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Die Geschichte des WWF - 3. Teil

Grönlandwal. © naturepl.com / Martha Holmes / WWF
© naturepl.com / Martha Holmes / WWF

Von Großwalen bis zum großen Ganzen

Einer der größten Erfolge in den achtziger Jahren war das Verbot der Jagd auf Großwale: Der WWF konnte die Mehrheit der Mitglieder der Internationalen Walfang-Kommission davon überzeugen, die dramatisch geschrumpften Populationen der Meeressäuger fortan zu schonen. Das Moratorium gilt bis heute – obgleich von Ländern wie Japan und Norwegen fortwährend hintertrieben – als entscheidende Maßnahme zur Rettung der Wale.


1991 erweiterte der WWF erneut seinen Aktionsradius: Gemeinsam mit UNEP und IUCN wurde eine Strategie für nachhaltiges Leben entwickelt und in mehr als 70 Ländern veröffentlicht. 132 Maßnahmen listete das Papier auf, mit denen Menschen jeglicher Herkunft und Bildung ihre Umwelt schützen und zugleich ihre Lebensqualität verbessern können.

 

Die erste UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio 1992 verabschiedete auch dank des WWF-Drucks die entscheidenden Konventionen zur biologischen Vielfalt und zum Klimawandel. Viele Maßnahmen sind seither über den so genannten Agenda 21-Prozess weltweit beschlossen und lokal umgesetzt worden – bis in deutsche Gemeinden hinein.

Schützen durch Nutzen

Dank dem WWF wurde in Madagaskar Umweltbildung im Unterricht der Grundschulen verankert. © R. Maro/version-foto / WWF
Dank dem WWF wurde in Madagaskar Umweltbildung im Unterricht der Grundschulen verankert. © R. Maro/version-foto / WWF

Als Nichtregierungsorganisation war der WWF spätestens von diesem Zeitpunkt an, ein wichtiger Ansprechpartner für politische Umweltfragen. In Madagaskar zum Beispiel half der WWF, Umweltbildung im Unterricht aller Grundschulen zu verankern. In China erarbeitet der WWF mit dem dortigen Forstministerium einen Managementplan für die Rettung des Großen Pandas und seiner Bambuswälder. In Zambias Kafue Flats, einem besonders artenreichen Feuchtgebiet, wurden Dorfbewohner zu Wildlife-Rangern ausgebildet.


Unter dem Begriff „Schützen durch Nutzen“ ging der WWF neue Wege, um Arten und Lebensräume zu bewahren: Begleitet von WWF-Experten erhielten Dorfgemeinschaften in Zimbabwe das Nutzungsrecht über die Wildtiere ihrer Region. Sie durften sie – das war neu – für den Eigenbedarf jagen oder sie Touristen für Foto-Safaris „vermieten“. So wurde das Wild für sie wertvoll und damit schützenswert. Heute gilt für viele WWF-Projekte: Natur zu schützen muss sich für die Menschen lohnen.

 

Dieses Prinzip übertrug der WWF Anfang der 90er Jahre auch auf die Bewirtschaftung von Wäldern. Längst war der Boykott von Tropenholz gescheitert. Mit Partnern aus Wirtschaft und Politik entwickelte der WWF  Methoden, Wälder nachhaltig zu nutzen – nur so viel zu entnehmen, wie auf natürlichem Wege wieder nachwächst – und dabei die natürlichen Lebensräume in ihrer Vielfalt erhält. Das FSC-Siegel garantiert, dass Holz und Holzprodukte aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern stammen.

 

1997 folgte das MSC-Siegel für nachhaltig gefangenen Fisch. Der WWF hat es mit diesen Zertifikaten geschafft, ökologische Prinzipien als Standards zu etablieren. FSC und MSC sind Beispiele für gelungene Zusammenarbeiten zwischen Industrie und Naturschutz – auf dem Weg zu nachhaltigen Wirtschaftskreisläufen.

Der Living Planet Index

Wie dringend notwendig der Einstieg in nachhaltiges Wirtschaften war, zeigte 1998 der erste Living Planet Report. Der WWF hatte darin erstmals eine Art „Dow Jones für die Natur“ entwickelt, den Living Planet Index (LPI). Dieser misst die Fläche von Ökosystemen und die Zahl charakteristischer darin lebender Tier- und Pflanzenarten. Ergebnis dieser WWF-Studie: Von 1970 bis 1995 hatte die Welt innerhalb einer Generation knapp ein Drittel ihres Naturreichtums zerstört.


„To leave our children a living planet“ – unseren Kindern einen lebendigen Planeten zu  hinterlassen, wurde daher zum neuen Leitgedanken des WWF. Und Nachhaltigkeit zum Topthema des UN-Gipfels 2002 in Johannesburg.

Neues Denken

Doch eine nachhaltige Lebensweise ist noch immer für viele Fiktion. 2010 musste der Living Planet Report vermelden, dass die Nachfrage nach Naturgütern dermaßen zugenommen hat, dass wir inzwischen eigentlich eine zweite Erde brauchen, um diesen Bedarf zu decken. Das bedeutet: Wenn wir unsere Lebensweise nicht ändern, ist es nur eine Frage der Zeit, wann unser Naturkapital aufgezehrt sein wird.