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Tunfisch vor dem Kollaps

12. September 2006

WWF legt neue Zahlen vor. Spanische Fischer fürchten um Existenz. EU muss handeln.

 

Madrid/Hamburg, 12.09.2006: Die Bestände des Roten Tunfischs (Thunnus thynnus) sind in den traditionellen Fanggründen des Mittelmeeres drastisch zurückgegangen. Nach heute vom WWF Spanien vorgelegten Zahlen ist die Fangmenge in den Gewässern um die Balearen seit 1995 um 85 Prozent gefallen. Konnten spanische und französische Fischer damals noch 14.699 Tonnen anlanden, waren es in dieser Saison nur noch 2.270 Tonnen. "Der Tunfisch steht vor dem Kollaps. Die betroffenen Fischer bangen um ihre Existenz. Jetzt muss die EU endlich handeln", fordert WWF-Fischereiexpertin Heike Vesper. Roter Tunfisch ist auf dem Weltmarkt begehrt und wird vor allem für die Trendspeise Sushi verarbeitet.

 

Auch die zahlreichen Zuchtfarmen entlang der spanischen Küste spüren den Rückgang. In diesem Jahr wurden nach Angaben des WWF nur 22.520 Tonnen Tunfisch zur Mästung gefangen. Im Vorjahr waren es noch 30.000 Tonnen. Damit konnten die Farmen 2006 nicht einmal die Hälfte ihrer Kapazitäten von 50.000 Tonnen füllen. Sechs spanische Tunfisch-Zuchten mussten in diesem Jahr wegen der Bestandsrückgänge vor den Balearen schließen.

 

Wichtigste Ursache für den Rückgang der Bestände sind zu hohe Fangquoten und die illegale Fischerei. Im Juli hatte eine WWF-Studie erstmals dokumentiert, dass die offiziellen Quoten um über 40 Prozent überschritten werden. Auch die EU-Flotte beteiligt sich an der illegalen Ausbeutung. Trotz des dramatischen Einbruchs der Bestände und der kriminellen Machenschaften der Fischereiflotte subventioniert die EU den Tunfisch-Fang.

 

Die EU müsse sich endlich zu einer nachhaltigen Fischerei bekennen und die Plünderung des Tunfischs stoppen, fordert der WWF. Die EU-Kommission müsse ihre gewichtige Stimme im Rahmen des Internationalen Fischereiabkommens für den Atlantischen Tunfisch (ICCAT) für einen Wiederaufbauplan der Tunfisch-Bestände einsetzen. Das Gremium tagt im November. Der WWF fordert unter anderem, den industriellen Fischfang während der Laichzeit zu verbieten, um das Überleben der fortpflanzungsfähigen Tunfische zu sichern. Zudem müssten ständige Beobachter an Bord der Tunfischboote und in den Farmen die Einhaltung der Fangquoten sichern. Schließlich müsse eine Mindestgröße für den gefangenen Fisch eingeführt werden.

 

Der Verband der traditionellen spanischen Tunfisch-Fischer (OPP51) unterstützt die Forderungen des WWF. Die Fischer versammeln sich heute in Brüssel, um gegen die Politik der EU zu protestieren. "Wir fürchten um unsere Arbeitsplätze", so Marta Crespo, Direktorin von OPP51.

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