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Verschwindet der Dorsch vom Teller?

20. Oktober 2006

WWF-Studie warnt vor Kollaps des Ostsee-Dorsches. Ursachen: Illegale Fischerei und politische Ignoranz.

 

Hamburg, 20.10.2006: Nach dem Zusammenbruch der Kabeljaubestände vor Kanada und in der Nordsee steht auch die Zukunft des Ostsee-Dorsches (Kabeljau) auf Messers Schneide. Besonders gefährdet ist laut einer neuen WWF-Studie der Bestand in der östlichen Ostsee zwischen Bornholm und Finnland, der etwa 90 Prozent der Dorsche ausmacht. „Zu hohe Fangquoten, schlechtes Management und illegale Fischerei drohen einen ganzen Wirtschaftszweig zu ruinieren“, so WWF-Meeresbiologin Heike Vesper. Auch der Dorsch in der westlichen Ostsee sei bereits bis an seine Grenzen befischt. Der WWF fordert die EU auf, den Fang auf die östlichen Bestände vorerst einzustellen. Dauerhaft müsse die Zahl der Fangschiffe drastisch reduziert und einen Rettungsplan für die Dorschbestände beschlossen werden.  

 

Laut WWF ist der Dorschbestand in der östlichen Ostsee auf ein Drittel seiner natürlichen Größe geschrumpft. Wissenschaftler empfehlen der EU deshalb, den Fang einzustellen. Wie schon in den vergangenen Jahren wollen die EU-Minister diese Empfehlungen bei der Ratssitzung in der kommenden Woche jedoch ignorieren und eine Quote von 40.000 Tonnen für 2007 beschließen.

 

Die illegale Fischerei verschärft das Problem. Nach Schätzungen von Wissenschaftlern fangen viele Länder 50 bis 100 Prozent mehr Dorsch, als erlaubt. So wurden beispielsweise 2004 offiziell 69.000 Tonnen Dorsch in der östlichen Ostsee gefangen – fünfmal mehr als die Wissenschaftler empfohlen hatten. „Rechnen wir die illegalen Fänge hinzu, so dürften jedoch weit über 100.000 Tonnen gefangen worden sein“, schätzt Vesper. Eine Katastrophe für die Zukunft der Bestände. Die Zeche für die illegale Fischerei zahlen diejenigen Fischer, die sich an die Quoten halten und Jahr für Jahre weniger Dorsch fangen. Der WWF fordert Brüssel und die EU-Länder auf, endlich wirkungsvolle Kontrollen einzuführen, um den Piratenfischern das Handwerk zu legen.  

 

Der WWF warnt auch vor den ökonomischen Kosten der Krise. „Die Fangmengen gehen seit 20 Jahren drastisch zurück. Bei einem gesunden Bestand könnte man Jahr für Jahr etwa 160.000 Tonnen Dorsch in der Ostsee fangen. Der wirtschaftliche Verlust liegt Jahr für Jahr im dreistelligen Millionen-Bereich“, so WWF-Expertin Vesper. Bei einem Zusammenbruch der Fischerei drohen tausende Arbeitsplätze verloren zu gehen. Als 1992 die kanadische Kabeljau-Fischerei Zusammenbrach, waren auf einen Schlag 40.000 Menschen ohne Arbeit. „Ein warnendes Beispiel, dass die Verantwortlichen in Europa leider ignorieren.“  

 

Der WWF fordert auch die Verbraucher auf, auf die Krise zu reagieren. In seinem am Mittwoch veröffentlichten WWF-Fischführer rät er vom Kauf von Kabeljau bzw. Dorsch ab. Stattdessen empfiehlt der WWF, auf Fisch mit dem blauen Ökosiegel des Marine Stewardship Council (MSC) zu setzen.

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