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Wasserkrise erreicht auch die reichen Länder

16. August 2006

Aktuelle WWF-Studie: Gravierender Wassermangel in den Industrienationen

 

Frankfurt, 16. August 2006: Der berühmte englische Rasen könnte bald der Vergangenheit angehören. Denn Dürrekatastrophen und Wasserknappheit werden sich laut einer aktuellen WWF-Studie mit dem Titel "Rich Countries, Poor Water" nicht auf die armen Nationen der Südhalbkugel konzentrieren, sondern auch die reicheren Industriestaaten treffen. Besonders anschauliche Beispiele sind nach Ansicht des WWF die Länder Spanien, USA, Kanada, Australien sowie Teile Englands. Die Umweltschützer machen eine Kombination aus Klimawandel und Trockenheit, Verschmutzung, Verschwendung, den Verlust und die Versiegelung von Feuchtgebieten sowie jahrelanges Missmanagement verantwortlich.

 

"Auch goldene Wasserhähne nützen einem nichts, wenn kein oder nur schmutziges Wasser aus der Leitung fließt", stellt Martin Geiger, Süßwasserexperte des WWF, fest. Ökonomischer Wohlstand schütze nicht vor der globalen Wasserkrise: Zwar seien viele der betroffenen Staaten technisch dazu in der Lage, neue Wasserquellen zu erschließen. Die für den Bau neuer Mega-Staudämme, tieferer Brunnen, neuer Entsalzungsanlagen sowie zusätzlicher Flussumleitungen erforderlichen Kosten stünden jedoch in keinem Verhältnis zu dem vergleichsweise geringen Aufwand einer vorausschauenden Wasserpolitik. Alle diese Maßnahmen sollen weitere Wasserreserven erschließen, um die Versorgung zu sichern. Doch Geiger weiß: "Das sind langfristig mehr oder weniger nutzlose Ad-hoc-Reaktionen auf die spürbare Wasserkrise. Aber wir wissen aus Erfahrung, dass zusätzliche Leitungen und Dämme keine Umweltprobleme lösen. Im Gegenteil: Sie schaffen neue." Außerdem zeichne sich schon jetzt eine enorme Schadensbilanz für die Natur ab: Zum Teil wurden in den vergangenen Jahren Milliardenbeträge investiert, um bedeutende Feuchtgebiete wie die Everglades wieder herzustellen und Flüsse wie den Rhein zu säubern. Dem Schutz der natürlichen Wasservorkommen und dem sparsamen Umgang muss laut WWF angesichts der bereits auftretenden Probleme unbedingt der Vorrang gegeben werden.

 

Geiger skizziert die in der Studie herausgearbeiteten "Problemzonen": Schon heute stünde im Mittelmeerraum und im Südosten Englands die zunehmende Wasserknappheit einer weiterhin ungebremsten Verschwendung gegenüber. Das Wasser lande vor allem in der Landwirtschaft, in der Industrie und im Tourismussektor oder versiege in maroden Leitungsnetzen. In Australien, dem von Natur aus trockensten aller Kontinente, gefährden der klimabedingte Rückgang der Niederschläge und das Bevölkerungswachstum die Wasserversorgung der zwei größten Städte, Melbourne und Sydney. In den USA und Kanada werde in vielen Regionen schon jetzt viel mehr Wasser verbraucht als eigentlich vorhanden ist, sodass bereits einige der größten Grundwasserreservoire der Welt wie der Ogallala Aquifer erschöpft sind.

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