sozialen Schicht Manaus’ bietet die Ausbildung zu "Luther-Technikern" einen Weg aus der Armut und damit eine Zukunftschance. Nach dem Abschluss unterweisen jeweils zwei Absolventen ihrerseits neue Schüler im Instrumentenbau und fungieren so als Multiplikatoren der erlernten Fertigkeiten.

Mindestens genauso wichtig wie das Erlernen der technischen Fähigkeiten ist dabei, dass den Jugendlichen bewusst wird, wie wichtig der sorgsame und effiziente Umgang mit der Ressource Holz ist. Für die lückenlose Produktionskette vom Baum bis zum Endprodukt im Handel (das eine FSC-Nummer trägt) und die Überwachung des Programms garantieren der Zertifizierer Smart-Wood und die angeschlossene Organisation Imaflora.

Beispiel 3: Vulkan-Stadt in Mexiko - Phönix aus der Asche

San Juan Nuevo Parangaricutiro, eine indigene Gemeinde der Purepecha-Indios im mexikanischen Bundesstaat Michoacán, erlebte 1943 einen schweren Schicksalsschlag: Nach einem Vulkanausbruch begruben Lava und Asche nicht nur die ganze Stadt unter sich, sondern verwüsteten auch alle Äcker im Umkreis von 40 Quadratkilometern. So um seine ökonomische Grundlage gebracht, schuf sich San Juan – gleichsam wie Phönix aus der Asche – mit dem Umstieg auf Forstwirtschaft ab den 1970er Jahren eine völlig neue Existenz. 1980 brachte das erste eigene Sägewerk 25 Arbeitsplätze. Mittlerweile leben 900 der 15.000 Einwohner direkt vom Forstsektor. Weitere zahlreiche zusätzliche Arbeitsplätze entstanden – wie etwa durch Ökotourismusprojekte.

Zum Unternehmen, das für 70 Prozent der Einnahmen des Ortes sorgt, gehören nun 10.000 Hektar FSC-zertifizierter Wald, ein weiteres Sägewerk, eine Möbelfabrik, Verpackungsfirmen und ein Harzdestillierungswerk. Drei Baumschulen produzieren jährlich 1,5 Millionen Setzlinge, von denen jedes Jahr ca. 350.000 gemäß des Managementplans des mexikanischen Umweltsekretariats und den FSC-Richtlinien gepflanzt werden, um die Wiederbewaldung mit Kiefer, Eiche und lokalen Baumarten sicherzustellen.

Die in San Juan hergestellten Möbel und anderen Holzprodukte werden in Mexiko verkauft und in die USA exportiert. Die Menschen von San Juan, die moderne Technik mit dem Wissen ihrer Vorfahren zu kombinieren gelernt haben, sind sich bewusst, dass nur der sorgsame Umgang mit ihren wertvollen natürlichen Ressourcen ihnen und den kommenden Generationen den Wohlstand sichern wird. Die FSC-Zertifizierung ist ein Garant für dieses vorbildliche Ressourcenmanagement.