Content Section

Überführung der „Celebrity Silhouette“: Jungvögel könnten ertrinken

29. Juni 2011

Zuschauer an der Ems sollten Rücksicht auf flüchtende Vögel nehmen

 

Hamburg - Die Naturschutzverbände BUND, NABU und WWF weisen darauf hin, dass durch den Anstau der Ems für die heutige Überführung des Kreuzfahrtschiffes „Celebrity Silhouette“ von der Meyer Werft in Papenburg große Teile der Vorländer überstaut werden. Nicht flügge Jungvögel in den außendeichs gelegenen Europäischen Vogelschutzgebieten könnten dadurch ertrinken bzw. Gelege der Vögel zerstört werden. „Im Juni und Juli wachsen entlang der Ems unter anderem Rohrweihen und Blaukehlchen-Küken auf, die noch nicht schwimmen können. Auch die Elterntiere können sie nicht aus der Gefahrenzone herausführen. Das bedeutet für einige Jungvögel, dass sie durch die Überflutung ertrinken könnten. Da das Gebiet ‚Emsauen zwischen Ledamündung und Oldersum’ vom Landkreis Leer durch eine Naturschutzgebiets-Verordnung ausgewiesen wurde, ist es folgerichtig, dass der Landkreis seinen Verpflichtungen nachkommt und jegliche Störung dieses Gebietes untersagt“, erläutert Elke Meier vom NABU Landesverband Niedersachsen.

 

Jungvögel, die zumindest schon laufen können, könnten vor dem ansteigenden Wasser in Richtung der Deiche flüchten. Vera Konermann, Gewässerreferentin des BUND, appelliert an die Besucher: „Wir bitten alle Zuschauer der Überführung, Rücksicht auf Vögel und andere Tiere zu nehmen, die möglicherweise fliehen müssen. Sie sollen sich verantwortungsbewusst verhalten und die Vogelschutzgebiete nicht betreten, sondern die Schiffsüberführung von anderen Stellen aus beobachten und dazu befestigte Wege nicht verlassen. Wir begrüßen es sehr, dass diesmal auch das Niedersächsische Landesamt für Küsten- und Naturschutz, die Landkreise und die Werft die Besucher darauf hinweisen, dass die Naturschutzgebiets-Verordnung ein Betretensverbot vorschreibt“, ergänzt Konermann.

 

Die Überführung der „Celebrity Silhouette“ werde hoffentlich für lange Zeit die letzte große Schiffsüberführung während der Hauptbrutzeit der geschützten Vögel sein. Dank der im Juni 2009 geschlossenen Vereinbarung der Umweltverbände BUND, NABU und WWF mit der Meyer Werft dürfen künftig keine Schiffe in der Zeit vom 1. April bis 15. Juli überführt werden, für die die Ems so hoch (NN + 2,20 m) angestaut werden muss, dass die unter Schutz stehenden Brutgebiete überflutet werden.

 

Doch während für den Vogelschutz eine Lösung gefunden wurde, die Ökonomie und Ökologie berücksichtigt, bleibt das Schlick- und Sauerstoffproblem in der Unterems weiter ungelöst. „Die Eingriffe der Vergangenheit und die Ausbaggerungen vor jeder Schiffsüberführung haben den Fluss zerstört. Baggerarbeiten in den Sommermonaten sind besonders kritisch. Auch heute ist der Sauerstoffgehalt wieder so niedrig, dass auf 30 Kilometern Flussstrecke kein Fisch mehr leben kann“, erklärt Beatrice Claus vom WWF. Eine ökologische Sanierung sei daher nötiger denn je.

 

BUND, NABU und WWF haben Ende 2010 gemeinsam mit der TU Berlin das Projekt „Perspektive Lebendige Unterems“ gestartet. Dabei sollen Möglichkeiten der Renaturierung der Unteren Ems entwickelt und für die Öffentlichkeit visualisiert aufgearbeitet werden. Mehr Informationen zu dem Projekt finden sie im Internet unter: www.wwf.de/regionen/ems/  

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken