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Versteigerung führt nicht zu höheren Strompreisen

23. September 2008

WWF-Studie weist nach: kostenlose Zuteilung der CO2-Rechte führt ausschließlich zu massiven Mehreinnahmen für europäische Stromkonzerne

 

Berlin – Die Versteigerung von Verschmutzungsrechten im Emissionshandel ist kein Auslöser für steigende Strompreise in Europa. In liberalisierten Strommärkten, die derzeit für ganz Europa umgesetzt werden, reichen Stromkonzerne die Kosten für CO2 in jedem Falle an ihre Kunden weiter – unabhängig von der Art der Zuteilung. „Die Frage ist nicht: steigen die Strompreise aufgrund der Versteigerung im Emissionshandel. Sondern vielmehr: was passiert mit dem Geld? Wandert es direkt in die Kassen der Konzerne oder fließt es zurück zum Staat und kann sinnvoll zum Schutz des Klimas eingesetzt werden“, erklärt Juliette de Grandpré, Expertin für Kohlenstoffmärkte beim WWF.  

 

Die heute veröffentlichte WWF-Studie, durchgeführt von New Carbon Finance – einem führenden Informationsnetzwerk für globale Kohlenstoffmärkte – analysiert die Strompreise in Polen, Ungarn, Tschechien und Deutschland. Sie kommt dabei zum Ergebnis, dass in liberalisierten Märkten die Kosten für CO2-Zertifikate sowie andere Kosten (z. B. Brennstoffkosten, Steuern etc.) in den Endkundenpreis einfließen. „Werden in einem solchen System die Verschmutzungsrechte kostenlos zugeteilt, führt das lediglich zu immensen Mehreinnahmen für die Energiekonzerne“, so de Grandpré. „Im Umkehrschluss steht dieses Geld dem Staat nicht zur Verfügung, um Maßnahmen gegen den Klimawandel zu finanzieren.“  

 

Die Analyse zeigt, dass sich die Funktionsweisen der Strommärkte mit ihrem Grad an Liberalisierung angleichen. In Deutschland haben die Energieriesen die Kosten für CO2 bereits seit Beginn des Emissionshandels im Jahr 2005 an ihre Kunden weitergegeben – obwohl sie selbst für die Verschmutzungsrechte zum größten Teil nichts zahlen mussten. Damit entstehen den Konzernen, nach Berechnungen des WWF und Point Carbon, allein von 2008 bis 2012 Mehreinnahmen von bis zu 34 Milliarden Euro.  

 

Die Europäische Kommission hat für Polen und Ungarn eine schnelle Öffnung ihrer Strommärkte beschlossen; der Strommarkt der Tschechischen Republik ist bereit liberalisiert. Die Studie zeigt, dass bspw. der polnische Strommarkt – auf dem Weg der Liberalisierung seit Januar 2008 – die gleichen Mechanismen zur Integration aller Kosten in den Großhandelsstrompreis zeigt. Die dort noch freie Zuteilung der Verschmutzungsrechte führt dort voraussichtlich bis 2012 zu zusätzlichen Einnahmen von neun Milliarden Euro für die polnischen Energieunternehmen (Quelle: Point Carbon).  

 

Die Versteigerung der CO2-Rechte hat einen weiteren Vorteil für die osteuropäischen Länder. Sie stellt den Staaten zusätzliche Mittel in Milliardenhöhe zur Verfügung, zusätzlich zum von der EU-Kommission vorgeschlagenen Solidaritätsmechanismus. „Durch den geplanten 10-prozentigen Solidaritätsmechnismus im EU-Emissionshandel erhalten Polen bis zu 1,4 Milliarden Euro, Tschechien bis zu einer Milliarde Euro und Ungarn zwischen 300 und 700 Millionen Euro, die in kohlenstoffarme Technologien wie den Ausbau erneuerbarer Energien investiert werden können“, fügt de Grandpré hinzu.  

 

Das Europäische Emissionshandelssystem wurde 2005 eingeführt, um in Europa den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu den geringsten Kosten zu reduzieren. CO2 erhält einen Preis und die Unternehmen, die weniger CO2 ausstoßen, können durch den Verkauf der Verschmutzungsrechte profitieren. 

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