Content Section

Todesurteil für den Tunfisch

27. November 2006

WWF kritisiert Fangquoten und befürchtet Kollaps der Bestände im Mittelmeer

 

Der WWF befürchtet einen baldigen Zusammenbruch der wirtschaftlich genutzten Tunfisch-Bestände im Mittelmeer. Die Kommission zum Schutz des Atlantischen Tunfischs (ICCAT) habe bei ihrer gestern in Dubrovnik (Kroatien) beendeten Tagung auf ganzer Linie versagt. Die 42 Vertragsstaaten, darunter alle 25 EU-Mitgliedsländer, senkten die Fangquoten für den Roten Tunfisch (Thunnus thynnus) nur geringfügig und sprachen sich gegen einen Wiederaufbauplan für die arg dezimierten Bestände aus. Insbesondere die EU lehnte ein nachhaltiges Fischereimanagement ab. Der WWF erklärte, ICCAT sei nach dieser Entscheidung kein angemessenes Forum mehr für die Rettung des Roten Tunfischs.

 

Die ICCAT-Staaten legten die Fangquote für das Mittelmeer und den Ostatlantik für 2007 auf 29.500 Tonnen fest. Sie ignorierten damit den Rat ihres eigenen wissenschaftlichen Beirats. Die Forscher hatten eine Halbierung der bisherigen Quote auf 16.000 Tonnen empfohlen. Zudem forderten sie eine Verlängerung der fangfreien Zeit während der Laichperiode im Sommer, um den Aufbau der Bestände zu fördern. Auch das lehnten die Vertragsstaaten ab.

 

„Diese Entscheidung ist das Todesurteil für den Roten Tunfisch. Und die EU trägt die Hauptverantwortung in diesem traurigen Spiel“, erklärte Dr. Sergi Tudela, Fischereiexperte des WWF-Mittelmeerbüros. Neben den viel zu hohen offiziellen Fangmengen leiden die Tunfisch-Bestände unter illegaler Fischerei. Eine im Juli veröffentlichte WWF-Studie hatte gezeigt, dass in den letzten Jahren die tatsächlichen Fangmengen 50 Prozent über den Quoten lagen. Vor allem die EU-Flotte macht mit dem gesetzeswidrigen Fang Profit. So wurden in den Jahren 2004 und 2005 statt der erlaubten 32.000 über 50.000 Tonnen Roter Tunfisch gefangen.

 

Die Bestandsrückgänge seien deshalb dramatisch, so der WWF. Allein in den Gewässern um die Balearen sind die Fangmengen seit 1995 um 85 Prozent gefallen. Konnten spanische und französische Fischer damals noch 14.699 Tonnen anlanden, waren es in dieser Saison nur noch 2.270 Tonnen. Hauptabnehmer für den begehrten Speisefisch ist Japan. Aber auch in Deutschland ist er beliebt. Ein Kilogramm Roter Tunfisch kostet etwa 150 Euro. Ein Tun kann bis zu 700 Kilogramm auf die Waage bringen. Wegen seiner enormen Geschwindigkeit von bis zu 70 km/h gilt er als der „Ferrari“ unter den Fischen – er kann den Atlantik in nur 40 Tagen überqueren.

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken