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Stand: 22.07.2016

Der WWF Deutschland nimmt Abschied von Dr. Luc Hoffmann

Dr. Luc Hoffmann, WWF International Vizepräsident Emeritus, in Tour du Valat, Frankreich. © WWF Intl. / WWF
Dr. Luc Hoffmann, WWF International Vizepräsident Emeritus, in Tour du Valat, Frankreich. © WWF Intl. / WWF

Am Donnerstag ist Luc Hoffmann, einer der Gründungsväter des WWF im Alter von 93 Jahren in seinem Haus in der Camarque gestorben. Er war 1961 der erste Industrielle, der sich dem WWF anschloss. Luc Hoffmann (vom Schweizer Chemiekonzern Hoffmann-LaRoche) wird Vizepräsident des WWF und bleibt es bis 1988. Er engagierte sich überdies in der IUCN, dem International Waterfowl and Wetlands Research Bureau und bei Birdlife International. Der mehrfache Ehrendoktor und Autor von über 60 Büchern und anderen Veröffentlichungen über Vogelschutz und den Schutz von Feuchtgebieten war eine treibende Kraft hinter der Ramsar-Konvention. Luc Hoffmann hatte großen Anteil am ersten Projekt des WWF: der Rettung des Feuchtgebietes La Doñana in Südspanien, einem Weltnaturerbe der Menschheit. In einem seiner letzten Interviews mit der spanischen Tageszeitung Diario de Sevilla erinnert er sich an den Kampf um die einmalige Naturlandschaft und wie er zum WWF kam. Anlässlich des Todes des großen Naturschützers übersetzen wir das Gespräch in Auszügen.

Ein Kampf gegen Traktoren und Eukalyptus

Als Luc Hoffman in den 50er Jahren die Doñana und seinen Mitstreiter, den spanischen Ornitologen Antonio Valverde, kennen lernte, war er ein leidenschaftlicher junger Mann, der Wochen damit zubringen konnte, Reiher zu beringen. Ein Mann, der in der Lage war, Minister Francos zu überzeugen, der Gelder organisieren konnte und bereit war, alles Notwendige zu tun, um die Landschaft vor der Zerstörung durch Traktoren und Eukalyptusplantagen zu bewahren. Luc war für die Doñana ein Geschenk der Vorsehung und ein echter Philanthrop.

Was war ihr erster Eindruck, als sie das erste Mal die Doñana besuchten?

Ich war sprachlos. Es war ein Erlebnis, das ich in dieser Intensität noch nie erfahren hatte.(…)

Haben Sie mit der Franco-Regierung seinerzeit über die Region gesprochen, um sie von den Plänen abzubringen, das Gebiet landwirtschaftlich zu erschließen?

Ja. Und was letztlich den Ausschlag gab, dass sich die spanische Regierung mit der Idee eines großen Naturparks anfreunden konnte, war die schrittweise Veränderung der Haltung der Großgrundbesitzer. Sie betrachteten ihre Ländereien zunehmend nicht nur als Agrarflächen, sondern wollten sie in einem natürlichen Zustand bewahren. 

Was hat sich damals abgespielt?

Coto Doñana, Andalusien, Spanien © Global Warming Images / WWF
Coto Doñana, Andalusien, Spanien © Global Warming Images / WWF

Die Regierung trieb ein Gesetz voran, um die Pinienwälder in Plantagen umzuwandeln und überall Eukalyptus anzupflanzen. Außerdem wurde ein großer Deich gebaut, um die Überflutungsgebiete von den Flächen zu trennen, die man trocken legen und beackern wollte. Die Pläne stießen auf großen Widerstand bei denjenigen, die am Naturschutz interessiert waren. Schließlich übernahmen José Antonio Valverde und ich eine Art Vermittlerrolle. Wir wurden vom damaligen Minister für staatliche Entwicklung und Forschung empfangen. In den Gesprächen haben wir sehr deutlich gemacht, dass wir davon ausgehen, dass die Regierung Spanien in ein modernes produktives Land überführen will und gaben ihnen gleichzeitig zu verstehen, dass ein Naturpark mindestens ein genauso modernes Anliegen ist wie Land- oder Waldwirtschaft.

Wie kamen es zu dem Ankauf von Flächen für den Naturschutz?

Nach unseren Gesprächen mit der Regierung entstand bei uns der Eindruck, dass es vielleicht Möglichkeiten geben könnte, die Doñana zu retten. Valverde und ich versuchten Geld aufzutreiben und wir erhielten Unterstützung für erste Landkäufe. Eines Tages berichteten mir Max Nicolsen (einer der Gründer von IUCN und WWF) und Peter Scott (Sohn des Antarktisforschers), dass sie eine Stiftung gründen wollten, um wichtige Naturschätze zu sichern. Weil sie gehört hatten, dass Valverde und ich Geld sammelten um Gelände zu kaufen, wollten sie, dass wir uns zusammen tun. Der Coto Doñana sollte das erste wichtige Projekt werden, das aus dem künftigen Finanztopf finanziert wird. So wurden Valverde und ich in die Gründung des WWF und den Ankauf von Flächen in der Doñana eingebunden.

Das heißt, der WWF wurde gegründet, um die Flächen in der Doñana zu kaufen?

Ja. Es war das erste wichtige Projekt der Organisation. Wir konnten schließlich durch die Vermittlung von Mauricio González Gordon und der Hilfe des Grafen Lopez de Carrizosa, der ein schlechtes Gewissen hatte, weil er uns seine Finca las Nuevas nicht verkauft hatte, tatsächlich Flächen erwerben.

Der Graf Lopez de Carrizosa war der große Unbekannte beim Schutz der Doñana oder?

Der Graf hat uns übel mitgespielt, weil er uns im Glauben ließ, der Ankauf der „Finca Las Nieves“ sei abgemacht. Er verkaufte sie aber schließlich als Jagdrevier an den italienischen Industriellen Leo Baggi. Wegen diesen Deals hatte er allen Grund für Gewissensbisse. In seinem Testament war López de Carrizosa später in Sachen Doñana sehr klar, wodurch wir später ein Drittel seines Besitzes kaufen konnten. (…)

Welche Hoffnungen setzen sie heute in die Doñana?

Die Doñana ist als einer der wichtigsten Nationalparke Europas, wenn nicht sogar der Welt anerkannt. Ich glaube, ein Teil des spanischen Nationalgefühls manifestiert sich in dem Park und trägt zum Nationalstolz des Landes bei. 

Was wäre aus der Doñana geworden, wenn in den 60er Jahren nicht gelungen wäre, die Region zu retten.

Schwer zu sagen, aber ich denke, die Urbarmachung für Plantagen hätte aufgrund der natürlichen Rahmenbedingungen keine Früchte getragen. Wahrscheinlich hätte die Regierung irgendwann einen Rückzieher machen müssen. Die Pläne waren illusorisch.

Feuchtgebiet im Doñana National Park, Andalusien, Spanien © naturepl.com / Juan Carlos Munoz / WWF
Feuchtgebiet im Doñana National Park, Andalusien, Spanien © naturepl.com / Juan Carlos Munoz / WWF

UNESCO-Weltnaturerbe Doñana

Dass große Teile der einmaligen Landschaft von Agrarindustrie und Massentourismus verschont blieben, ist einigen solventen Naturschützern aus dem Umfeld des WWF zu verdanken. Die Organisation kaufte kurzerhand 7.000 Hektar des Marschlandes und legte damit den Grundstein für den heutigen Nationalpark, der sich auf über 50.000 Hektar erstreckt. Es ist ein Mosaik aus unterschiedlichen Landschaften: Bis zu 40 Meter hohe Wanderdünen begraben ganze Wäldchen aus Schirmkiefern unter weißem Sand. Marschflächen, die monatelang überflutet sind wechseln mit offenen Landschaften und Pinienwäldern, die bis zum Flussdelta am Atlantik reichen.

Die Doñana stellt nicht nur für die letzten Luchse einen wichtigen Rückzugsort dar. Mehr als sechs Millionen Vögel rasten oder brüten jedes Jahr in diesem wichtigsten Feuchtgebiet Europas. 360 Vogelarten und damit mehr als die Hälfte der europäischen Vögel wurden hier gesichtet. Flamingos, Störche, Stelzenläufer, Löffler und der seltene Iberische Kaiseradler machen das Naturerbe im Süden Spaniens zu einem Anziehungspunkt für Ornithologen aus aller Welt.

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