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Tod auf Raten an der Ems?

18. August 2008

Messungen von BUND und WWF zeigen: Ems-Sommerstau führt zu neuen „Todeszonen“ in der Ems

 

Sauerstoffmessungen von BUND und WWF während des jetzigen, zweitägigen Probestaus der Emsam 16. und 17. August 2008 zeigen, dass sich durch die Aufstauung neue Todeszonen bilden. In diesen Bereichen wird den Lebewesen vor allem am Gewässerboden sowie bodenlebenden Fischen, wie beispielsweise jungen Flundern, die Luft zum Atmen genommen.

 

In Terborg konnten die Umweltverbände zweieinhalb Stunden nach Beginn des Probestaus noch 4,1Milligramm pro Liter Sauerstoff in 8,5 Meter Tiefe (Flusstiefe hier 9 -10 Meter) messen, vier Stundenspäter waren es an der gleichen Stelle nur noch 0,6 Milligramm pro Liter. Seitens der verantwortlichen Behörden wird jedoch nur bis zu einer Wassertiefe von sieben Metern gemessen, in der die Sauerstoffwerte unproblematisch sind. Kein Wunder, dass der NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) keine bedenklichen Umweltauswirkungen durch den Probestau feststellt, wenn er die kritischen Bereiche und ihre Entwicklung vom Monitoring ausspart, kritisierte Beatrice Claus vom WWF.

 

Weiter stellten BUND und WWF fest, dass bei Leerort in einem Zeitraum von zehneinhalb Stunden bis 23 Stunden nach Staubeginn der Salzgehalt von 1.500 Mikrosievert auf 16.000 Mikrosievertanstieg. Es ist zu erwarten, dass sich diese Salzfront bis zum Ende des Staus noch erheblich weiter in den Süßwasserbereich verschieben wird, erklärte Vera Konermann (WWF/BUND). Eine Verlängerung der Stauzeit im Sommer von 12 auf 37 Stunden darf aufgrund der zu erwartendenerheblichen Umweltauswirkungen aus unserer Sicht nicht genehmigt werden!

 

Um der Meyerwerft in Papenburg zu ermöglichen, ihre größten Kreuzfahrtschiffe zu jeder Zeit im Jahr zu überführen, laufen gegenwärtig drei Verfahren. Zwei, zu denen auch der 37-stündigeProbestau gehört, werden mit dem Ziel durchgeführt, die Umweltauflagen für diese Staufälle komplett zu streichen. Die Messergebnisse der beiden Umweltverbände dokumentieren, dass diese Umweltauflagen dem Schutz des Lebens in der Unterems dienen und bleiben müssen. Die Ems schnappt schon jetzt nach Luft ... Wiederholte Genehmigungen von Behörden für Flussausbauten, Begradigungen und Bedarfsbaggerungen haben dazu geführt, dass der Sauerstoffgehalt des Wassers, vor allem zwischen Leer und Papenburg, dramatisch zurückgeht. Der radikale Ausbau der Ems hatte vergrößerten Tidehub, erhöhtes Tidehochwasser, höhere Fließgeschwindigkeiten und eine starke Verschlickung zur Folge. Infolgedessen ist der Sauerstoffhaushalt des Flusses extrem belastet. Noch 1990 galt für weite Abschnitte der Ems die Gewässergüteklasse II (mäßig belastet). Danach ging es mit der Wasserqualität stetig bergab. Heute wird der Fluss über rund 30 Kilometer in die Gewässergüteklasse IV eingestuft, ist sehr stark verschmutzt.  

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