Baumschule von Bahau in Indonesien: Hier wachsen, gefördert vom WWF, Nutzpflanzen für die Einheimischen im Nationalpark Kayan Mentarang. © Tantyo Bangun / WWF
Baumschule von Bahau in Indonesien: Hier wachsen, gefördert vom WWF, Nutzpflanzen für die Einheimischen im Nationalpark Kayan Mentarang. © Tantyo Bangun / WWF

Schutz der Wälder

Der Wald ist der artenreichste Lebensraum der Erde. Die sich daraus ergebende Verpflichtung zu dessen Erhalt und Schutz mitsamt seiner Flora und Fauna hat inzwischen Eingang in viele nationale und internationale Übereinkommen, Programme und Strategien gefunden. Und trotzdem schreitet die Zerstörung der Wälder durch den Menschen fort. Alleine in den Tropen werden jedes Jahr zwischen 14 und 16 Millionen Hektar Naturwald gerodet oder abgebrannt – eine Fläche von der Größe Österreichs und der Schweiz zusammen.

Auch vor den temperierten und borealen Wäldern der gemäßigten und nördlichen Breiten macht die Zerstörung nicht Halt: von den Wäldern im europäischen Teil Russlands sind nur noch 14 Prozent Urwälder. Im westlichen Europa sind nur noch zwei bis drei Prozent der Wälder natürlich.

Schutzgebiete sind vonnöten

Die Übernutzung oder Zerstörung natürlicher Ressourcen ist ein wesentlicher Grund für den Schwund biologischer Vielfalt. Internationale Konzerne holzen die letzten unberührten Wälder ab, um an das wertvolle Holz zu kommen oder um Platz zu schaffen für Plantagen. Auch dem Bergbau fallen jährlich große Waldflächen zum Opfer. Indigene Gruppen und die lokale Bevölkerung, für die der Wald oft Lebensgrundlage ist, werden so auf Restgebiete abgedrängt, die jedoch für den gestiegenen Bedarf nicht ausreichen.

Schutzgebiete sind eines der wichtigsten Werkzeuge, um Biodiversität zu erhalten. Ihre Errichtung soll die ungestörte Entwicklung von Tier- und Pflanzenarten ermöglichen und zugleich die menschlichen Eingriffe in diesen Gebieten ausschließen oder so regulieren, dass sie der Artenvielfalt nicht schaden. Dieser Gedanke wurde auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 aufgegriffen und fand sowohl Eingang in die Agenda 21 als auch in die Konvention zum Schutz der Biodiversität (CBD).

... doch kein Allheilmittel

Ob Naturschutzgebiet, Nationalpark, Naturwaldreservat, Biosphärenreservat, Naturpark, Wildreservat oder Landschaftsschutzgebiet: Weltweit existieren mindestens 140 unterschiedliche Schutzgebiets-Kategorien, alleine 90 in Europa. Für einige, wie Biosphärenreservate und Nationalparks, gelten internationale Richtlinien. Andere werden national geregelt. Sie alle unterscheiden sich nach der Strenge des Schutzes und der in ihnen erlaubten Eingriffe. Zudem sind bei nationalen Kategorien unterschiedliche Behörden auf verschiedenen Verwaltungsebenen zuständig. Darüber hinaus können demselben Gebiet gleich mehrere Schutzgebietskategorien zugeordnet werden, so dass es sehr schwer ist, die Gesamtgröße der weltweit geschützten Flächen zu beurteilen.

Um ein einheitliches und international anwendbares System von Schutzgebieten zu entwickeln, hat die Weltnaturschutzunion IUCN deshalb sechs Schutzgebiets-Kategorien definiert. Die Einteilung der Areale erfolgt nach dem Zweck, der mit der Errichtung dieser Schutzgebiete verfolgt wird (weitere Informationen hierzu sind rechts zu finden).

Darüber hinaus veranstaltet die IUCN alle zehn Jahre den "World Parks Congress" (WPC), auf dem der Stand der Schutzgebietsausweisungen weltweit überprüft wird und Impulse für die Zukunft gegeben werden sollen. So stellte man auf dem letzten WPC in Durban (siehe Hintergrundpapier "World Parks Congress in Durban - ein Resümee") fest, dass etwa zwölf Prozent der weltweiten Landfläche unter Schutz stehen, aber immer noch viele wichtige Lebensräume nicht im Schutzsystem repräsentiert sind.

Der Grund: Die meisten Schutzgebiete wurden in Regionen ausgewiesen, in denen der Widerstand anderer Interessensgruppen - zum Beispiel der Land- und Forstwirtschaft, der Tourismusindustrie oder Bergbauunternehmen - am geringsten war. Dementsprechend werden nicht alle wichtigen Lebensräume gleichermaßen geschützt.

Außerdem fehlt einem Großteil der Staaten das Geld und der politische Wille, die bestehenden Schutzgebiete effektiv zu betreuen – von der Einrichtung neuer Schutzgebiete ganz zu schweigen. Viele dieser Gebiete bestehen deshalb leider nur auf dem Papier – sind so genannte "Paper parks".

Drei WWF-Wege zum Ziel

Der Schutz der letzten natürlichen Wälder ist eines der Hauptanliegen des WWF. Zu diesem Zweck hat die Umweltorganisation 1996 das so genannte "Forest for Life"-Programm ins Leben gerufen. Hier wird auf dreifachem Weg versucht, die weltweiten Waldbestände zu retten.

Zum einen ist der Schutz repräsentativer Waldgebiete ein wichtiger Schwerpunkt der WWF-Aktivitäten. Allerdings reichen Schutzgebiete alleine nicht aus. Deshalb fördert der WWF zusätzlich nachhaltige Bewirtschaftungsmethoden. Waldbesitzer und Holz be- und verarbeitende Betriebe haben die Möglichkeit, sich nach den Kriterien des Forest Stewardship Councils (FSC) zertifizieren zu lassen. Mit diesem Siegel wird die Einhaltung umweltverträglicher sowie sozial gerechter Waldbewirtschaftung gewährleistet.

Der dritte Weg zum Erhalt der Wälder sind Renaturierungsmaßnahmen. Neben der Stabilisierung des Wasserhaushalts und der Verhinderung von Bodenerosion werden durch diese Bewaldungsprojekte auch wichtige Verbindungen zwischen Schutzgebieten oder isoliert liegenden Waldresten geschaffen.

Eins muss bei den Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen jedoch unbedingt beachtet werden: Langfristig können die letzten Naturwälder der Erde nur gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung geschützt werden, weshalb die Wahrung ihrer Interessen ein wichtiger Aspekt der WWF-Arbeit darstellt.