Content Section

Tiger-Krise in Nepal

07. Juli 2008

Dramatischer Rückgang: Wilderei dezimiert Tigerbestände im Shuklaphanta Reservat. „Global operierende Mafia“ bedroht die seltenen Großkatzen.

 

Frankfurt: Die Tiger-Populationen des Shuklaphanta Wildlife Reservats, in der Grenzregion zwischen Nepal und Indien gelegen, ist innerhalb von nur zwei Jahren um 70 Prozent eingebrochen. Zu diesem erschütternden Ergebnis kommt eine Langzeitstudie des WWF, in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen vor Ort. Das über 300 km² große Reservat beherbergt demnach schätzungsweise nur noch sechs bis 14 Tiger. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 durchstreiften noch zwischen 20 und 50 der majestätischen Großkatzen die Region. Damals konnte sich das Reservat einer weltweit einmalig hohen Dichte an Tigern rühmen.  

 

„Der dramatische Rückgang in Shuklaphanta ist das Ergebnis einer schonungslosen und illegalen Bejagung durch eine global operierende Mafia, die den weltweiten Handel mit Wildtieren und –produkten kontrolliert“, erklärt Stefan Ziegler vom WWF-Artenschutz. Die nepalesische Regierung kommt, Bezug nehmend auf die Ergebnisse der Langzeitstudie, zu ähnlichen Schlussfolgerungen. In einer offiziellen Stellungnahme vom 1. Juli heißt es - äußerst zurückhaltend -, Wilderei sei wahrscheinlich der Hauptgrund für das Verschwinden der Tiere.  

 

Wilderern und Schmugglern kommt die Lage des Shuklaphanta-Reservats in der Grenzregion zwischen Nepal und Indien zugute. Erst im Mai dieses Jahres wurden in der Grenzstadt Dhangarhi zwei Tigerfelle und annähernd 35 Kilo Tigerknochen beschlagnahmt. Viele der erlegten Tiere enden in China und Südostasien – entweder als exotische Spezialität oder als Bestandteil der chinesischen Medizin.  

 

Das Verschwinden der Großkatzen im Shuklaphanta Wildlife Reservat steht stellvertretend für die Tiger-Krise in der Region. „In den vergangenen einhundert Jahren ist der Bestand an Tigern weltweit um 95 Prozent zurückgegangen. Bei gerade einmal noch 4000 wildlebenden Tieren, bringt jedes getötete Exemplar diese Art näher an die Ausrottung“, warnt WWF-Experte Stefan Ziegler. Angesichts des erschreckenden Bestandsrückgangs, mafiösen Strukturen und einem grenzüberschreitenden, illegalen Handeln mit Tigerprodukten fordert Dr. Susan Liebermann, Direktorin des Internationalen WWF Artenschutzprogramms, ein „globales und gezieltes Aktionsprogramm von Regierungen, Umweltschutzorganisationen und Betroffenen“. Der WWF bemüht sich vor Ort um eine engere Zusammenarbeit mit lokalen Gruppen und verschiedenen Regierungsstellen in Indien und Nepal, um den illegalen Wildtierhandel einzudämmen.

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken