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Vorreiter der Holzbranche haben den Holzweg verlassen

07. September 2009

WWF-Aktion auf der „spoga“ ruft Nachzügler auf, die „FSC-Brille“ aufzusetzen – nach wie vor viele dubiose Holzprodukte am Markt

 

Die ökologischen Zugpferde der deutschen Holzbranche gehen immer konsequenter den Weg der verantwortungsvollen Holzbeschaffung. Allerdings folgt die große Mehrheit noch immer nicht dem Trend FSC (Forest Stewardship Council). Zu diesem gemischten Ergebnis kommt die diesjährige Unternehmensbefragung des WWF, die heute auf der Gartenmöbelmesse „spoga“ in Köln vorgestellt wurde. Rund 180 Betriebe wie Baumärkte oder Versandhändler waren zum sechsten Mal seit 2003 gebeten worden, Angaben zu ihrem Holzsortiment zu machen.

 

Die Studie wurde am Rande eines WWF-Events vor dem Messeeingang vorgestellt. Mit einer überdimensionalen Brille mit FSC-Logo begrüßte der WWF die Besucher der „spoga“ am Messeeingang Süd und rief Unternehmen auf, den Zugpferden der Branche zu folgen und endlich auch die „FSC-Brille“ aufzusetzen und ihre Einkäufe für die nächste Saison darauf auszurichten.

 

Wie aus dem Ranking hervorgeht, bieten die Unternehmen, die der WWF als „vorbildlich“ oder „auf einem guten Weg“ einschätzt, zusammen rund 3800 Holzartikel aus FSC an. Das entspricht einem Plus von 20 Prozent gegenüber 2007. „Vor allem bei Gartenmöbeln gibt es einen eindeutigen Trend hin zu FSC“, so Johannes Zahnen, Holzexperte beim WWF Deutschland. „Die Unternehmen, die auf FSC setzen, leisten nicht nur einen Beitrag im Kampf gegen kriminellen Holzhandel, Raubbau an den Regenwäldern und für soziale Gerechtigkeit; sie sichern sich auch langfristig Marktanteile“.

 

Allerdings sind es nach wie vor erst 18 Unternehmen, die der WWF in seinem Ranking als „vorbildlich“ oder „auf einem guten Weg“ einstuft. Lediglich zwei Unternehmen (Garvida und Landmann-Peiga) schätzt der WWF als vorbildlich ein, da sie nahezu ausschließlich Produkte aus FSC-Holz anbieten. 16 Unternehmen sind „auf einem guten Weg“, darunter die großen Baumärkte Hornbach, Max Bahr, OBI und Praktiker. Bei 17 Unternehmen sieht der WWF in seinem Ranking Nachholbedarf. Allerdings setzen sich auch diese Firmen mit dem Thema nachhaltige Waldbewirtschaftung auseinander und bieten FSC-zertifizierte Produkte an.

 

„Da sich 145 Betriebe gar nicht erst an der Befragung beteiligt haben, gehen wir davon aus, dass für die meisten von ihnen verantwortungsvolle Holzbeschaffung leider immer noch kein Thema ist“, so Johannes Zahnen. „Wir würden uns wünschen, dass diese Unternehmen einsehen, dass sie auf dem Holzweg sind: ökologisch und betriebswirtschaftlich“.

 

Vor allem im Internet werden oft Tropenholz-Gartenmöbel ohne FSC-Zertifikat aus den Urwäldern Südamerikas und Südost-Asiens bedenkenlos und in großem Stil gehandelt. Allein Indonesien ist durch die gnadenlose Waldvernichtung zum drittgrößten CO2 Emittent der Welt geworden, Orang-Utans haben kaum noch eine Überlebenschance. Aktuellste Entwaldungszahlen des WWF für Indonesien haben kürzlich die Dramatik aufgezeigt. Bis zum Jahr 2020, so der Trend, werden beispielsweise die Tieflandregenwälder Borneos weitgehend abgeholzt sein. Verantwortungsbewusste Firmen haben gegenüber ihren skrupellosen Konkurrenten das Nachsehen, weil Produkte mit illegalem Hintergrund in der Regel billiger sind. Da viele Unternehmen nicht freiwillig auf Nachhaltigkeit beim Holzimport achten, fordert der WWF einen politischen Rahmen.

 

„Die Europäische Union muss endlich die lange angekündigte Verordnung zum Verbot von Holzimporten mit illegalem Hintergrund verabschieden. Wichtig dabei ist, dass wir eine Verordnung bekommen, dessen Inhalte auch dazu geeignet sind, eine Verbesserung herbeizuführen. Wir dürfen jetzt nicht noch mehr Zeit verlieren“, fordert Johannes Zahnen.

 

Kunden können sich vor dem Kauf von Holzprodukten aus dubiosen Quellen und der damit verbundenen Vernichtung wertvoller Wälder schon heute schützen, indem sie auf das FSC-Siegel achten.

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