Content Section

Themenwochen gegen den Handel mit illegalem Holz, Teil III: Abholzung im Wohnzimmer

13. Mai 2008

WWF: Illegales Holz aus Raubbau landet in deutschen Haushalten. Unternehmen kommen ungestraft davon und lassen die Verbraucher allein

 

Deutsche Verbraucher kaufen unwissentlich Produkte, die aus illegalem Holz hergestellt sind. Bei einer Marktuntersuchung zwischen November 2007 und Mai 2008 stießen verdeckte Ermittler des WWF bei Baumärkten, Möbelhäusern und Einrichtungsläden auf Parkett, Möbel, Türen, aber auch Saunaeinrichtung und Dekoartikel zweifelhafter Herkunft, darunter viele Tropenhölzer ohne FSC-Zertifikat. Das Problem für die Verbraucher: Sie können nicht erkennen, ob für ihren Wunschartikel illegal Wald vernichtet wurde. Denn selbst heimische Holzarten wie Fichte, Esche oder Ulme können auch aus Russland stammen. Der illegale Holzanteil liegt dort je nach Region zwischen 25 und 50 Prozent; bei tropischen Holzarten ist er meist noch deutlich höher. „Die Unternehmen lassen ihre Kunden mit dem Problem allein und entfernen sich zunehmend von ihrer Verantwortung“, kritisiert WWF-Waldexpertin Nina Griesshammer. Käufern rät sie, ausschließlich Holzprodukte mit dem FSC-Siegel anzuschaffen, das nachhaltige Waldwirtschaft und regelmäßige Kontrollen von Waldbesitzern und Händlern garantiert.  

 

Laut einer neuen WWF Studie importiert Deutschland mit über 8,7 Millionen Kubikmeter EU-weit die drittgrößte Menge an Produkten aus illegalen Quellen. Darunter finden sich z. B. Schnittholz, Sperrholz, profiliertes Holz, aber auch fertig verarbeitete Holzprodukte wie Möbel. Das Produktranking aus illegalem Holz führt Schnittholz an, wovon Deutschland allein 670.000 Kubikmeter einführt. Auf den Rängen zwei bis fünf folgen fertige Holzprodukte, Sperrholz, Möbel und Papier. Mindestens 400.000 Kubikmeter Papier aus illegalem Holz landen in deutschen Regalen. Wer in Deutschland importiertes Profilholz kauft, läuft in fast 30 Prozent der Fälle Gefahr, dass es aus Raubbau stammt, bei Sperrholz sind es 20 Prozent.    

 

Bislang wird der Handel mit illegalem Holz nicht bestraft – für den WWF ein Skandal: „Politik und Unternehmen entziehen sich ihrer Verantwortung und tun so, als seien sie durch den unbehelligten Handel mit geklauter Ware nicht in die Zerstörung der letzten großen Waldblöcke der Erde verstrickt“, kritisiert WWF-Experte Johannes Zahnen. Der WWF fordert seit langem ein Gesetz, das garantiert, dass nur noch mit legalem Holz gehandelt werden darf und den Unternehmen eine Herkunfts-Nachweispflicht auferlegt wird. In diesem Monat entscheidet die EU-Kommission erstmalig darüber, ob ein solches Gesetz kommt.  

 

Als illegal werden Holz und Holzprodukte bezeichnet, wenn beim Fällen, Transport, Einkauf und Verkauf gegen nationale oder internationale Gesetze verstoßen wird, zum Beispiel, wenn Nutzungsrechte am Wald durch Korruption erschlichen oder Landrechte missachtet werden, die Holzfällerei ohne Genehmigung in Schutzgebieten erfolgt, geschützte Baumarten gefällt und Dokumente gefälscht werden. Vor allem in den letzten Urwaldregionen der Erde ist der Anteil besonders hoch: In Indonesien liegt er bei mehr als 70 Prozent, in Russland bei bis zu 50 Prozent.

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken