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Welterbe: WWF fordert Spitzengespräch

07. Januar 2008

Streit um das Wattenmeer: Blamage Deutschlands vor der UNESCO verhindern

 

Hamburg - Vor der entscheidenden Sitzung des Hamburger Senats am Dienstag fordert der WWF ein Spitzengespräch der norddeutschen Regierungschefs und des Bundesumweltministers, um den Antrag für die Anmeldung des Wattenmeeres als UNESCO-Welterbe zu retten. Sprecher des Hamburger Senats hatten angekündigt, aus dem internationalen Welterbe-Bündnis, dem auch die Niederlande angehören, aussteigen zu wollen. Damit würde jedoch die lange vorbereitete Anerkennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe insgesamt blockiert.  

 

„Dies wäre ein Wortbruch Hamburgs und ein Affront gegen die anderen Bundesländer, die Niederlande und die UNESCO. Deutschland droht eine internationale Blamage. Noch ist Zeit, umzuschwenken. Dafür sollten sich Peter-Harry Carstensen, Christian Wulff und Sigmar Gabriel umgehend mit Ole von Beust zusammensetzen, um die unverständlichen Bedenken Hamburgs zu entkräften“, appelliert WWF-Geschäftsführer Eberhard Brandes. Um die fristgerechte Abgabe zu gewährleisten, müssen die Regierungschefs spätestens bis Mitte Januar ihre Unterschrift unter den gemeinsamen Welterbe-Antrag von Deutschland und den Niederlanden setzen. Denn für diesen Antrag besteht nur ein kurzes Zeitfenster. Eine zweite Chance werde es so schnell nicht geben, vielleicht sogar nie wieder, fürchtet der WWF.  

 

Seit 1991 haben die Wattenmeerstaaten darüber diskutiert, den einzigartigen Naturraum an der Nordseeküste gemeinsam als Welterbe anzumelden. Hamburg hatte 2001 als erster Wattenmeer-Anrainer ein klares Ja beschlossen und bei der Erarbeitung des umfangreichen Antragspapieres an die UNESCO mitgearbeitet. Die endgültige Bestätigung des Antrags galt bisher als Formsache. Für alle Seiten völlig überraschend will der Senat jetzt seine Unterschrift verweigern. Schleswig-Holstein, Niedersachsen und die Niederlande haben das Dokument bereits verabschiedet und sind wie die Bundesregierung entsetzt über die Signale aus Hamburg. „Wir erwarten, dass der Senat zu dem Beschluss von 2001 steht“, so Brandes.  

 

Die Hamburger Wirtschaftsbehörde begründet die Kehrtwende mit dem Ausbau der Elbe. Der WWF-Geschäftsführer widerspricht: „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Elbvertiefung und dem UNESCO-Titel. Die Anforderungen durch den Naturschutz würden sich durch das Welterbe nicht ändern. Hamburg hat sich zudem schon vorab abgesichert – eine mögliche neue Elbvertiefung ist im vorliegenden Welterbe-Antrag ausdrücklich erwähnt.“ Über einen weiteren Ausbau der Elbe werde nach deutschem und europäischem Recht entschieden, nicht aber durch die UNESCO.  

 

Auch das Argument der Wirtschaftsbehörde, der Welterbe-Titel bedeute mehr Bürokratie, sei falsch, betont der WWF. Die UNESCO sei keine neue Genehmigungsbehörde und durch sie gebe es auch keine neuen Regulierungen. Hamburg drohe auch keine zweite „Waldschlösschen-Debatte“. Denn für den Baustopp der Dresdner-Brücke seien Verfahrensfehler verantwortlich und nicht der dortige Welterbe-Titel. Auch die Zukunft des Hamburger Hafens und der Arbeitsplätze seien in keiner Weise gefährdet. „Eher ist das Gegenteil der Fall. Denn die Anerkennung als Welterbe würde den Tourismus an der Nordseeküste weiter ankurbeln und neue Arbeitsplätze schaffen“, so Brandes.

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