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Widerstand gegen Mega-Staudämme

24. September 2010

Elf Staudammprojekte am Mekong gefährden Ökosysteme und Ernährungssicherheit. / Konsequenzen für Entwicklungszusammenarbeit?

 

Frankfurt - Die Umweltschutzorganisation WWF fordert ein zehnjähriges Moratorium für geplante Mega-Staudämme auf dem Hauptarm des Mekongs und zeigt sich zugleich über die Absicht der laotischen Regierung, den Bau des Sayabouly Staudamms zügig voranzutreiben, schockiert. „Sollte der Sayabouly-Damm nach den derzeitigen Plänen gebaut werden, würde das die Ernährung von 60 Millionen Menschen in Gefahr bringen“, erklärte WWF-Experte Martin Geiger. Ganze Fischpopulationen drohten aufgrund der Verbauung ihrer natürlichen Wanderwege zusammenzubrechen, auch die seltenen Giganten des Mekongs, wie etwa die 350 Kilogramm schweren Mekong-Riesenwelse, seien in Gefahr. Zugleich könnte der Damm die Nährstoffanreicherung im fruchtbaren Mekong-Delta, der Korn- und Reiskammer Vietnams, erheblich beeinträchtigen. „Es ist ein Hohn, dass die Vereinten Nationen über das Erreichen der Millenniumsziele debattieren, während die Ernährungssituation in Südostasien durch die Planung und den Bau solcher Mega-Staudämme unnötig verschärft wird“, sagte Geiger. „Sollten  Laos und Kambodscha die geplanten Staudammprojekte tatsächlich umsetzen, treiben sie große Teile ihrer eigenen Bevölkerung in die Armut. Als Konsequenz daraus, sollte Deutschland dann die Entwicklungshilfe aussetzen, solange die Auswirkungen nicht sauber erfasst und sinnvolle Alternativen entwickelt sind.“ Insgesamt sind nach WWF-Angaben elf Damm-Projekte auf dem Hauptarm des Mekongs geplant.
 
Am Bau des Sayabouly-Damms in Laos sind die thailändische Firma Karnchang Public und das Schweizer Unternehmen Colenco beteiligt. Der WWF habe mit allen Beteiligten das Gespräch gesucht, um über mögliche Alternativen zu diskutieren. Bisher ohne Erfolg. „Es gibt durchaus vernünftige Projekte und Ansätze, um Wasserkraft am Mekong nachhaltig zu betreibe“, erklärt Martin Geiger. So könne man in den zahlreichen Nebenarmen Turbinen alleine durch die Strömung antreiben lassen oder an bereits teilweise ausgebauten Zuflüssen noch weitere Wasserkraftwerke bauen. So könne der enorme Energiebedarf Thailands und Vietnams, aber auch die dezentrale Energieversorgung für Laos nachhaltig und umweltschonend gedeckt werden. Der WWF hatte erst vor wenigen Tagen zusammen mit anderen Umweltorganisationen und Investoren zu einem Kongress über die Risiken von Staudämmen nach Bangkok eingeladen.

Hintergrund: Der Mekong
Der Mekong ist mit etwa 4.500 Kilometern Länge der zehntgrößte Fluss der Welt. Sein Weg führt ihn vom tibetischen Hochland bis zur Mündung ins Südchinesische Meer durch China, Myanmar, Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam. Die Artenvielfalt des Mekong ist fast so gewaltig wie die des Amazonas. Besonders wichtig für die etwa 60 Millionen Menschen der Region ist der Fischreichtum des Flusses, denn er stellt ihre Haupteiweißquelle dar. Die lokale Fischerei am Mekong hat einen wirtschaftlichen Wert von rund sieben Milliarden US-Dollar pro Jahr und kommt vor allem der einheimischen Bevölkerung zugute.

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