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Viele Gütesiegel verhindern keine Umweltsünden

21. Februar 2008

WWF-Studie zu Zuchtfisch: Bio-Label garantieren bessere Standards.

 

Hamburg - Die handelsüblichen Gütesiegel für Fisch aus Aquakulturen weisen meist erhebliche Mängel auf. Dies geht aus einer WWF-Untersuchung von 17 auf dem europäischen Markt verbreiteten Zertifikaten hervor. „Kein Siegel erfüllt alle WWF-Kriterien. Allerdings schneiden Bio-Label besser ab als konventionelle Zertifikate“, erläutert WWF-Fischereiexpertin Catherine Zucco. Bei der Untersuchung wurden Umwelt-, Sozial-, Tierschutz- sowie organisatorische Kriterien berücksichtigt.  

 

Die Aquakultur ist mit Steigerungsraten von durchschnittlich neun Prozent seit 1970 der am schnellsten wachsende Zweig in der weltweiten Ernährungswirtschaft. 2005 wurden fast 48 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte in Süßwasser- und Meereszuchten erzeugt. Fast 47 Prozent des von Menschen konsumierten Fisches stammt aus Aquakulturen. Typische Zuchttiere sind beispielsweise Shrimps, Lachs, Austern und Muscheln.  

 

„Leider bietet Zuchtfisch dem Verbraucher heute in vielen Fällen keine bessere Wahl als Wildfisch“, so WWF-Expertin Zucco. Der rasante Ausbau der Aquakultur führt zu teils massiven Umweltproblemen. Typisch sind die Zerstörung küstennaher Lebensräume wie Mangrovenwälder, der Eintrag von Chemikalien oder Antibiotika ins Meer oder die Verdrängung einheimischer Arten. So hatte eine weitere WWF-Studie kürzlich gezeigt, dass entkommene, regionsfremde Zuchtlachse in Chile 90 Prozent der einheimischen Süßwasserfische gefährden. Zudem trägt die Aquakultur zur Überfischung der Weltmeere bei. So werden für ein Kilo Lachs oder Kabeljau bis zu vier Kilo wild gefangener Fisch verfüttert.  

 

Die auf dem deutschen Markt führenden Biolabel „Naturland“ und „Bioland“ haben in der WWF-Untersuchung gut abgeschnitten. Naturland zeichnet sich durch anspruchsvolle soziale Kriterien, Bioland durch hohe Umwelt- und Tierschutzstandards hervor. Der WWF rät Verbrauchern in seinem Fischführer zum Kauf von Bio-Lachs, Bio-Shrimps und Forellen. Zuchtfisch wie Lachs aus Norwegen oder Schottland, Mittelmeer-Dorade oder Nordsee-Miesmuscheln stuft der WWF hingegen als „bedenklich“ ein. Von Aal und tropischen Shrimps rät der WWF-Fischführer ausdrücklich ab (www.wwf.de/fisch).  

 

„Die Meere sind überfischt – und die Nachfrage nach Fisch steigt weiter. Diesen Teufelskreislauf können wir nur durchbrechen, wenn wir ein nachhaltiges Aquakultur-Angebot schaffen“, erklärt Zucco. Darum entwickelt der WWF gemeinsam mit Produzenten, Kunden und anderen Interessengruppen Kriterien für nachhaltige Zuchten. Diese Aquakultur-Dialoge umfassen 12 Arten, darunter Shrimps, Forellen, Lachs, Pangasius und Muscheln. Ziel ist  ein gemeinsames Öko-Gütesiegel – ähnlich dem vom WWF mitentwickelten „Marine Stewardship Council“ (MSC) für Wildfisch.

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